
Hitzeschutz am Arbeitsplatz: Italien reaktiviert Kurzarbeitergeld, New York setzt Agenturfristen
Während Rom per Dekret die Lohnfortzahlung bei Hitzestopps wieder einführt, erlässt New York eine Executive Order mit mehrsprachigen Schutzleitfäden – und in Kuala Lumpur sowie Perth zeigen sich die Lücken für Plattformarbeiter.
Die italienische Regierung hat mit dem Infrastrukturdekret die Möglichkeit reaktiviert, bei extremen Hitzewellen die Arbeit einzustellen oder zu reduzieren und dafür in Ausnahmefällen auf die Cassa integrazione guadagni (CIG) zurückzugreifen. Die Regelung, die bereits in den Vorjahren galt, greift, wenn Temperaturen 35 Grad übersteigen oder hohe Luftfeuchtigkeit hinzukommt. Zuständig ist der Sicherheitsverantwortliche, der die Arbeitsumgebung, Maschinen und Schutzkleidung bewerten muss. Betroffen sind vor allem Bau, Stadtpflege und Innenräume ohne funktionierende Kühlung. Parallel haben fast alle italienischen Regionen – mit Ausnahme des Aostatals sowie Bozens und Trients – Hitzestopp-Verordnungen erlassen, die teils schon Ende Mai in Kraft traten und die Arbeitsruhe in den Mittagsstunden vorschreiben. Einige Regionen wie Kalabrien und Kampanien schränken die Ausnahme für Arbeiten von „öffentlichem Nutzen“ enger ein als andere; dennoch bleibt die Abgrenzung umstritten, zumal der endgültige Gesetzestext des Dekrets laut Ministeriumsquellen noch nicht vorliegt und die Finanzierung mit der Ragioneria dello Stato abgestimmt wird.
In New York unterzeichnete der zuständige Stadtrat Zohran Mamdani eine Executive Order, die mehrere städtische Behörden verpflichtet, bis zum 1. März 2027 mehrsprachige Sicherheitsleitfäden für hitzeexponierte Beschäftigte zu entwickeln. Das Gesundheitsministerium, die Notfallagentur und das Verwaltungsamt müssen Materialien für Innen- und Außenarbeiter bereitstellen; das Baudezernat soll die Hitzeschutzauflagen auf Baustellen überprüfen. Zudem wird das Gesundheitsamt beauftragt, den Zusammenhang zwischen Extremtemperaturen und Entschädigungsansprüchen zu analysieren. Die Maßnahmen richten sich an Bauarbeiter, Lieferdienste, Lagerpersonal und Straßenhändler – also an jene Sektoren, die auch in Europa im Fokus stehen.
In Malaysia hat der Minister für natürliche Ressourcen und ökologische Nachhaltigkeit, Arthur Joseph Kurup, vor Temperaturen von bis zu 37,5 Grad gewarnt, die durch das El-Niño-Phänomen ab Juli erwartet werden. Der Abgeordnete Santiago machte auf die prekäre Lage der Essenslieferanten aufmerksam: Eine Umfrage unter 51 Fahrern ergab, dass 90 Prozent verschärfte Hitzebedingungen melden, viele mit Kopfschmerzen, Schwindel und Erschöpfung. Da die Fahrer pro Lieferung bezahlt werden, entfällt bei hitzebedingter Pause das Einkommen; bezahlte Ruhezeiten oder Krankentage existieren nicht. Santiago forderte Plattformen wie Grab und Foodpanda auf, verpflichtende Pausen, Hitzewarnungen und geschützte Wartebereiche einzuführen, und verwies auf chinesische Gewerkschaftsstationen mit Wasser, Ruheräumen und Kühlmöglichkeiten. Der 2016 veröffentlichte Hitzestress-Leitfaden der Arbeitsschutzbehörde greife nicht, weil viele Lieferanten arbeitsrechtlich nicht als Beschäftigte anerkannt seien.
In Australien wiederum illustriert ein Fall vor der Fair Work Commission die Spannung zwischen Schutzanspruch und Sicherheitsbedenken bei Plattformarbeit. Ein Uber-Fahrer aus Perth, dem sexuelle Belästigung einer 15-jährigen Fahrgästin und unerwünschte Berührungen einer weiteren Frau vorgeworfen werden, war zunächst deaktiviert, dann von der Kommission wieder zugelassen worden. Nach einer Gesetzesänderung, die es Plattformen erleichtert, Fahrer bei wiederholten Fehlverhaltensvorwürfen zu entfernen, setzte die Kommission die Wiederzulassung aus, verpflichtete Uber jedoch zu einer wöchentlichen Ausgleichszahlung von 300 Dollar, bis über den Einspruch entschieden ist. Der Fall zeigt, wie neue Regulierungsinstrumente in der Praxis justiert werden.
Die nächsten konkreten Schritte sind in New York die Vorlage der Sicherheitsleitfäden bis März 2027, in Italien die Veröffentlichung des finalen Dekrettextes samt Klärung der Ausnahmen für öffentliche Dienstleistungen sowie in Malaysia die Diskussion über einen nationalen Hitzeaktionsplan, den Santiago ins Spiel gebracht hat.
Wie dieselbe Geschichte anderswo erzählt wird.
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In Italien hat die Regierung Notfallmaßnahmen reaktiviert, die es Unternehmen erlauben, bei extremer Hitze die Arbeit im Freien auszusetzen oder zu reduzieren, wobei die Arbeiter Einkommensunterstützung durch einen speziellen Lohnausgleichsfonds erhalten. Lokale Behörden verhängen zudem Verbote für Arbeiten im Freien während der heißesten Nachmittagsstunden und verlegen die Schichten in die frühen Morgenstunden. Der Ansatz behandelt Hitzewellen als wiederkehrendes saisonales Risiko, das administrative Flexibilität erfordert.
In Südostasien fordert ein Abgeordneter eine dringende Überprüfung der Gesetze zur Gig-Ökonomie und argumentiert, dass Lieferfahrer gezwungen sind, bei gefährlicher Hitze zu arbeiten, weil sie keine bezahlten Pausen oder Krankentage haben. Das derzeitige System, bei dem das Einkommen an jede abgeschlossene Lieferung gekoppelt ist, lässt Arbeiter ohne finanzielles Sicherheitsnetz, wenn sie aus gesundheitlichen Gründen pausieren. Der Aufruf beleuchtet die versteckten Kosten der Bequemlichkeit für Verbraucher und fordert mehr Rechenschaftspflicht von den Plattformunternehmen.
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