
Brasiliens Wahlkampfausgaben treiben Zinserwartungen auf über 14 Prozent – globale Inflationssorgen bleiben
Während Märkte für Brasilien dauerhaft zweistellige Leitzinsen einpreisen, nähren KI-Investitionen weltweit Inflationsrisiken, und der Ölpreisrückgang eröffnet Indien Wachstumsperspektiven.
Die Ankündigung der brasilianischen Regierung, im Wahljahr 2026 Leistungen im Umfang von nahezu 190 Milliarden Real direkt an Wähler und Unternehmen auszuschütten, hat die langfristigen Zinserwartungen des Marktes auf ein Niveau getrieben, das zuletzt unter der Präsidentin Dilma Rousseff beobachtet wurde. Aus den täglich an der Börse B3 gehandelten Terminkontrakten geht hervor, dass Investoren die Selic-Rate Ende 2026 bei 14,22 Prozent sehen und sie in den folgenden zehn Jahren nicht unter 14 Prozent erwarten. Parallel stieg die Inflationsprognose im wöchentlichen Focus-Bericht der Zentralbank auf 5,33 Prozent für das laufende Jahr.
Der Mechanismus hinter dieser Entwicklung liegt in der Konstruktion der Ausgaben. Nach einer exklusiv für XP Investimentos erstellten Studie des Ökonomen Marcos Mendes fallen rund 118 Milliarden Real – etwa 60 Prozent des Pakets – nicht unter die im Haushaltsrahmen (Arcabouço Fiscal) festgelegte Ausgabenobergrenze. Sie werden als finanzielle oder außerbudgetäre Maßnahmen verbucht, etwa über den Sozialfonds beim Wohnungsbauprogramm Minha Casa Minha Vida oder über vergessene Guthaben beim Entschuldungsprogramm Desenrola. Der Spezialist für öffentliche Finanzen Murilo Viana bezeichnete die Zusammensetzung der Staatsausgaben als „sehr schlecht“, mit minimalem Spielraum für öffentliche Investitionen und einem hohen nominalen Defizit, das bei Realzinsen von 8 bis 9 Prozent eine „beschleunigte Schuldendynamik“ in Gang setze. Aus Sicht der Studie untergräbt diese Praxis zwar nicht formal die Primärziele, wohl aber die Glaubwürdigkeit des Fiskalrahmens und treibt die Staatsverschuldung in die Höhe.
Global betrachtet bleiben Inflationsrisiken vielschichtig. Eine Umfrage der Bank of America unter 170 internationalen Vermögensverwaltern nennt Inflation als größtes Risiko, vor allem durch Zweitrundeneffekte steigender Rohstoffpreise. Nadège Dufossé, Leiterin der Asset-Allokation bei Candriam, verweist auf eine mögliche dritte Inflationswelle: Die massiven Investitionen in künstliche Intelligenz und die damit verbundenen Kapazitätsengpässe bei Chips, Rechenzentren und Stromerzeugung könnten die erhoffte Disinflation verlangsamen. Entlastung kommt dagegen vom Ölmarkt. Der Preis für Brent-Rohöl fiel nach der Unterzeichnung eines Friedensabkommens zwischen den USA und dem Iran unter 80 Dollar je Barrel, nachdem er zuvor auf etwa 115 Dollar gestiegen war. In Mumbai nährt dies Wachstumserwartungen: Laut RBI-Ratsmitglied Kumar könnte die indische Wirtschaft bei anhaltend niedrigen Ölpreisen wieder in den Bereich von über 7 Prozent Wachstum zurückkehren, gestützt durch stabilere Rupie und geringeren Inflationsdruck.
Die nächsten Orientierungspunkte liegen in der Geldpolitik. In Brasilien wartet der Markt auf die Veröffentlichung des Copom-Sitzungsprotokolls, von dem Klarheit über den künftigen Zinspfad erhofft wird, nachdem das jüngste Kommuniqué als widersprüchlich aufgenommen wurde. In Indien hält die RBI den Leitzins vorerst bei 5,25 Prozent und beobachtet die Weitergabe von Nahrungsmittel- und Energiepreisen. Für die DACH-Region bleiben die globalen Inflationsimpulse aus Rohstoffen und Technologieinvestitionen ein Faktor, der die geldpolitische Normalisierung der EZB beeinflussen kann.
Wie dieselbe Geschichte anderswo erzählt wird.
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Das „Wohltatenpaket“ der brasilianischen Regierung mit fast 190 Milliarden Real an Wahlkampfausgaben, größtenteils außerhalb der Fiskalregeln, hat das Marktvertrauen zerstört. Analysten warnen, dass diese fiskalische Verantwortungslosigkeit die Zinserwartungen über 14 % treibt und die Staatsverschuldung unhaltbar macht. Die Focus-Umfrage der Zentralbank bestätigt steigende Inflations- und Selic-Zinsprognosen und spiegelt tiefe Besorgnis über den wirtschaftlichen Kurs des Landes wider.
Der Chefvolkswirt der EZB warnt, dass die Inflation für längere Zeit über dem Ziel von 2 % bleiben könnte. Dies spiegelt die breiteren globalen Inflationssorgen wider, da die Zentralbanken mit anhaltendem Preisdruck kämpfen. Die Aussage unterstreicht das schwierige Gleichgewicht zwischen Wachstumsförderung und Inflationsbekämpfung in den großen Volkswirtschaften.
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