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Wirtschaft & MärkteSamstag, 11. Juli 2026

Lateinamerikas Arbeitsmärkte: Formelle Zuwächse, aber Industrie unter Druck

Während Mexiko und Brasilien saisonale Einstellungen melden, dämpfen schwache Industrieproduktion und hohe Informalität die Beschäftigungsdynamik in der Region.

Die jüngsten Arbeitsmarktdaten aus Lateinamerika zeichnen ein gespaltenes Bild. In Mexiko stieg die Zahl der beim Sozialversicherungsinstitut IMSS registrierten Beschäftigten im Juni um 61.000 Stellen, der höchste Wert für diesen Monat seit 2021. Allerdings entfielen nach Analysen von ManpowerGroup 40.000 dieser neuen Plätze auf die erstmals obligatorische Registrierung von Plattformarbeitern etwa bei Uber oder DiDi. Ohne diesen Sondereffekt belief sich der tatsächliche Stellenzuwachs auf lediglich 21.000. Im brasilianischen Bundesstaat Ceará wiederum schaffen die Urlaubssaison und Großveranstaltungen wie der Fortal-Karneval rund 600 temporäre Arbeitsplätze, vor allem in Gastronomie und Sicherheitsdiensten. Das regionale Arbeitsamt IDT rechnet damit, dass etwa ein Fünftel der Stellen in dauerhafte Beschäftigung übergehen könnte.

Dem formellen Aufwuchs steht eine anhaltende Schwäche der Industrieproduktion gegenüber. Der mexikanische Indikator der Industrieaktivität (IMAI) sank im Mai gegenüber dem Vormonat um 0,8 Prozent, getrieben von einem Einbruch der Bauwirtschaft um 3,7 Prozent. In den ersten fünf Monaten schrumpfte die Industrieproduktion um 0,15 Prozent. Besonders betroffen ist die Automobilbranche, deren Fertigung um 3,8 Prozent zurückging. Die Analystin Gabriela Siller von Banco Base führt dies auf US-Sektorzölle und eine gesunkene Investitionsneigung wegen der Unsicherheit über die anstehende Überprüfung des Freihandelsabkommens T-MEC zurück. In Argentinien hat sich die Krise der Textilindustrie verschärft: Die Produktion brach im April um 23 Prozent im Jahresvergleich ein, die Kapazitätsauslastung fiel auf 36,6 Prozent. Seit Dezember 2023 gingen 24.000 Arbeitsplätze und 874 Betriebe verloren, so die Stiftung Pro Tejer.

Kolumbien verzeichnete unterdessen einen leichten Rückgang der Informalität. Der Anteil der Beschäftigten ohne Zugang zu Sozialversicherung sank im gleitenden Quartal März bis Mai auf 54,7 Prozent – den niedrigsten Stand seit Beginn der aktuellen Messreihe 2021. In den 13 größten Metropolregionen fiel die Quote auf 40,7 Prozent, in Bogotá sogar auf 33,2 Prozent. Dennoch arbeiten landesweit 13,3 Millionen Menschen informell, in ländlichen Gebieten sind es 83 Prozent. Die Internationale Arbeitsorganisation (ILO) mahnt, eine wirksame Formalisierung erfordere mehr als Gesetzesänderungen; sie müsse Produktivitätssteigerungen und konkrete Vorteile für Unternehmen und Beschäftigte bieten.

Die Ausblicke bleiben verhalten. In Mexiko dürfte die Dynamik der Plattformregistrierungen nachlassen, während die Industrie auf Klarheit im Handelsstreit mit den USA wartet. Für Kolumbien erwarten Beobachter wie die Beratung Crowe Co, dass die Informalität im zweiten Halbjahr angesichts steigender Lohnnebenkosten und schwächerer Konsumnachfrage wieder zunehmen könnte. In Argentinien belastet der anhaltende Kaufkraftverlust die gesamte Konsumgüterindustrie. Der nächste Prüfstein für die Region wird die Entwicklung der US-Handelspolitik im Vorfeld der T-MEC-Überprüfung sein.

