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Geopolitik & PolitikMittwoch, 1. Juli 2026

Flughäfen fordern Aussetzung des neuen EU-Grenzkontrollsystems wegen drohendem Sommerchaos

Angesichts von Wartezeiten bis zu fünf Stunden und halbleeren Flügen appellieren Betreiber und Airlines an die Kommission, die biometrischen Checks in der Hauptreisezeit auszusetzen.

Die europäischen Flughafen- und Luftfahrtverbände ACI Europe, Airlines 4 Europe und Iata haben in einem gemeinsamen Schreiben an EU-Kommissionspräsidentin Ursula von der Leyen gefordert, das neue digitale Ein- und Ausreisesystem (EES) während der Sommermonate Juli und August vorübergehend auszusetzen. Das seit dem 10. April 2026 verpflichtende System, das für Drittstaatsangehörige die manuelle Passkontrolle durch biometrische Erfassung von Fingerabdrücken und Gesichtsbildern ersetzt, führt nach Angaben der Branche zu Warteschlangen von bis zu fünf Stunden. In der Folge starten Flugzeuge halbleer, weil Passagiere die Kontrollstellen nicht rechtzeitig passieren können. Der Chef der römischen Flughafengesellschaft Aeroporti di Roma, Marco Troncone, bezifferte die Wahrscheinlichkeit eines Kollapses im Sommer auf acht bis neun von zehn Punkten.

Die Verbände verlangen, die biometrischen Kontrollen immer dann vollständig auszusetzen, wenn das Passagieraufkommen die operative Kapazität der Grenzkontrollstellen übersteigt. Für die Zeit nach September fordern sie eine dauerhafte Flexibilitätsregelung für klar definierte Ausnahmesituationen. Aus Sicht der Flughafenbetreiber droht in der Hauptreisezeit eine erhebliche Verschärfung der Lage, da zwischen Juli und August rund 40 Millionen zusätzliche Passagiere erwartet werden. Die EU-Kommission hatte bereits Mitte April technische Probleme eingeräumt und deren Behebung zugesagt, zeigte sich jedoch nicht bereit, die Registrierung im Rahmen des EES generell zu suspendieren. Einzelne Mitgliedstaaten handelten unterdessen eigenständig: Griechenland setzte die Kontrollen für britische Reisende bis September aus, und die französische Polizei hatte im Mai die zusätzlichen Überprüfungen im Hafen von Dover vorübergehend gestoppt.

Das EES ist Teil einer umfassenden Digitalisierung der Schengen-Außengrenzen, die mit dem für Ende 2026 erwarteten elektronischen Reisegenehmigungssystem ETIAS für visumfreie Reisende weiter ausgebaut werden soll. Für Drittstaatsangehörige, etwa aus Algerien, bedeutet die automatische Erfassung von Ein- und Ausreisedaten, dass frühere Visumablehnungen, Überschreitungen der Aufenthaltsdauer und Unstimmigkeiten in den Reiseunterlagen künftig lückenlos nachvollziehbar werden. Die zuständigen Konsulate und Grenzbehörden erhalten Zugriff auf gemeinsame Datenbanken, was die Anforderungen an die Kohärenz der Antragsunterlagen erhöht. Aus Brüsseler Sicht dient die Digitalisierung der besseren Unterscheidung zwischen regulären Reisenden, Asylsuchenden und Personen mit irregulärem Aufenthaltsstatus und soll die innere Sicherheit stärken.

Die Innenminister der EU werden sich am 4. Juni im Rahmen des Rates für Justiz und Inneres mit dem Zustand des Schengen-Raums und den Prioritäten für 2026/27 befassen. Auf der Tagesordnung stehen neben dem EES auch die künftige ETIAS-Verordnung und die Umsetzung des Migrations- und Asylpakts. Eine Entscheidung über die von den Branchenverbänden geforderte Aussetzung ist von diesem Treffen nicht zu erwarten, doch dürfte der wachsende Druck aus den Hauptstädten die Kommission zwingen, vor dem Höhepunkt der Reisesaison operative Erleichterungen zu definieren. Die Verbände drängen auf eine rasche Klärung, um eine nachhaltige Beschädigung des Luftverkehrs und des europäischen Tourismusimages abzuwenden.

