
EZB warnt: Inflation bleibt trotz Nahost-Friedensschluss über Ziel
Trotz der Waffenruhe im Nahen Osten rechnet die Europäische Zentralbank mit anhaltend hoher Teuerung – die Energiepreise wirken nach, die Lebensmittelinflation dürfte wieder steigen.
Die Einigung auf eine Waffenruhe im Nahen Osten hat die unmittelbare geopolitische Prämie an den Energiemärkten reduziert, doch die Europäische Zentralbank sieht die Inflationsrisiken im Euroraum keineswegs gebannt. Vor dem Wirtschafts- und Währungsausschuss des Europäischen Parlaments in Brüssel warnten sowohl Präsidentin Christine Lagarde als auch Chefvolkswirt Philip Lane, dass die Teuerung noch für geraume Zeit über dem Zielwert von zwei Prozent verharren dürfte. Im Mai stieg die Gesamtinflation auf 3,2 Prozent, getrieben von einem Energiepreisanstieg von mehr als zehn Prozent. Die Kernrate ohne Energie und Nahrungsmittel zog auf 2,6 Prozent an – ein erstes Anzeichen dafür, dass die indirekten Effekte des Energieschocks nun breitere Preiskategorien erfassen.
Anders als während der Energiekrise von 2021/22 liegt der Schwerpunkt diesmal nicht auf Strom- und Gaspreisen für Haushalte, sondern auf Transportkraftstoffen. Lane zufolge hat sich die Nahrungsmittelinflation zuletzt zwar von 2,4 auf 1,9 Prozent abgeschwächt, doch die durch höhere Logistikkosten steigenden Lebensmittelpreise werden diesen Rückgang voraussichtlich umkehren. Gleichzeitig dämpfen Unternehmensgewinne einen Teil des Kostendrucks, und das Wachstum der Tariflöhne sank im ersten Quartal von 2,9 auf 2,5 Prozent – eine Lohn-Preis-Spirale ist bislang nicht zu beobachten.
Die EZB hatte im Juni alle drei Leitzinssätze um 25 Basispunkte angehoben; der Einlagensatz liegt nun bei 2,25 Prozent. Aus Sicht der Märkte ist eine weitere Zinserhöhung im Juli wenig wahrscheinlich – die Terminkontrakte preisen lediglich eine Wahrscheinlichkeit von etwa zwanzig Prozent ein, während ein nächster Schritt erst für Dezember vollständig eingerechnet ist. Lane sprach von einem „maßvollen, kalibrierten Vorgehen“, das keinen riesigen geldpolitischen Sprung erfordere. Zugleich betonte der slowakische Notenbankchef Peter Kažimir, die Arbeit sei noch nicht getan, denn der Friedensschluss werde die bereits eingetretenen Inflationsschäden nicht sofort umkehren. Der spanische Zentralbankgouverneur José Luis Escrivá verwies auf die zunehmend sichtbaren Zweitrundeneffekte entlang der Wertschöpfungsketten, etwa bei Transport und Nahrungsmitteln.
Trotz der Belastungen durch hohe Energiepreise und Inflation rechnet die EZB nicht mit einer Stagnation. Lane verwies auf einen robusten Arbeitsmarkt, kräftige Investitionen in künstliche Intelligenz sowie steigende öffentliche Ausgaben für Verteidigung und Infrastruktur, die als Puffer wirkten. Die Projektionen der Notenbank zeigen, dass die Inflation noch bis in das erste Halbjahr 2027 hinein über dem Zielwert liegen könnte. Die nächste Zinsentscheidung des EZB-Rats steht im Juli an; maßgeblich werden die dann verfügbaren Daten zu Preisen, Löhnen und Konjunktur sein.
Wie dieselbe Geschichte anderswo erzählt wird.
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Die EZB warnt, dass die Lebensmittelinflation in der Eurozone wieder steigen wird, angetrieben durch Energiepreiserhöhungen infolge des Krieges im Iran, der nur zu einem fragilen Waffenstillstand geführt hat. Trotz eines jüngsten Rückgangs werden die Lebensmittelpreise zulegen und die Gesamtinflation hoch halten. Die Lage bleibt prekär.
Die EZB räumt ein, dass die Inflation noch eine Weile über dem Ziel bleiben könnte, doch ein gemäßigterer Ausblick verringert die Dringlichkeit der für nächsten Monat geplanten Zinserhöhung. Die Märkte sehen weniger Bedarf für eine sofortige Straffung, da die Energiepreise gefallen sind. Der Fokus liegt auf den politischen Implikationen und dem geringeren Druck auf die Zentralbank.
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