
Automatische Vorsorge in Italien, neues EPF-Regime in Indien – globale Anpassungen der Alterssicherung
Zum 1. Juli 2026 traten in mehreren Ländern neue Regeln für Renten- und Vorsorgesysteme in Kraft, die auf mehr Verbindlichkeit, Digitalisierung und Kontrolle zielen.
In Italien gilt seit dem 1. Juli 2026 für neu eingestellte Arbeitnehmer der Privatwirtschaft die automatische Mitgliedschaft in einem komplementären Pensionsfonds. Der Gesetzgeber hat damit den bisherigen Mechanismus des stillschweigenden Einverständnisses nach sechs Monaten abgelöst: Künftig fließt der gesamte künftige TFR (Trattamento di fine rapporto) ab dem ersten Arbeitstag in den kollektivvertraglich vorgesehenen Fonds, sofern der Beschäftigte nicht binnen 60 Tagen ausdrücklich widerspricht. Arbeitgeber- und Arbeitnehmerbeiträge werden in der vertraglich festgelegten Mindesthöhe fällig; eine Ausnahme gilt nur bei sehr niedrigem Einkommen. Aus Sicht des römischen Arbeitsministeriums soll die Reform die zweite Säule der Altersvorsorge stärken, da das beitragsorientierte System ab 2035 sinkende Rentenniveaus erwarten lässt. Beobachter in Mailand verweisen auf die angestrebte Steigerung der Fondsbeteiligung von derzeit knapp 40 Prozent.
Parallel hat das indische Arbeitsministerium das Employees' Provident Funds Scheme 2026 notifiziert, das den bisherigen Rahmen von 1952 ersetzt. Die Neufassung behält den Beitragssatz von 12 Prozent des Lohns bei, vereinfacht aber Teilentnahmen für Krankheit, Bildung, Heirat oder Wohnraumbedarf und verlangt nun zwingend die Hinterlegung von Aadhaar- und PAN-Daten sowie einer mit Aadhaar verknüpften Bankverbindung. Arbeitnehmer oberhalb der gesetzlichen Lohnobergrenze bleiben von der Pflichtmitgliedschaft ausgenommen, können jedoch freiwillig Beiträge leisten, die der Arbeitgeber ebenfalls aufstocken darf. Die Regelung zielt auf eine stärkere Digitalisierung und eine Amnestie für frühere Compliance-Versäumnisse.
In Kolumbien läuft am 16. Juli 2026 eine zweijährige Übergangsfrist aus, die es Versicherten mit weniger als zehn Jahren bis zur Rente und mindestens 750 (Frauen) beziehungsweise 900 (Männer) Beitragswochen erlaubt, zwischen dem öffentlichen Régimen de Prima Media (Colpensiones) und den privaten Fonds zu wechseln. Nach Angaben des Verbands Asofondos haben bis Mitte Juni rund 153.000 Personen von dieser Möglichkeit Gebrauch gemacht; knapp eine Million wären anspruchsberechtigt. Gleichzeitig kündigte die Regierung in Bogotá an, durch Hausbesuche die Existenz von Renten- und Sozialhilfeempfängern zu überprüfen, um Zahlungen an Verstorbene oder Unberechtigte zu unterbinden.
In Kenia gewährte die Aufsichtsbehörde PBORA gemeinnützigen Organisationen eine Fristverlängerung von sieben Werktagen für die Einreichung ihrer Jahresberichte 2025, nachdem technische Probleme auf der eCitizen-Zahlungsplattform zu Verzögerungen geführt hatten. Die neue Frist endet am 9. Juli 2026. Die Episode illustriert die Anfälligkeit digitaler Verwaltungsprozesse, die in Indien und Italien gerade ausgebaut werden. Als nächster Schritt steht in Italien zum 31. Oktober 2026 die Portabilität des Arbeitgeberbeitrags beim Wechsel von einem Branchenfonds zu offenen Fonds an; in Kolumbien endet die Wechselfrist unwiderruflich am 16. Juli.
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In Kenia wurde gemeinnützigen Organisationen eine zusätzliche Woche zur Einreichung ihrer Jahresberichte gewährt, nachdem es bei eCitizen zu Zahlungsausfällen gekommen war. Die Aufsichtsbehörde betont, dass die Maßnahme die Einhaltung der Vorschriften fördern soll, während technische Probleme behoben werden. Die Verlängerung spiegelt eine pragmatische Reaktion auf die Herausforderungen der digitalen Infrastruktur wider.
Ab heute werden neue Arbeitnehmer in der Privatwirtschaft in Italien automatisch in Zusatzrentenfonds aufgenommen, wobei ihre Abfindung (TFR) in den Fonds fließt, sofern sie nicht innerhalb von 60 Tagen widersprechen. Die Reform, die als kulturelle Revolution gefeiert wird, zielt darauf ab, die Altersvorsorge zu stärken und sich vom betrieblichen TFR zu lösen. Befürworter argumentieren, dass frühzeitige und kontinuierliche Beiträge die endgültige Rente um bis zu 60 % erhöhen könnten.
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