
Inflationserwartungen sinken, doch der Dollar setzt Euro und Schwellenländer unter Druck
Während die Verbraucher im Euroraum ihre kurzfristigen Inflationserwartungen senken, treiben Zinsfantasien in den USA den Dollar auf neue Höchststände und zwingen Notenbanken weltweit zu Gegenmaßnahmen.
Die Inflationserwartungen der Verbraucher im Euroraum für die kommenden zwölf Monate sind im Mai auf 3,5 Prozent gesunken, nach 4,0 Prozent im Vormonat. Dies geht aus der jüngsten Umfrage der Europäischen Zentralbank (EZB) hervor, die am Freitag veröffentlicht wurde. Die längerfristigen Erwartungen für drei und fünf Jahre blieben mit 2,9 beziehungsweise 2,4 Prozent stabil. Gleichzeitig verharrte die wahrgenommene Inflation der vergangenen zwölf Monate auf 4,0 Prozent – dem höchsten Stand seit Juli 2024. Die Daten deuten darauf hin, dass der Preisdruck aus Sicht der privaten Haushalte nachlässt, auch wenn die Unsicherheit über die künftige Entwicklung erhöht bleibt.
Dennoch hat der EZB-Rat auf seiner Juni-Sitzung die Leitzinsen angehoben. Aus Frankfurter Sicht rechtfertigen die anhaltend hohe Kerninflation und die auf 3,2 Prozent gestiegene Gesamtinflation in Italien – getrieben von Energie- und Dienstleistungspreisen – diesen Schritt. EZB-Präsidentin Christine Lagarde betonte in einer Anhörung des Europäischen Parlaments, man verfolge einen datenabhängigen Ansatz und entscheide von Sitzung zu Sitzung. Sie räumte jedoch ein, dass der aktuelle Inflationsschock im Vergleich zur vorangegangenen Episode geringer ausfalle und in einem anderen konjunkturellen Umfeld stattfinde. Chefvolkswirt Philip Lane warnte, die Inflation könne noch längere Zeit über dem Zielwert von zwei Prozent verharren, sodass ein Ende des Nahostkonflikts allein nicht zur Eindämmung ausreiche.
Parallel dazu setzt der US-Dollar seinen Höhenflug fort. Mit einem Plus von drei Prozent im ersten Halbjahr 2026 ist er die währungsstärkste Devise. In Washington nährt der neue Fed-Vorsitzende Kevin Warsh mit hawkishen Tönen die Erwartung mindestens einer weiteren Zinserhöhung in diesem Jahr. Die Aussicht auf höhere Realzinsen und der ungebrochene Kapitalzufluss in US-Technologiewerte – angetrieben vom Boom der Künstlichen Intelligenz – haben spekulative Long-Positionen auf den Dollar auf ein Rekordniveau von netto rund 30 Milliarden Dollar anschwellen lassen. Der Euro notiert nahe seinem Jahrestief bei etwa 1,135 Dollar, der Yen auf einem 40-Jahres-Tief. In Schwellenländern wie Indien und Südkorea greifen die Währungsbehörden bereits mit Stützungskäufen oder Zinserhöhungen ein, um den Importpreisdruck zu dämpfen.
In Argentinien, wo der Dollar trotz einer Jahresinflation von nahezu 16 Prozent nur um 1,4 Prozent zulegte, hat die jüngste Aufwertung um fast fünf Prozent innerhalb weniger Wochen die Aufmerksamkeit auf den Devisenmarkt gelenkt. Aus Buenos Aires wird berichtet, dass Unternehmen in großem Umfang Dividenden ins Ausland transferieren – allein in den ersten Junitagen wurden an einem großen Institut Zahlungen von rund 150 Millionen Dollar verbucht. Die Zentralbank (BCRA) versucht, Reserven aufzubauen, während die Regierung unter Präsident Javier Milei den Fokus auf die Inflationsbekämpfung und die Belebung des Konsums legt. Eine vollständige Aufhebung der Kapitalverkehrskontrollen wird vor der Präsidentschaftswahl 2027 nicht erwartet.
Der weitere Kurs der Geldpolitik bleibt datenabhängig. Für die EZB wird die nächste Projektionsrunde im Herbst zeigen, ob die gesunkenen Verbrauchererwartungen nachhaltig sind oder ob neue Preisschübe – etwa bei Energie – ein erneutes Eingreifen erfordern. In den USA richtet sich der Blick auf die kommenden Inflationsdaten und die Sitzung der Federal Reserve im Juli, die über eine zweite Zinserhöhung in diesem Jahr entscheiden könnte.
Wie dieselbe Geschichte anderswo erzählt wird.
2 Mediengruppen · 3 Sprachen
Die Verbraucher im Euroraum haben ihre kurzfristigen Inflationserwartungen im Mai deutlich gesenkt, noch bevor das Waffenstillstandsabkommen im Nahen Osten erzielt wurde. Die EZB-Umfrage deutet darauf hin, dass der Preisdruck nachlassen könnte, was die Dringlichkeit weiterer Zinserhöhungen verringert. Allerdings belastet der starke Dollar weiterhin den Euro und die Währungen der Schwellenländer und trübt die Aussichten.
Der Dollar stürmt in die zweite Jahreshälfte 2026 auf einer Welle des amerikanischen Exzeptionalismus, angetrieben von Wetten auf höhere US-Zinsen und einer unstillbaren Nachfrage nach US-Vermögenswerten. Diese 'Der Gewinner bekommt alles'-Dynamik fügt dem Euro und den Schwellenländerwährungen Schmerzen zu und kehrt den Dollar-Einbruch des Vorjahres um. Selbst fallende Energiepreise und nachlassende Inflationsrisiken können den Aufstieg des Greenbacks nicht stoppen.
Erweitere deinen Horizont
Nordkorea testet neue Offensivwaffen – Südkorea plant 500.000 Drohnenkrieger
10 Sprachen · 22 Quellen
Aus TechnologyIranischer Hacker in Montenegro festgenommen – Paralleler Schlag gegen Cyberkriminalität in Madrid
4 Sprachen · 8 Quellen
Aus Science & HealthWeißes Haus dementiert Bericht über exklusiven Zugang Trumps zu Eli-Lilly-Medikament
3 Sprachen · 6 Quellen