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Mittwoch, 1. Juli 2026

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Angesichts von Wartezeiten bis zu fünf Stunden und halbleeren Flügen appellieren Betreiber und Airlines an die Kommission, die biometrischen Checks in der Hauptreisezeit auszusetzen.

Die europäischen Flughafen- und Luftfahrtverbände ACI Europe, Airlines 4 Europe und Iata haben in einem gemeinsamen Schreiben an EU-Kommissionspräsidentin Ursula von der Leyen gefordert, das neue digitale Ein- und Ausreisesystem (EES) während der Sommermonate Juli und August vorübergehend auszusetzen. Das seit dem 10. April 2026 verpflichtende System, das für Drittstaatsangehörige die manuelle Passkontrolle durch biometrische Erfassung von Fingerabdrücken und Gesichtsbildern ersetzt, führt nach Angaben der Branche zu Warteschlangen von bis zu fünf Stunden. In der Folge starten Flugzeuge halbleer, weil Passagiere die Kontrollstellen nicht rechtzeitig passieren können. Der Chef der römischen Flughafengesellschaft Aeroporti di Roma, Marco Troncone, bezifferte die Wahrscheinlichkeit eines Kollapses im Sommer auf acht bis neun von zehn Punkten.

Die Verbände verlangen, die biometrischen Kontrollen immer dann vollständig auszusetzen, wenn das Passagieraufkommen die operative Kapazität der Grenzkontrollstellen übersteigt. Für die Zeit nach September fordern sie eine dauerhafte Flexibilitätsregelung für klar definierte Ausnahmesituationen. Aus Sicht der Flughafenbetreiber droht in der Hauptreisezeit eine erhebliche Verschärfung der Lage, da zwischen Juli und August rund 40 Millionen zusätzliche Passagiere erwartet werden. Die EU-Kommission hatte bereits Mitte April technische Probleme eingeräumt und deren Behebung zugesagt, zeigte sich jedoch nicht bereit, die Registrierung im Rahmen des EES generell zu suspendieren. Einzelne Mitgliedstaaten handelten unterdessen eigenständig: Griechenland setzte die Kontrollen für britische Reisende bis September aus, und die französische Polizei hatte im Mai die zusätzlichen Überprüfungen im Hafen von Dover vorübergehend gestoppt.

Das EES ist Teil einer umfassenden Digitalisierung der Schengen-Außengrenzen, die mit dem für Ende 2026 erwarteten elektronischen Reisegenehmigungssystem ETIAS für visumfreie Reisende weiter ausgebaut werden soll. Für Drittstaatsangehörige, etwa aus Algerien, bedeutet die automatische Erfassung von Ein- und Ausreisedaten, dass frühere Visumablehnungen, Überschreitungen der Aufenthaltsdauer und Unstimmigkeiten in den Reiseunterlagen künftig lückenlos nachvollziehbar werden. Die zuständigen Konsulate und Grenzbehörden erhalten Zugriff auf gemeinsame Datenbanken, was die Anforderungen an die Kohärenz der Antragsunterlagen erhöht. Aus Brüsseler Sicht dient die Digitalisierung der besseren Unterscheidung zwischen regulären Reisenden, Asylsuchenden und Personen mit irregulärem Aufenthaltsstatus und soll die innere Sicherheit stärken.

Die Innenminister der EU werden sich am 4. Juni im Rahmen des Rates für Justiz und Inneres mit dem Zustand des Schengen-Raums und den Prioritäten für 2026/27 befassen. Auf der Tagesordnung stehen neben dem EES auch die künftige ETIAS-Verordnung und die Umsetzung des Migrations- und Asylpakts. Eine Entscheidung über die von den Branchenverbänden geforderte Aussetzung ist von diesem Treffen nicht zu erwarten, doch dürfte der wachsende Druck aus den Hauptstädten die Kommission zwingen, vor dem Höhepunkt der Reisesaison operative Erleichterungen zu definieren. Die Verbände drängen auf eine rasche Klärung, um eine nachhaltige Beschädigung des Luftverkehrs und des europäischen Tourismusimages abzuwenden.

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