
Tielemans’ Elfmeter in der 125. Minute: Belgien ringt Senegal nach 0:2 nieder
Ein Treffer in der fünften Minute der Nachspielzeit der Verlängerung beendet eine spektakuläre Aufholjagd und bringt die „Roten Teufel“ ins Achtelfinale gegen den Gastgeber oder Bosnien-Herzegowina.
Es war die 125. Minute im Lumen Field von Seattle, als Youri Tielemans den Ball unhaltbar ins rechte obere Eck jagte. Der Treffer vom Punkt, der erst nach minutenlanger Überprüfung durch den Videoassistenten zustande kam, besiegelte einen 3:2-Sieg Belgiens nach Verlängerung gegen Senegal und eine der bemerkenswertesten Wendungen dieser WM. Der Kapitän, der zuvor bereits den Ausgleich in der regulären Spielzeit erzwungen hatte, verwandelte den Strafstoß, nachdem Lamine Camara ihn im Strafraum zu Fall gebracht hatte – ein Pfiff, der aus senegalesischer Sicht heftige Proteste auslöste und das frühe Aus der Westafrikaner besiegelte.
Dabei hatte Senegal die Partie über weite Strecken beherrscht. Habib Diarra staubte in der 25. Minute ab, nachdem ein Kopfball von Ismaïla Sarr zum zweiten Mal an den Pfosten geklatscht war. Sarr selbst erhöhte kurz nach Wiederbeginn mit einem technisch brillanten Treffer: Er nahm einen langen Ball von Moussa Niakhaté mit der Brust an, setzte sich gegen zwei Verteidiger durch und drosch den Ball unhaltbar zum 2:0 ins Netz. Die Mannschaft von Pape Thiaw, die als einer der besten Gruppendritten in die K.-o.-Runde eingezogen war, stand bis zur 86. Minute wie der sichere Sieger da, während Belgien ideenlos wirkte und selbst Kevin De Bruyne und Jérémy Doku ausgewechselt wurden.
Dann kippte die Partie binnen drei Minuten. Romelu Lukaku, zur Halbzeit eingewechselt, drückte eine flache Hereingabe von Thomas Meunier aus kurzer Distanz über die Linie. In der 89. Minute segelte eine Flanke von Leandro Trossard in den Strafraum, Senegals Torhüter Mory Diaw verschätzte sich beim Herauslaufen, und Tielemans köpfte ins leere Tor zum 2:2. Zuvor hatten sich Tielemans und Trossard bei einer Trinkpause noch heftig gestritten – nun lagen sie sich jubelnd in den Armen. Der Ausgleich erzwang die Verlängerung und erinnerte an Belgiens 3:2-Comeback gegen Japan bei der WM 2018.
In der Nachspielzeit der Verlängerung schien ein Elfmeterschießen unausweichlich, ehe der VAR eingriff. Schiedsrichter Saíd Martínez entschied nach Ansicht der Bilder auf Foul von Camara an Tielemans. Der Gefoulte trat selbst an und erzielte das späteste Tor der WM-Geschichte (124:44 Minuten). Lukaku gestand später, er habe sich mental nicht bereit für den Elfmeter gefühlt und die Verantwortung an den Kapitän abgegeben. „Wir haben Charakter gezeigt, das war der Unterschied“, sagte der Stürmer. Belgien trifft nun im Achtelfinale erneut in Seattle auf den Sieger der Partie zwischen den USA und Bosnien-Herzegowina, während Senegal als fünftes afrikanisches Team in der Runde der letzten 32 ausschied.
Wie dieselbe Geschichte anderswo erzählt wird.
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