
Jüngere Generationen altern biologisch schneller – mit messbaren Folgen für das Krebsrisiko
Eine große Studie zeigt, dass später Geborene eine beschleunigte körperliche Alterung aufweisen, was das Risiko für frühe Tumorerkrankungen erhöht und die Vorsorgestrategien verändert.
Menschen, die nach 1965 geboren wurden, altern biologisch rascher als frühere Jahrgänge. Das ist das zentrale Ergebnis einer Analyse der Washington University in St. Louis, die Daten von rund 164.000 Erwachsenen aus der UK Biobank und dem US-Forschungsprogramm „All of Us“ auswertete. Demnach wiesen in Großbritannien die Geburtsjahrgänge 1965 bis 1974 eine um 23 Prozent stärkere körperliche Alterung auf als die Jahrgänge 1950 bis 1954; in den USA lag der Wert für die Kohorte 1990 bis 1999 sogar 92 Prozent über dem der 1965 bis 1969 Geborenen. Diese mit epigenetischen Uhren gemessene Diskrepanz zwischen biologischem und chronologischem Alter ging mit einem um durchschnittlich acht, bei stark beschleunigter Alterung um bis zu 15 Prozent erhöhten Risiko für Krebserkrankungen vor dem 55. Lebensjahr einher – besonders ausgeprägt bei Lungen-, Magen-Darm- und Gebärmuttertumoren.
Die Studie, veröffentlicht in Nature Medicine, kann keine Ursache-Wirkung-Beziehung belegen, verweist aber auf Lebensstilfaktoren wie Rauchen, Ernährung und Bewegungsmangel als plausible Treiber. Parallel dazu zeichnet eine Arbeitsstudie des National Bureau of Economic Research ein gegenläufiges Bild für die ältere Generation: Zwischen 1993 und 2017 stieg die Lebenserwartung 66-Jähriger in den USA um 2,4 Jahre, und zwar nahezu vollständig in guter Gesundheit; schwere körperliche oder kognitive Einschränkungen nahmen um etwa 30 Prozent ab. Die Koautorin Amy Finkelstein spricht von einem „Aufschub des Alterns“ statt eines verlängerten Sterbeprozesses. Während also die heute Alten länger und fitter leben, deuten die Daten für Jüngere auf eine stille Vorverlagerung biologischer Risiken hin.
Diese Verschiebung zwingt zu einer Neujustierung der Krebsvorsorge. Die American Cancer Society hat soeben ihre Leitlinien aktualisiert und empfiehlt nun auch Stuhl-RNA- und Stuhl-DNA-Tests, die eine hohe Sensitivität für kolorektale Karzinome und eine moderate für fortgeschrittene Vorstufen zeigen; Blutteste hingegen gelten vorerst nicht als gleichwertig. In Spanien beginnt das Screening unverändert mit 50 Jahren, doch Fachgesellschaften in den USA raten bereits zu einem Start mit 45. Die Symptome – rektale Blutungen, Anämie, veränderte Stuhlgewohnheiten – sind oft unspezifisch und werden bei jungen Erwachsenen leicht übersehen, wie Gastroenterologen der Mayo Clinic betonen. Aus nigerianischer Perspektive tritt hinzu, dass kulturelle Muster („man up“) Männer davon abhalten, Hilfe zu suchen, was Diagnosen weiter verzögert und die Sterblichkeit bei behandelbaren Leiden wie Hypertonie oder Prostatakrebs erhöht.
Für die Alterssicherungssysteme hat die verbesserte Gesundheit im Alter zwiespältige Folgen. Die NBER-Studie beziffert den Anstieg der erwarteten US-Social-Security-Ausgaben durch die demografische Veränderung auf 14 Prozent, während die Medicare-Mehrkosten mit 6 Prozent moderat ausfallen, weil weniger Pflegeheim- und Langzeitpflege benötigt wird. In den USA können Sozialversicherungsempfänger Insolvenz anmelden, wobei die Leistungen geschützt bleiben; bestimmte öffentliche Bedienstete wie Feuerwehrleute und Polizisten dürfen unter der „Rule of 55“ beziehungsweise ab 50 straffrei auf ihre 401(k)-Pläne zugreifen. Für den Jahrgang 1956 bringt ein Aufschub des Renteneintritts über das reguläre Alter hinaus bis 70 eine spürbare Erhöhung der monatlichen Zahlung. In Deutschland, wo das gesetzliche Renteneintrittsalter schrittweise auf 67 steigt, stellt sich ähnlich die Frage, wie flexiblere Übergänge und eine intensivierte Früherkennung dazu beitragen können, die Schere zwischen biologischer und kalendarischer Lebensuhr zu schließen.
Die Washingtoner Forscher sehen in der Bestimmung des biologischen Alters ein potenzielles Instrument, um Hochrisikopersonen noch vor Symptombeginn zu identifizieren. Ob und wann dies Eingang in die Regelversorgung findet, hängt von weiteren Validierungsstudien ab. Die nächste fassbare Wegmarke ist die Rezeption der aktualisierten ACS-Screening-Empfehlungen durch europäische Fachgesellschaften und die Frage, ob die Altersgrenzen für Darmkrebsvorsorge auch hierzulande überdacht werden.
Wie dieselbe Geschichte anderswo erzählt wird.
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Die Lebenserwartung in den USA hat einen historischen Höchststand erreicht, und die Gesundheit im Alter verbessert sich stetig. Die letzten Lebensjahre werden mit weniger körperlichen Einschränkungen und besserer Fitness verbracht als bei früheren Generationen.
Forscher haben einen unerwarteten Grund für den Anstieg von Krebs bei jungen Menschen entdeckt: Jüngere Generationen altern biologisch schneller als ihre Eltern. Diese beschleunigte Alterung ist mit einem höheren Risiko für Krebs in jungen Jahren verbunden.
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