
Fed-Chef Warsh vollzieht in Sintra Bruch mit Forward Guidance und stellt Unabhängigkeit heraus
Beim EZB-Forum in Portugal verweigerte der neue Notenbankchef jede Zinssignalisierung, bekräftigte das Zwei-Prozent-Ziel und kündigte eine grundlegende Überprüfung der geldpolitischen Strategie an.
Mit seinem Auftritt beim jährlichen Zentralbankforum in Sintra hat der neue Vorsitzende der Federal Reserve, Kevin Warsh, einen klaren Bruch mit der Kommunikationspraxis seiner Vorgänger vollzogen. Warsh erklärte am Mittwoch, er werde keinerlei vorausschauende Hinweise auf künftige Zinsentscheidungen geben – eine Abkehr von der sogenannten Forward Guidance, die über Jahre das Verhältnis zwischen Notenbank und Finanzmärkten prägte. Die Entscheidung über eine mögliche Leitzinserhöhung falle erst, wenn die Mitglieder des Offenmarktausschusses Ende Juli „die Tür hinter sich schließen“. Zugleich betonte er, dass die Inflationsrisiken in den vergangenen Wochen nachgelassen hätten, die Preisstabilität aber oberste Priorität bleibe: Wer auf eine tolerierte Inflation oberhalb von zwei Prozent gesetzt habe, werde enttäuscht. An den Terminmärkten sank die Wahrscheinlichkeit einer Zinsanhebung im September während seiner Rede leicht, blieb aber mit rund 70 Prozent hoch.
Hinter der neuen Zurückhaltung steht ein umfassender Umbau der geldpolitischen Architektur. Warsh kündigte in Sintra die Einrichtung von fünf Arbeitsgruppen an, die das Inflationsziel, die Kommunikation und den Einsatz der Bilanz neu bewerten sollen. Das bisherige System der vierteljährlichen Zinsprognosen (Dot Plots) will er zumindest vorübergehend beibehalten, langfristig aber durch Szenarioanalysen ergänzen oder ersetzen. Innerhalb des Fed stößt dieser Kurs auf Widerstände: Ein Teil der Führung, darunter Gouverneurin Lisa Cook und mehrere regionale Präsidenten, hatte bereits im April das bisherige Lockerungssignal kritisiert. Warsh selbst sprach von einer „gesunden Familienfehde“ bei der nächsten Sitzung. Aus Washingtoner Sicht wird die Neuausrichtung als Versuch gewertet, die Glaubwürdigkeit der Notenbank nach der späten Reaktion auf den Inflationsschub von 2021 wiederherzustellen.
Gegenüber der politischen Einflussnahme durch Präsident Donald Trump, der wiederholt niedrigere Zinsen gefordert hatte, wahrte Warsh Distanz. Die Fed sei seit Langem unabhängig und werde es bleiben – eine Haltung, die er auch mit Verweis auf das jüngste Urteil des Supreme Court bekräftigte, das die Entlassung von Gouverneurin Cook durch den Präsidenten untersagte. Auf dem Podium in Portugal saß Warsh neben EZB-Präsidentin Christine Lagarde, die seine Einschätzung zu rückläufigen Inflationsrisiken teilte, sowie den Notenbankchefs aus England und Kanada. Während die EZB bereits die Zinsen angehoben hat, zögern London und Ottawa angesichts schwächerer Konjunkturdaten. Die gemeinsame Herausforderung – erhöhte Energiepreise infolge des Krieges gegen den Iran – führt die großen Zentralbanken damit in unterschiedliche Richtungen.
Zum Einfluss künstlicher Intelligenz äußerte sich Warsh zurückhaltend. Die USA seien wahrscheinlich ein großer Gewinner des KI-Booms, der sich zunächst in steigenden Investitionen niederschlage. Ob dies inflationär wirke, müsse die Notenbank beurteilen – eine konkrete Einschätzung verweigerte er jedoch. Die nächste Zinsentscheidung des Fed steht am 29. Juli an; bis dahin werden die neu geschaffenen Arbeitsgruppen ihre Arbeit aufgenommen haben, deren Leitung Warsh für die kommende Woche ankündigte.
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Der neue Fed-Chef nutzte ein Panel in Sintra, um zu signalisieren, dass die Zentralbank dem politischen Druck für Zinssenkungen nicht nachgeben wird, und betonte ihre Unabhängigkeit sowie den Fokus auf die Inflation. Diese Haltung schließt die von Präsident Trump geforderte sofortige Lockerung praktisch aus. Die Botschaft ist klar: Geldpolitik wird nach Datenlage entschieden, nicht nach politischem Kalkül.
In Sintra bekräftigten Fed-Chef Warsh und EZB-Präsidentin Lagarde gemeinsam die Unabhängigkeit ihrer Institutionen und ihr Engagement für Preisstabilität. Beide Notenbanker stellten fest, dass die Inflationsrisiken abgenommen haben, betonten jedoch, dass sie alle angemessenen Maßnahmen ergreifen. Der Ton war von koordinierter Entschlossenheit geprägt, ohne direkten Bezug auf politischen Druck.
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