
Prüfungen im Ausnahmezustand: Wie Bildungssysteme auf Krieg, Druck und Gewalt reagieren
Während Iran landesweite Abschlussprüfungen trotz Krieges staffelt, setzt Indien auf freiwillige Zweitversuche – und in Südostasien zwingen Gewaltvorfälle zum Umdenken bei der Schulkultur.
Irans Bildungsministerium hat eine landesweite Verschiebung der Abschlussprüfungen abgelehnt und setzt stattdessen auf ein regional gestaffeltes Modell. Rund 1,5 Millionen Schüler nehmen an den Prüfungen teil, etwa zehn Prozent davon in vier vom Krieg betroffenen Provinzen. Eine generelle Verlegung, so Minister Alireza Kazemi vor dem Parlamentsausschuss, hätte das gesamte Bildungssystem in eine schwere Krise gestürzt. Stattdessen werden die Prüfungen nun fachweise und in Abhängigkeit von der Sicherheitslage durchgeführt, mit dem Ziel, die Abschlüsse bis zum 15. September zu ermöglichen. Die Entscheidung fiel nach Beratungen mit Sicherheitsbehörden und dem Obersten Prüfungsrat und stützt sich auf eine vor Kriegsende verabschiedete Notverordnung, die dem Ministerium flexible Eingriffe erlaubt.
Parallel dazu zeigen andere asiatische Länder alternative Wege im Umgang mit Prüfungsdruck. In Indien hat das Central Board of Secondary Education (CBSE) erstmals ein Zwei-Prüfungs-System für die zehnte Klasse eingeführt. Von den 5,1 Millionen Teilnehmern der zweiten, freiwilligen Prüfung verbesserten sich rund 3,1 Millionen gegenüber ihrem ersten Versuch; die Gesamtbestehensquote stieg auf 96,8 Prozent. Die Reform, Teil der Nationalen Bildungspolitik 2020, soll die Abhängigkeit von einmaligen Hochrisikotests verringern. In Bangladesch hingegen kritisiert eine öffentliche Debatte das starre Festhalten an jährlichen Prüfungen: Wer in einem Fach durchfällt, verliert ein ganzes Jahr – eine Praxis, die angesichts international flexiblerer Modelle zunehmend als unverhältnismäßige Bestrafung gilt.
Die psychische Belastung von Schülern wird durch Vorfälle in Südostasien unterstrichen. An einer indonesischen Oberschule in Padang zündete ein Schüler einen selbstgebauten Sprengsatz, nachdem er eigenen Angaben zufolge gemobbt worden war. Psychologen der Universität Aisyiyah Yogyakarta forderten daraufhin ein schulisches Krisenmanagement mit psychologischer Erster Hilfe, verpflichtenden Anti-Mobbing-Programmen und Früherkennungssystemen. In Malaysia kritisierte ein Kommentator die anhaltende Gewalt an Internatsschulen und verlangte bauliche Zugangskontrollen, Überwachungskameras und vor allem Sanktionen gegen Schulleitungen und Aufsichtspersonen bei Versäumnissen. Beide Länder verzeichnen hohe Fallzahlen: Indonesien meldete 2025 über 2.600 Mobbingfälle, Malaysia sieht sich wiederholt mit Vorfällen an Eliteinternaten konfrontiert.
Als Gegenpol zu diesen Belastungen setzen Initiativen in der arabischen Welt auf kreative Entfaltung. Das Dubai International Writing Program, getragen von der Mohammed bin Rashid Al Maktoum Knowledge Foundation, bietet jungen Autoren aus der gesamten Region eine strukturierte Ausbildung in verschiedenen literarischen Genres. Teilnehmer und Kritiker beschreiben es als institutionelles Modell, das über reine Schreibwerkstätten hinausgeht und auf den Aufbau einer nachhaltigen Wissensproduktion zielt. Die nächste Bewährungsprobe für die Prüfungssysteme steht unmittelbar bevor: In Iran müssen die Abschlussprüfungen in den Kriegsprovinzen bis Mitte September abgeschlossen sein, während in Indien die verbesserten Ergebnisse nun in die Zulassungsverfahren der Universitäten einfließen.
| Indische & südasiatische Presse | −0.30 | critical |
|---|---|---|
| Kontinentaleuropäische Presse | −0.60 | critical |
| Atlantische / angloamerikanische Presse | −0.70 | critical |
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