
Eisenkots Jashar überholt Netanjahus Likud in Umfragen
Der frühere Generalstabschef Gadi Eisenkot führt in persönlichen Eignungswerten und zwingt den amtierenden Premier in die Defensive.
Die neue zentristische Partei Jashar des ehemaligen Generalstabschefs Gadi Eisenkot hat in mehreren israelischen Umfragen die Regierungspartei Likud von Ministerpräsident Benjamin Netanjahu überholt. Laut einer Erhebung des Senders Kanal 12 käme Jashar auf 23 bis 24 Sitze, der Likud auf 22. Bei der direkten Frage nach der Eignung für das Amt des Regierungschefs bevorzugen 43 Prozent der Befragten Eisenkot, 34 Prozent Netanjahu. Die Wahl ist für Ende Oktober 2026 angesetzt, ein genaues Datum steht noch nicht fest.
Aus dem Umfeld Netanjahus wird nach Darstellung israelischer Kommentatoren das Ziel verfolgt, einen politischen Gleichstand zu erreichen, um als geschäftsführender Premier in einer Übergangsregierung zu verbleiben und Neuwahlen zu erzwingen. Ein ehemaliger Kommunikationsberater Netanjahus, Avi Bushinsky, erklärte gegenüber dem Sender 103FM, der Premier konzentriere sich darauf, dem Oppositionsblock eine Mehrheit von 61 Mandaten zu verwehren. In dieser Konstellation, so Bushinsky, könne Netanjahu unter den günstigsten Bedingungen regieren, ohne dass ihm die Knesset im Nacken sitze.
Eisenkots Aufstieg wird in arabischen und israelischen Analysen mit seiner Fähigkeit in Verbindung gebracht, die traditionelle Wählerbasis des Likud anzusprechen. Der Sohn marokkanischer Einwanderer, aufgewachsen in Tiberias und Eilat, verkörpert für viele mizrachische Wähler eine Aufstiegsgeschichte, die sich von der elitären Herkunft Netanjahus abhebt. Nach Berichten von Sky News Arabia und der New York Times stellen marokkanischstämmige Juden die größte Gruppe innerhalb der mizrachischen Bevölkerung, die mehr als 40 Prozent der israelischen Gesellschaft ausmacht und historisch eine Stütze des Likud war. Ein von Netanjahus Berater Jonathan Urich verbreitetes Video, das Eisenkots stockendes Englisch verspottete, werteten schwedische Kommentatoren als Eigentor, weil es alte Stereotype gegenüber nordafrikanischen Einwanderern bestätige.
In sicherheitspolitischen Fragen signalisiert Eisenkot nach Darstellung arabischer und israelischer Quellen wenig Flexibilität. Er kritisierte Netanjahu für ein zu schnelles Einlenken auf amerikanische Forderungen nach einer Waffenruhe im Libanon und bezeichnet Forderungen nach einem palästinensischen Staat als „aus dem Zusammenhang gerissen“. Gleichwohl gilt er in einer nach rechts gerückten politischen Landschaft als zentristisch, offen für Koalitionen mit linken Parteien und als Befürworter der Wehrpflicht für arabische und ultraorthodoxe Bürger. Seine persönliche Glaubwürdigkeit wird durch den Tod seines Sohnes Gal und eines Neffen im Gazakrieg gestärkt, während Netanjahus Söhne im wehrfähigen Alter nach übereinstimmenden Medienberichten nicht eingezogen wurden.
Die Ausgangslage bleibt offen. Kein Lager erreicht in den Umfragen eine regierungsfähige Mehrheit; das Netanjahu-Lager kommt auf etwa 51 Sitze, der jüdische Oppositionsblock auf 59. Zwei arabische Parteien erhalten je fünf Mandate. Eisenkot müsste für eine Regierungsbildung auf deren Unterstützung zurückgreifen, was Netanjahu nach Angaben israelischer Beobachter als unpatriotisch brandmarkt. Die Wahl wird als erste seit dem Sicherheitszusammenbruch vom 7. Oktober 2023 historische Bedeutung haben. Der Termin steht gesetzlich fest, der Wahlkampf hat faktisch begonnen.
| Arabische Levante-Maghreb-Presse | 0.00 | neutral |
|---|---|---|
| Israelische Presse | −0.40 | critical |
| Iranische & verwandte Presse | −0.30 | critical |
| Kontinentaleuropäische Presse | −0.40 | critical |
Eisenkot, Sohn marokkanischer Einwanderer, stellt eine direkte Herausforderung für Netanjahus Wählerbasis dar.
Die rhetorische Technik ist die ethnische Personalisierung: Betonung von Eisenkots mizrahischer Identität, um seinen Aufstieg zu erklären, und plausibel zu machen, dass er traditionell Likud-treue Wähler anziehen kann.
Es lässt Netanjahus Manöver zur Sicherung seiner Familie und seine Pattsituation-Strategie aus, die in der israelischen Presse vorhanden sind.
Netanjahu klammert sich mit verzweifelten Manövern an die Macht, während Eisenkot als glaubwürdige Bedrohung auftaucht.
Strategische Fragmentierung: Durch die Abdeckung mehrerer Aspekte (persönliche Sicherheit, Wahlstrategie, politische Kritik) entsteht ein zusammengesetztes Porträt eines Führers in Schwierigkeiten.
Es geht nicht auf die Rolle der mizrahischen Wähler und Eisenkots marokkanische Identität ein, die in der arabischen Presse zentral sind.
Das zionistische Regime ist in der Krise: Umfragen zeigen Netanjahus bevorstehende Niederlage.
Systemische Delegitimierung: Die Verwendung des Begriffs 'Regime' und die Betonung von Netanjahus Niederlage dienen dazu, die Legitimität des israelischen Staates zu untergraben.
Es lässt interne israelische Spaltungen und Eisenkots Hintergrund aus, die den Wettbewerb humanisieren könnten.
Netanjahu ist ein geschwächter Führer, der mit den Folgen des 7. Oktober und einem schwierigen Wahlkampf zu kämpfen hat.
Kritische Historisierung: Indem die Wahl in den Kontext des Sicherheitsversagens vom 7. Oktober gestellt wird, wird suggeriert, dass Netanjahu verantwortlich ist und sein Niedergang verdient ist.
Es erwähnt weder die Rolle der mizrahischen Wähler noch die iranische Perspektive, sondern konzentriert sich ausschließlich auf Netanjahu und den historischen Kontext.
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