
George Clooney erhält den Goldenen Löwen: „Wahrscheinlich bedeutet das, dass ich alt bin“
Der amerikanische Schauspieler und Regisseur wird bei der 83. Mostra in Venedig für sein Lebenswerk geehrt – und kommentiert die Auszeichnung mit der ihm eigenen Lakonie.
Als George Clooney im vergangenen Jahr an der Seite von Brad Pitt über den roten Teppich des Lido schritt, um den Film „Wolfs“ vorzustellen, wirkte die Lagunenstadt wie eine selbstverständliche Kulisse seiner Karriere. Die Blitzlichter spiegelten sich im Wasser der Kanäle, das Publikum drängte sich hinter den Absperrungen, und Clooney bewegte sich mit jener Mischung aus Hollywood-Glamour und ironischer Distanz, die ihn seit Jahrzehnten begleitet. Nun, ein Jahr später, wird der 65-Jährige an denselben Ort zurückkehren, um den Goldenen Löwen für sein Lebenswerk entgegenzunehmen – eine Ehrung, die er mit einem Satz quittierte, der bereits durch die internationalen Feuilletons geht: „Wahrscheinlich bedeutet das, dass ich alt bin, aber ich nehme es an.“
Die Entscheidung des Biennale-Verwaltungsrats, dem Vorschlag des künstlerischen Leiters Alberto Barbera zu folgen, ist mehr als eine routinemäßige Würdigung eines Stars. Sie schreibt eine Beziehungsgeschichte fort, die vor fast drei Jahrzehnten begann. 1998 kam Clooney erstmals nach Venedig, um Steven Soderberghs „Out of Sight“ zu präsentieren. Für das europäische Publikum war er damals vor allem der charismatische Kinderarzt Doug Ross aus der Fernsehserie „Emergency Room“, ein Gesicht, das Vertrautheit und Verletzlichkeit ausstrahlte. Dass aus diesem Fernsehdarsteller einer der vielseitigsten Akteure des amerikanischen Kinos werden würde, war an den Ufern des Lido früh zu erahnen. In den folgenden Jahren kehrte er immer wieder zurück: mit den Coen-Brüdern, mit Alfonso Cuaróns „Gravity“, das 2013 das Festival eröffnete, und nicht zuletzt als Regisseur von „Good Night, and Good Luck“, einem Film, der 2005 in Venedig den Preis für das beste Drehbuch erhielt und Clooney endgültig als ernstzunehmenden Autorenfilmer etablierte.
Barbera selbst nannte Clooney einen „vollständigen und charismatischen Künstler, leidenschaftlich und originell“, der eine tiefe Berufung in eine der leuchtendsten Parabeln des zeitgenössischen Kinos verwandelt habe. In der Tat durchmisst Clooneys Werk eine erstaunliche Bandbreite: vom Kriegsfilm „Syriana“, für den er den Oscar als bester Nebendarsteller bekam, über die elegante Krimikomödie „Ocean’s Eleven“ bis hin zu den bitter-süßen Tönen von „The Descendants“ und der jüngsten Netflix-Produktion „Jay Kelly“. Stets, so Barbera, habe er sein Spiel moduliert, ohne sich je untreu zu werden – ironisch und melancholisch, brillant und zu unerwarteter Tiefe fähig. Auch hinter der Kamera, in Filmen wie „The Ides of March“ oder „Suburbicon“, zeige sich ein anspruchsvoller, großzügiger Begriff von Kino, der sich den Konventionen Hollywoods widersetzt.
Für das deutschsprachige Publikum, das Clooney spätestens seit seinen Auftritten in den Coen-Filmen und als synchronisierte Stimme in „Fantastic Mr. Fox“ ins Herz geschlossen hat, ist die Auszeichnung auch eine Bestätigung jener eleganten Leichtigkeit, die man hierzulande oft mit dem europäischen Kino verbindet, während sie in Wahrheit ein amerikanisches Phänomen ist. Clooneys Verbindung zu Italien geht über das Festival hinaus: Seit Jahren besitzt er ein Haus am Comer See, und 2014 heiratete er die Menschenrechtsanwältin Amal Alamuddin in Venedig – eine Zeremonie, die tagelang die Titelseiten der internationalen Presse beherrschte und die Stadt endgültig zu einem festen Bezugspunkt seiner Biografie machte.
Wenn Clooney im September erneut den Lido betritt, um die goldene Statuette entgegenzunehmen, wird es stiller zugehen als bei jener Hochzeit oder den Premieren mit Pitt. Vielleicht wird er, wie so oft, einen Scherz über sein Alter machen, während die Kameras das Gesicht eines Mannes einfangen, der dem Kino über drei Jahrzehnte hinweg eine unverwechselbare Mischung aus Charme und Haltung geschenkt hat. Der Applaus, der dann über das Wasser hallt, gilt nicht nur dem Star, sondern einer Haltung, die das Glamouröse nie ganz ernst nimmt und das Ernste nie ganz ohne Glamour lässt.
| Russische & GUS-Presse | +0.20 | neutral |
|---|---|---|
| Kontinentaleuropäische Presse | +0.70 | aligned |
| Lateinamerikanische Presse | +0.10 | neutral |
Russland meldet die Auszeichnung als offiziellen Akt der Biennale, ohne Raum für Clooneys Selbstironie zu lassen.
Das Weglassen des Witzes über das Altern verwandelt ein persönliches Ereignis in eine rein institutionelle Anerkennung und verstärkt die Distanz zwischen Subjekt und Leser.
Clooneys Bemerkung über das Altern wird weggelassen, die in anderen Versionen den Preis vermenschlicht und zugänglicher macht.
Das kontinentale Europa begrüßt Clooney mit Zuneigung und feiert die Auszeichnung als persönlichen und ironischen Moment.
Die Einbeziehung des Witzes über das Altern und der Verweise auf seine venezianische Geschichte verwandelt die Anerkennung in eine intime Geschichte, die den Star dem Publikum näher bringt.
Jeder Hinweis auf Kritik oder einen möglichen Karriereabschwung wird weggelassen, um die Erzählung rein positiv zu halten.
Lateinamerika verbucht die Auszeichnung als eine weitere Nachricht ohne Ausführungen.
Kürze und das Fehlen persönlicher Zitate verwandeln das Ereignis in eine bloße Ankündigung und berauben es menschlicher Wärme.
Clooneys persönliche Reaktion und der Karrierekontext werden weggelassen, was die Nachricht auf eine Schlagzeile reduziert.
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