
Ein Dribbling gegen die FIFA-Ethik: 50 Abgeordnete fordern Untersuchung zu Infantinos Trump-Preis
Fünfzig Europaabgeordnete aus 13 Ländern unterstützen eine Beschwerde von FairSquare und verlangen Aufklärung über die Vergabe eines neu geschaffenen Friedenspreises an den US-Präsidenten.
Der entscheidende Pass kam am späten Donnerstagabend: FairSquare, die britische Menschenrechtsorganisation, veröffentlichte einen Brief von fünfzig Mitgliedern des Europäischen Parlaments, der die Ethikkommission des Weltfußballverbands FIFA zu einer Untersuchung gegen Präsident Gianni Infantino auffordert. Der Vorwurf: Infantino habe mit der Schaffung und sofortigen Verleihung eines „FIFA-Friedenspreises“ an Donald Trump gegen die in Artikel 15 des eigenen Ethikkodex verankerte Pflicht zur politischen Neutralität verstoßen. Die Abgeordneten, angeführt von Barry Andrews (Irland), Lara Wolters (Niederlande), Niels Fuglsang (Dänemark) und Sebastian Everding (Deutschland), drängen auf eine „schnellstmögliche und ernsthafte“ Prüfung – ein direkter Angriff auf die Glaubwürdigkeit der FIFA-Führung.
Der Spielzug war lange vorbereitet. Bereits im Dezember 2024 hatte FairSquare eine formelle Beschwerde eingereicht, die nun durch die parlamentarische Rückendeckung neues Gewicht erhält. Die NGO argumentiert, Infantino habe nicht nur den undurchsichtigen Preis im November 2025 an Trump verliehen, sondern bereits im Oktober öffentlich eine Nobelpreisvergabe an den US-Präsidenten befürwortet und dessen innenpolitische Agenda gelobt. Aus Sicht der Organisation gefährdet diese offene Parteinahme „die Integrität und den Ruf des Fußballs und der FIFA selbst“. Die Abgeordneten sehen in der Untersuchung eine Chance für den Verband, sein Bekenntnis zu Transparenz und Rechenschaftspflicht unter Beweis zu stellen – eine Forderung, die an die Rücktrittsaufrufe gegen Infantinos Vorgänger Sepp Blatter im Jahr 2015 erinnert.
Die Unterstützung für den Vorstoß ist bislang überschaubar. Unter den 211 FIFA-Mitgliedsverbänden hat sich einzig der norwegische Fußballverband im Juni der Kritik angeschlossen. Die 50 Unterzeichner des Briefes gehören mehrheitlich den Fraktionen der Sozialdemokraten, Liberalen und Grünen an. Neben der Trump-Ehrung rügt das Schreiben auch die wachsenden Verbindungen der FIFA zu Saudi-Arabien, das die Weltmeisterschaft 2034 ausrichten wird, und den jüngsten Sponsorenvertrag mit dem staatlichen Ölkonzern Aramco, den die Abgeordneten als „größten Unternehmensverschmutzer der Welt“ bezeichnen. Diese doppelte Kritiklinie – politische Einflussnahme und zweifelhafte Partnerschaften – erhöht den Druck auf die FIFA-Führung in einer ohnehin hitzigen Phase.
Die FIFA selbst schweigt. Auf Anfrage der Nachrichtenagentur AFP gab es am Freitag keinen Kommentar, weder zu dem Brief noch zu der seit Monaten anhängigen FairSquare-Beschwerde. Dieses Schweigen fällt mitten in die Endrunde der Weltmeisterschaft 2026, die derzeit in Nordamerika ausgetragen wird und die globale Aufmerksamkeit auf den Verband lenkt. Während die Stadien gefüllt sind und die Spiele laufen, liegt der Ball nun bei der Ethikkommission. Sie muss entscheiden, ob sie die Umstände der Preisvergabe prüft – insbesondere die Frage, ob der FIFA-Rat, sein Büro oder Infantino allein die Entscheidung traf.
Für Infantino wird die Angelegenheit zur Bewährungsprobe. Sollte die Kommission ein Verfahren eröffnen, stünde der Präsident im Abseits – ein Szenario, das an die Erschütterungen von 2015 erinnert. Die nächste konkrete sportliche Konsequenz könnte eine Anhörung noch vor dem WM-Finale sein. Bis dahin bleibt der Vorwurf im Raum, der Chef des Weltfußballs habe die Seitenlinie verlassen und sich zum aktiven Mitspieler in der politischen Arena gemacht.
Wie dieselbe Geschichte anderswo erzählt wird.
2 Mediengruppen · 4 Sprachen
Fünfzig europäische Abgeordnete haben das Ethikkomitee der FIFA aufgefordert, Präsident Gianni Infantino zu untersuchen, weil er Donald Trump einen Friedenspreis verliehen hat. Der Antrag unterstützt eine Beschwerde der Menschenrechtsorganisation FairSquare, die argumentiert, Infantino habe den Ethikkodex der FIFA verletzt, der politische Neutralität vorschreibt. Der Brief, unterzeichnet von Abgeordneten aus 13 Ländern, wurde am Donnerstagabend veröffentlicht.
Mitglieder des Europäischen Parlaments üben Druck auf die FIFA aus, um Infantino wegen des an Trump verliehenen 'Friedenspreises' zu untersuchen. Die Forderung, unterstützt von 50 EU-Abgeordneten aus 13 Ländern, folgt einer Beschwerde von FairSquare. Die NGO bezeichnete den Brief als den bedeutendsten politischen Eingriff in die FIFA-Führung seit 2015.
Erweitere deinen Horizont
Irans Machtdemonstration: Das Staatsbegräbnis für Ali Khamenei als geopolitische Bühne
9 Sprachen · 31 Quellen
Aus Economy & MarketsBrasiliens Automarkt überrascht mit starkem Wachstum – Indonesien zögert bei E-Auto-Förderung
4 Sprachen · 10 Quellen
Aus TechnologyKünstliche Intelligenz und die Sorge um die Erosion menschlicher Fähigkeiten
6 Sprachen · 8 Quellen