
Kreatin, Abnehmspritzen und Blutproben: Neue Wege gegen Krebs und Depression
Forscher prüfen, ob günstige Nahrungsergänzungsmittel und GLP-1-Agonisten die Therapie von Tumoren und psychischen Erkrankungen verbessern können – die Evidenz stammt jedoch überwiegend aus frühen Studienphasen.
Gleich mehrere Arbeitsgruppen untersuchen derzeit, ob sich bekannte und teils preiswerte Substanzen für neue medizinische Einsatzgebiete eignen. Eine Metaanalyse von fünf randomisierten kontrollierten Studien mit 238 Teilnehmern deutet darauf hin, dass das Muskelaufbaupräparat Kreatin die Symptome einer Depression lindern könnte, wenn es zusätzlich zu Antidepressiva oder einer kognitiven Verhaltenstherapie gegeben wird. Zwei der ausgewerteten Studien zeigten bei schweren depressiven Störungen einen Nutzen, drei weitere – darunter eine bei bipolarer Störung – fanden keinen Vorteil. Die Forscher betonen, dass die Datenlage noch nicht ausreicht, um eine Behandlungsempfehlung abzuleiten.
Parallel dazu hat ein Team der University of California in Los Angeles im Mausmodell beobachtet, dass tägliche Kreatin-Injektionen das Wachstum von Melanom-Tumoren verlangsamten. Die im Journal iScience publizierte Untersuchung legt nahe, dass Kreatin nicht nur die für die Tumorabwehr wichtigen T-Zellen, sondern auch dendritische Zellen energetisch unterstützt. Da es sich um eine präklinische Studie an Tieren handelt, lassen sich daraus noch keine Empfehlungen für Krebspatienten ableiten. Die Autoren sehen das Supplement jedoch als möglichen ergänzenden Baustein für Immuntherapien.
Auf einem anderen Wirkmechanismus beruht das Interesse an GLP-1-Agonisten, die als „Abnehmspritzen“ breite Bekanntheit erlangt haben. Eine auf dem ASCO-Kongress vorgestellte retrospektive Analyse von mehr als 12.000 Patientendaten aus mehreren Weltregionen ergab, dass unter der Einnahme dieser Wirkstoffe das Risiko für Metastasen bei nicht-kleinzelligem Lungen-, Brust-, Darm- und Leberkrebs statistisch signifikant sank. Brasilianische Onkologen um Paulo Henrique Costa von der Universidade Federal de Minas Gerais weisen jedoch darauf hin, dass es sich nicht um randomisierte Studien handelt und die beobachteten Effekte vor allem auf die Kontrolle des Risikofaktors Adipositas zurückgehen dürften. Direkte Wirkungen auf Tumorzellen werden als Hypothese diskutiert, sind aber nicht belegt.
Ebenfalls noch in der Erprobung befindet sich die sogenannte Liquid Biopsy zur Überwachung von Krebspatienten nach Abschluss der Primärtherapie. Das Princess Margaret Cancer Centre in Toronto hat die SHERLOCK-Studie gestartet, in die 7.000 Patienten nach Bestrahlung oder Chemotherapie eingeschlossen werden sollen. Mittels Blutproben wird nach minimalen Mengen zirkulierender Tumor-DNA gesucht, die mit bildgebenden Verfahren nicht erkennbar sind. Erste Daten aus kleineren Untersuchungen zeigen, dass ein positiver Befund mit einem hohen Rückfallrisiko einhergeht. Die Studienleiterin Lillian Siu betont, dass das Verfahren derzeit nicht zum Versorgungsstandard gehört und die Langzeitbeobachtung über mindestens fünf Jahre abgewartet werden muss, bevor über einen klinischen Einsatz entschieden werden kann.
Die nächsten Schritte sind in allen Fällen ähnlich: Für Kreatin in der Psychiatrie und Onkologie sind größere, länger angelegte randomisierte Studien erforderlich. Bei den GLP-1-Agonisten müssen prospektive kontrollierte Untersuchungen klären, ob die beobachteten Effekte kausal sind. Die SHERLOCK-Studie wird frühestens nach dem Ende der fünfjährigen Nachbeobachtungsphase belastbare Aussagen zum klinischen Nutzen der Liquid Biopsy liefern.
| Iranische & verwandte Presse | +0.20 | neutral |
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| Atlantische / angloamerikanische Presse | 0.00 | neutral |
| Lateinamerikanische Presse | +0.10 | neutral |
Wir weisen auf das Potenzial von Kreatin bei Depressionen hin, betonen aber die Notwendigkeit endgültiger Beweise.
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Die lateinamerikanische Presse lässt die Kreatin-Studien zu Depression und Krebs sowie das Demenzrisiko durch Glucosamin aus und konzentriert sich nur auf GLP-1.
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