
Kaschmir-Konflikt: Neu-Delhi vor Protesten, Unruhen in Pakistanisch-Kaschmir und Belutschistan
Während die Regierungspartei von Jammu und Kaschmir eine Großdemonstration in der indischen Hauptstadt vorbereitet, eskalieren in Pakistanisch-Kaschmir die Proteste gegen Islamabad und in Belutschistan die Gewalt gegen Sicherheitskräfte.
Die regierende Nationalkonferenz (NC) von Jammu und Kaschmir hat am Dienstag in Srinagar eine Versammlung mit über 150 Vertretern der Zivilgesellschaft abgehalten, die einstimmig eine Resolution zur umgehenden Wiederherstellung der Eigenstaatlichkeit des Unionsterritoriums verabschiedete. Laut NC-Sprecher soll die Forderung am 20. Juli mit einer Protestkundgebung am Jantar Mantar in Neu-Delhi unterstrichen werden – zeitgleich mit dem Beginn der Monsun-Session des indischen Parlaments. Die Parteiführung um Farooq Abdullah und Ministerpräsident Omar Abdullah berief sich dabei auf ein Urteil des Obersten Gerichtshofs Indiens vom Dezember 2023, das die Wiederherstellung der Staatlichkeit „zum frühestmöglichen Zeitpunkt“ verlangt hatte. Aus Sicht der Regionalpartei ist die seit der Aufhebung des Sonderstatus nach Artikel 370 im Jahr 2019 andauernde Verzögerung nicht hinnehmbar; die Formulierung der Zentralregierung, dies geschehe zu einem „angemessenen Zeitpunkt“, wird in Srinagar als unbestimmte Hinhaltetaktik gewertet.
Parallel dazu halten die Massenproteste im pakistanisch verwalteten Teil Kaschmirs (PoJK) unvermindert an. Am 29. Tag in Folge demonstrierten Zehntausende in Städten wie Muzaffarabad, Kotli und Rawalakot gegen die pakistanische Verwaltung. Das von Organisatoren des Gemeinsamen Awami-Aktionskomitees (JAAC) vorgelegte 38-Punkte-Forderungspaket umfasst subventionierte Grundnahrungsmittel, faire Strompreise, Infrastrukturausbau und die Abschaffung reservierter Flüchtlingssitze im Regionalparlament. Nach Darstellung der Protestführer haben die pakistanischen Behörden seit dem 14. Juni die Lebensmittelzufuhr blockiert, was zu einer wirtschaftlichen Belagerung führe. Die Organisatoren stellten Islamabad ein Ultimatum bis zum 8. Juli; andernfalls werde der friedliche Sitzstreik in einen Marsch auf die Hauptstadt Muzaffarabad übergehen. Aus Kreisen der Bewegung verlautet, die pakistanische Führung habe mit einem raschen Abflauen der Proteste gerechnet, doch die Mobilisierung – an der sich auch Tausende Frauen und Kinder beteiligen – erweise sich als widerstandsfähig.
In der südwestpakistanischen Provinz Belutschistan hat sich die Sicherheitslage unterdessen weiter verschlechtert. Bei einem Angriff bewaffneter Kämpfer auf einen Polizeiposten am Staudamm Mangi im Distrikt Ziarat wurden nach offiziellen Angaben neun Polizisten getötet, mehrere gelten als vermisst. Unter den Toten befinden sich ranghohe Offiziere. Die Provinzregierung machte die verbotene Tehreek-e-Taliban Pakistan (TTP) für die Tat verantwortlich, zu der sich zunächst keine Gruppe bekannte. In einer anschließenden Räumungsoperation töteten Sicherheitskräfte nach Behördenangaben 15 mutmaßliche TTP-Mitglieder. Belutschistan, das an Afghanistan und Iran grenzt, erlebt seit Jahrzehnten Aufstände lokaler Separatistengruppen, die der Zentralregierung in Islamabad die Kontrolle über Ressourcen und mehr Autonomie abringen wollen. Erst im Mai hatte die Belutschistan-Befreiungsarmee einen Anschlag auf einen Zug mit Militärpersonal verübt, bei dem 20 Menschen starben.
Aus regionaler Perspektive verdichten sich damit die Anzeichen einer mehrfachen Destabilisierung entlang der historischen Konfliktlinien. Während die indische Zentralregierung in Neu-Delhi bislang keine konkrete Frist für die Wiederherstellung der Staatlichkeit von Jammu und Kaschmir genannt hat, sieht sich Pakistan in den von ihm kontrollierten Gebieten mit einer wachsenden Legitimationskrise konfrontiert. Beobachter in europäischen Hauptstädten verweisen darauf, dass die anhaltende Unruhe in der Region auch Auswirkungen auf Migrationsbewegungen und die Sicherheit von Lieferketten haben könnte. Die für den 20. Juli angekündigte NC-Protestkundgebung in Delhi sowie der von den PoJK-Organisatoren für den 9. Juli avisierte Marsch auf Muzaffarabad markieren die nächsten Eskalationsstufen, deren Verlauf über die kurzfristige Stabilität in der geteilten Region mitentscheiden dürfte.
| Indische & südasiatische Presse | −0.60 | critical |
|---|---|---|
| Arabische Golfpresse | −0.30 | critical |
| Subsaharisch-afrikanische Presse | 0.00 | neutral |
Indian Kashmir demands statehood restoration and denounces Pakistani repression in PoJK.
The unanimous civil society resolution legitimizes the statehood demands, and the PoJK protests are portrayed as a popular rebellion against Pakistani rule.
It omits the Balochistan attack that killed nine police officers, focusing solely on Kashmir protests.
Pakistani authorities and Gulf media condemn the terrorist attack and praise the security operation.
The term 'terrorist' delegitimizes the attackers and justifies the military response.
It makes no mention of the Kashmir protests in Indian and Pakistani Kashmir, focusing only on the Balochistan attack.
The Pakistani government and security forces report the attack and search operations.
Official sources provide the facts without assigning political blame, maintaining a detached tone.
It does not report the Kashmir protests or statehood demands, limiting itself to the Balochistan attack.
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