
Goldene Zungen und versiegelte Sarkophage: Archäologische Funde erhellen antike Lebenswelten
Von Ägypten über Thailand bis in die Türkei geben jüngste Entdeckungen Einblicke in Handelsrouten, religiöse Umbrüche und die Jenseitsvorstellungen vergangener Kulturen.
In Marina el-Alamein, rund hundert Kilometer westlich von Alexandria, öffneten Archäologen unter der Leitung von Eman Abdel-Khaliq einen Granitsarkophag, der seit fast zwei Jahrtausenden versiegelt war. Im Inneren fanden sich menschliche Überreste, die nun wissenschaftlich untersucht werden, und in den benachbarten Gräbern lagen 24 kleine Goldobjekte – sogenannte „goldene Zungen“, die den Toten in den Mund gelegt wurden, damit sie im Jenseits sprechen konnten. Die 18 neu entdeckten Gräber, teils in den Fels gehauen, teils aus Kalkstein errichtet, erweitern das Bild der hellenistisch-römischen Nekropole, die seit 1986 erforscht wird und heute 44 Grabstätten umfasst.
Die ägyptischen Behörden meldeten zeitgleich die Freilegung einer byzantinischen Siedlung aus dem 4. Jahrhundert in der Oase Dakhla in der Westwüste. Die Stadt mit ihrer Basilika, Wehrtürmen und Wohnhäusern – darunter das Haus eines Diakons namens Tisous, das vor dem Kirchenbau als Hauskirche diente – gibt Aufschluss über das städtische Leben im spätantiken Ägypten. Rund 200 beschriftete Tonscherben, sogenannte Ostraka, dokumentieren Handelsgeschäfte und Alltagskorrespondenz; Münzen aus Bronze und Gold mit dem Porträt Kaiser Constantius’ II. belegen die Einbindung in das römische Währungssystem. Aus Kairoer Sicht unterstreichen die Funde die Rolle des Niltals als kulturelle Brücke zwischen Mittelmeerwelt und Orient – ein Erbe, das der Tourismusminister als Anziehungspunkt für Besucher aus aller Welt, auch aus dem deutschsprachigen Raum, hervorhob.
Mehr als 7.000 Kilometer weiter östlich, in der thailändischen Provinz Phetchaburi, stießen Archäologen auf zwei goldene Ringe, die ebenfalls rund 2.000 Jahre alt sind. Sie lagen bei menschlichen Skeletten in einem erst Anfang des Jahres entdeckten Gräberfeld. Der eine Ring trägt eine Inschrift in Brahmi-Schrift, einer alten indischen Schrift, die Experten als „pusarakhitasa“ – „der von Pushya Beschützte“ – lesen. Pushya gilt in der indischen Astrologie als besonders glückverheißendes Mondhaus. Der schlichte zweite Ring und die aufwändige Bestattung deuten auf einen wohlhabenden Händler hin, möglicherweise aus der Kaste der Vaishyas. Für die thailändische Denkmalbehörde sind die Funde ein Beleg für die frühen Handelsbeziehungen zwischen dem indischen Subkontinent und dem südostasiatischen Festland, lange bevor die ersten Königreiche der Region entstanden.
Einen Einblick in religiöse Umbrüche gewährt eine Inschrift, die im türkischen Zerzevan Kalesi, einer römischen Grenzfestung nahe der syrischen Grenze, entziffert wurde. In einem unterirdischen Mithras-Heiligtum, einem der am besten erhaltenen Tempel des römischen Mysterienkults, fanden Forscher eine aramäische Gravur am Eingang, die sowohl Mithras als auch Jesus Christus erwähnt und mit einem Kreuz versehen ist. Der Philologe Mehmet Sait Toprak von der Universität Mardin Artuklu datiert die Inschrift auf das 3. oder 4. Jahrhundert und deutet sie als Dokument der Schließung des Tempels durch Christen. Ausgrabungsleiter Aytaç Coşkun zufolge bestätigt der Text, was Münzfunde bereits nahelegten: Nach der Konstantinischen Wende wurde der Mithraskult als Konkurrenzreligion verdrängt und das Heiligtum symbolisch versiegelt. Für die Forschung ist es die erste bekannte aramäische Inschrift, die einen solchen Vorgang festhält.
Schließlich, in einer anderen Sphäre des Entdeckens, meldete der Nationalpark Phong Nha-Ke Bang in Vietnam die Erkundung einer drei Kilometer langen Höhle, die Einheimische erst im Juni fanden. Das „Thang“ getaufte Höhlensystem birgt neben riesigen Stalaktiten und Steinsäulen eine Seltenheit: Tausende sogenannter Höhlenperlen, weiße, durch Mineralablagerungen in Wasserbecken gewachsene Kügelchen, die in dieser Dichte selbst erfahrene Höhlenforscher selten gesehen haben. Der Park, UNESCO-Welterbe, soll die Höhle in ein Ökotourismus-Konzept einbinden – ein Vorhaben, das auch bei deutschen Fernreisenden auf Interesse stoßen dürfte. So fügen sich die jüngsten Funde zu einem Mosaik: von goldenen Zungen, die den Toten Sprache verleihen sollten, über Handelsringe, die von fernen Märkten erzählen, bis zu einer Inschrift, die das Ende eines Kultes besiegelt, und einer unterirdischen Welt voller leuchtender Perlen.
| Israelische Presse | 0.00 | neutral |
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| Indische & südasiatische Presse | +0.20 | neutral |
| Südostasiatische Presse | 0.00 | neutral |
The discoveries in Egypt and Thailand show the richness of the past.
By presenting two distinct discoveries as part of the same season, a picture of archaeological continuity is created.
It does not mention the cave discovery in Vietnam, which is covered by the Southeast Asian bloc.
The two Indian gold rings discovered in Thailand testify to the cultural influence of ancient India.
By emphasizing the Indian origin of the rings, the historical role of India in the region is reaffirmed.
It does not mention the discoveries in Egypt or the cave in Vietnam.
The Thang cave in Vietnam, with its rare cave pearls, is a geological wonder.
By focusing on a local discovery, the natural heritage of Vietnam is highlighted.
It does not mention the gold rings in Thailand or the Egyptian tombs.
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