
Telegram in Indien nach einwöchiger Sperre wieder verfügbar – Zugang bleibt uneinheitlich
Die indische Regierung hatte den Messengerdienst wegen organisierter Prüfungsmanipulation vorübergehend blockiert; die Wiederherstellung in App-Stores und Netzen verläuft gestaffelt.
Am Morgen des 23. Juni 2026 stellte Google die Messenger-App Telegram im indischen Play Store wieder zum Download bereit, nachdem die von der Regierung verhängte temporäre Sperre um Mitternacht des 22. Juni ausgelaufen war. Im Apple App Store blieb die Anwendung zunächst noch bis etwa 10:00 Uhr Ortszeit delisted. Während ein Teil der Nutzer den Dienst wieder uneingeschränkt nutzen konnte, meldeten insbesondere Kunden der Mobilfunkanbieter Jio und Airtel anhaltende Anmeldeprobleme und Verbindungsabbrüche, die sich nur per VPN umgehen ließen. Die schrittweise Normalisierung folgt auf eine beispiellose flächendeckende Blockade, die neben den App-Stores auch die Webversion und die Weiterleitung durch Telekommunikationsanbieter umfasste.
Die Sperre war am 16. Juni durch das Ministerium für Elektronik und Informationstechnologie angeordnet worden, nachdem Ermittler festgestellt hatten, dass über Telegram-Kanäle gefälschte Prüfungsunterlagen für die landesweite medizinische Zulassungsprüfung NEET-UG verbreitet und betrügerische Netzwerke organisiert wurden. Die Regierung begründete den drastischen Schritt mit den technischen Eigenheiten der Plattform – anonyme Nutzernamen, verschlüsselte Chats und die schnelle Wiederherstellung gesperrter Kanäle –, die ein zeitnahes Unterbinden der Leaks erschwerten. Telegram hatte nach eigenen Angaben über 900 entsprechende Links entfernt, argumentierte jedoch vor dem Delhi High Court, die Komplettsperre bestrafe 150 Millionen indische Nutzer und verstoße gegen die Meinungsfreiheit. Das Gericht wies die Klage am 19. Juni ab und erklärte die Maßnahme zum Schutz der Integrität einer nationalen Prüfung für rechtmäßig. Die Wiederholungsprüfung am 21. Juni verlief ohne Betrugsmeldungen; die Behörden hatten Tausende Sicherheitskräfte eingesetzt und Prüfungsbögen teils per Militärflugzeug transportiert.
Parallel zur gerichtlichen Auseinandersetzung sorgte ein technischer Zwischenfall für internationale Auswirkungen. In der Nacht auf den 17. Juni leitete das insolvente Telekommunikationsunternehmen Reliance Communications durch eine fehlerhafte BGP-Konfiguration Datenverkehr zu Telegram-Servern weltweit auf eigene Server um, wodurch der Dienst unter anderem in den Vereinigten Arabischen Emiraten ausfiel. Der Telegram-Gründer Pawel Durow hatte daraufhin dem Reliance-Konzern und dessen Teilhaber Meta vorgeworfen, gemeinsam mit dem Konkurrenten WhatsApp eine gezielte Sabotage zu betreiben. Reliance Jio wies jede Beteiligung zurück; Netzwerkanalysten bestätigten eine unbeabsichtigte Fehlkonfiguration, die nach wenigen Stunden behoben war. Durow kritisierte die indische Sperre grundsätzlich als wirkungslos, da die Leaks lediglich auf andere Apps abgewandert seien.
Der Vorgang reiht sich in eine globale Verschärfung des regulatorischen Drucks auf Telegram ein. In Russland leitete der Inlandsgeheimdienst FSB im Februar 2026 ein Strafverfahren gegen Durow wegen „Beihilfe zum Terrorismus“ ein, nachdem die Kommunikationsaufsicht Roskomnadzor den Dienst bereits eingeschränkt hatte. Beobachter in Moskau verweisen auf eine gezielte Förderung der staatlich kontrollierten Alternative MAX, die keine Ende-zu-Ende-Verschlüsselung bietet und Nutzerdaten an Behörden weitergibt. In der EU wird im Rahmen des Digital Services Act über strengere Auflagen für Messenger verhandelt; ein spanisches Gericht verhängte 2024 eine temporäre Sperre wegen Urheberrechtsverstößen. Für Indien bleibt die Auflage bestehen, dass Telegram die Nachrichtenbearbeitungsfunktion bis zum 30. Juni blockiert. Ob die Plattform künftig strukturelle Zugeständnisse an nationale Eingriffsrechte machen wird, ist offen.
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Die Annullierung der Ergebnisse der medizinischen Aufnahmeprüfung nach einem Leck löste Massenproteste und Vorwürfe aus, das indische Bildungssystem sei zusammengebrochen. Mindestens sechs Studenten nahmen sich das Leben, nachdem sie erfahren hatten, dass ihre Ergebnisse nicht mehr zählen würden. Der Skandal hat tiefe Mängel im Prüfungsverfahren offengelegt und einen nationalen Aufschrei ausgelöst.
Indische Behörden schränkten Telegram vorübergehend für eine Woche ein, nachdem Prüfungsmaterialien für medizinische Hochschulen online durchgesickert waren. Beamte erklärten, die Architektur des Messengers habe ein schnelles Eingreifen gegen Kanäle, die gefälschte Fragebögen verkauften, verhindert. Die App ist jetzt wieder im Google-Store verfügbar, doch der Vorfall hat die Anfälligkeit der Plattform für Missbrauch deutlich gemacht.
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