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Samstag, 11. Juli 2026

Lateinamerikas Arbeitsmärkte: Formelle Zuwächse, aber Industrie unter Druck

Während Mexiko und Brasilien saisonale Einstellungen melden, dämpfen schwache Industrieproduktion und hohe Informalität die Beschäftigungsdynamik in der Region.

Die jüngsten Arbeitsmarktdaten aus Lateinamerika zeichnen ein gespaltenes Bild. In Mexiko stieg die Zahl der beim Sozialversicherungsinstitut IMSS registrierten Beschäftigten im Juni um 61.000 Stellen, der höchste Wert für diesen Monat seit 2021. Allerdings entfielen nach Analysen von ManpowerGroup 40.000 dieser neuen Plätze auf die erstmals obligatorische Registrierung von Plattformarbeitern etwa bei Uber oder DiDi. Ohne diesen Sondereffekt belief sich der tatsächliche Stellenzuwachs auf lediglich 21.000. Im brasilianischen Bundesstaat Ceará wiederum schaffen die Urlaubssaison und Großveranstaltungen wie der Fortal-Karneval rund 600 temporäre Arbeitsplätze, vor allem in Gastronomie und Sicherheitsdiensten. Das regionale Arbeitsamt IDT rechnet damit, dass etwa ein Fünftel der Stellen in dauerhafte Beschäftigung übergehen könnte.

Dem formellen Aufwuchs steht eine anhaltende Schwäche der Industrieproduktion gegenüber. Der mexikanische Indikator der Industrieaktivität (IMAI) sank im Mai gegenüber dem Vormonat um 0,8 Prozent, getrieben von einem Einbruch der Bauwirtschaft um 3,7 Prozent. In den ersten fünf Monaten schrumpfte die Industrieproduktion um 0,15 Prozent. Besonders betroffen ist die Automobilbranche, deren Fertigung um 3,8 Prozent zurückging. Die Analystin Gabriela Siller von Banco Base führt dies auf US-Sektorzölle und eine gesunkene Investitionsneigung wegen der Unsicherheit über die anstehende Überprüfung des Freihandelsabkommens T-MEC zurück. In Argentinien hat sich die Krise der Textilindustrie verschärft: Die Produktion brach im April um 23 Prozent im Jahresvergleich ein, die Kapazitätsauslastung fiel auf 36,6 Prozent. Seit Dezember 2023 gingen 24.000 Arbeitsplätze und 874 Betriebe verloren, so die Stiftung Pro Tejer.

Kolumbien verzeichnete unterdessen einen leichten Rückgang der Informalität. Der Anteil der Beschäftigten ohne Zugang zu Sozialversicherung sank im gleitenden Quartal März bis Mai auf 54,7 Prozent – den niedrigsten Stand seit Beginn der aktuellen Messreihe 2021. In den 13 größten Metropolregionen fiel die Quote auf 40,7 Prozent, in Bogotá sogar auf 33,2 Prozent. Dennoch arbeiten landesweit 13,3 Millionen Menschen informell, in ländlichen Gebieten sind es 83 Prozent. Die Internationale Arbeitsorganisation (ILO) mahnt, eine wirksame Formalisierung erfordere mehr als Gesetzesänderungen; sie müsse Produktivitätssteigerungen und konkrete Vorteile für Unternehmen und Beschäftigte bieten.

Die Ausblicke bleiben verhalten. In Mexiko dürfte die Dynamik der Plattformregistrierungen nachlassen, während die Industrie auf Klarheit im Handelsstreit mit den USA wartet. Für Kolumbien erwarten Beobachter wie die Beratung Crowe Co, dass die Informalität im zweiten Halbjahr angesichts steigender Lohnnebenkosten und schwächerer Konsumnachfrage wieder zunehmen könnte. In Argentinien belastet der anhaltende Kaufkraftverlust die gesamte Konsumgüterindustrie. Der nächste Prüfstein für die Region wird die Entwicklung der US-Handelspolitik im Vorfeld der T-MEC-Überprüfung sein.

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