
Ein „Wow“ aus Detroit: Ellen Burstyn erhält den Goldenen Löwen von Venedig
Die 93-jährige Oscar-Preisträgerin wird bei der 83. Mostra für ihr Lebenswerk geehrt – und spielt in einem Kurzfilm eine ungesehene Marilyn Monroe.
Als der Anruf aus Venedig kam, entfuhr es ihr wie einem Kind, das ein unverhofftes Geschenk auspackt: „Wow! Nicht nur habe ich die Gelegenheit, in eine meiner liebsten Städte der Welt zu reisen … sondern ich kehre heim mit einem Goldenen Löwen im Arm!“ Ellen Burstyn, 93, am Telefon mit den Organisatoren der Biennale, ließ ihrer Freude jenen ungestümen Lauf, den man sonst nur von Debütantinnen kennt. Die Worte, von der Festivalleitung am Dienstag verbreitet, klangen nicht nach der grande dame des amerikanischen Kinos, sondern nach einer Frau, die sich über sechs Jahrzehnte hinweg eine fast kindliche Begeisterung für den Beruf bewahrt hat.
Der Goldene Löwe für das Lebenswerk, den die 83. Internationalen Filmfestspiele von Venedig (2. bis 12. September 2026) nun an Burstyn vergeben, ist nach dem bereits angekündigten Ehrenpreis für George Clooney die zweite solche Auszeichnung dieser Ausgabe. Alberto Barbera, der künstlerische Leiter der Mostra, würdigte sie als „Interpretin von seltener Intensität und Wahrhaftigkeit“, die in mehr als fünfzig Jahren amerikanischer Kinogeschichte „unvergesslichen weiblichen Figuren Tiefe und Komplexität verliehen“ habe. Tatsächlich durchmisst Burstyns Werk die Brüche und Aufbrüche der Frauenrollen seit den frühen Siebzigern: von der verletzlichen Mutter in William Friedkins „Der Exorzist“ (1973), die sie weltberühmt machte, über die alleinerziehende Sängerin in Martin Scorseses „Alice lebt hier nicht mehr“ (1974), für die sie den Oscar erhielt, bis zur obsessiven Mutter in Darren Aronofskys „Requiem for a Dream“ (2000). Dazwischen lagen Arbeiten mit Alain Resnais, Paul Schrader und Christopher Nolan – mehr als 150 Filme, etliche Bühnenrollen und zwei Emmys. Als Ko-Präsidentin des Actors Studio, jener legendären New Yorker Werkstatt, die einst Marlon Brando und Marilyn Monroe formte, hat Burstyn zudem eine Schauspielauffassung mitgeprägt, die auf emotionaler Wahrheit und disziplinierter Methodik gründet.
Die Trophäe wird ihr bei der Vorführung des Kurzfilms „Flesh Impact“ überreicht, mit dem die Jurypräsidentin Maggie Gyllenhaal den hundertsten Geburtstag Marilyn Monroes begeht. Der Titel greift eine alte Wendung auf, die Monroes Leinwandpräsenz beschrieb: so wirklich und leuchtend, dass die Zuschauer meinten, sie berühren zu können. In Gyllenhaals Film spielt Dakota Johnson die Monroe auf dem Gipfel ihres Ruhms, während Burstyn eine Version der Ikone verkörpert, die die Welt nie zu Gesicht bekam – eine späte, vielleicht weisere Monroe, die dem eigenen Mythos entkommen ist. Dass ausgerechnet Burstyn, die 1975 als dritte Frau überhaupt im selben Jahr einen Tony und einen Oscar gewann, nun diese ungesehene Monroe spielt, verleiht der Ehrung eine stille Pointe: Zwei Karrieren, die unterschiedlicher kaum sein könnten, berühren sich in der Frage, was von einer Frau auf der Leinwand bleibt.
Am Ende wird Ellen Burstyn, die 1932 in Detroit Geborene, mit einem Löwen im Gepäck nach Hause fliegen. Vielleicht wird sie, wie sie es selbst sagt, „so geehrt, so glücklich, so voller Dankbarkeit“ sein. Der Kurzfilm aber, der ihren Preis begleitet, erinnert daran, dass jede große Darstellerin auch eine ist, die dem Publikum etwas zu sehen gibt, das es zuvor nicht kannte – eine Version des Lebens, die so wirklich scheint, dass man sie berühren möchte.
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| Atlantische / angloamerikanische Presse | +0.70 | aligned |
| Russische & GUS-Presse | +0.80 | aligned |
The Venice Biennale officially recognizes Ellen Burstyn's contribution to cinema, emphasizing the institutional procedure and the festival context.
The mechanism is institutional validation: by listing the board's decision and the director's proposal, the award is presented as an authoritative, shared judgment.
Omits the statements of artistic director Alberto Barbera praising the actress's 'rare emotional brightness', present in the Russian press.
The 93-year-old actress is celebrated for her longevity and her Oscar, with an admiring but detached tone.
The mechanism is numerical emphasis: by citing age and number of films, the award is presented as inevitable and deserved based on quantity and time.
Omits the institutional context of the festival (board decision, Clooney award) and the artistic statements of the director, present in other blocs.
Artistic director Alberto Barbera speaks with authority, calling the actress of 'rare emotional brightness', and the source Variety confirms the news.
The mechanism is artistic elevation: through a laudatory quote from the director, the award is elevated from a mere career recognition to a tribute to artistic excellence.
Omits the institutional details (board decision, Clooney award) and the short film by Maggie Gyllenhaal, present in the continental European press.
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