
Argentinien und Taiwan melden historische Exportrekorde – getrieben von Energie und KI
Argentiniens Handelsüberschuss erreicht im ersten Halbjahr 2026 fast 14 Milliarden Dollar, während auch Taiwan und Mexiko von der globalen KI-Nachfrage profitieren.
Argentiniens Exporte stiegen im ersten Halbjahr 2026 auf 49,5 Milliarden Dollar – ein Plus von 24,4 Prozent gegenüber dem Vorjahr und der höchste Wert für diesen Zeitraum. Der Handelsbilanzüberschuss summierte sich auf nahezu 14 Milliarden Dollar, fünfmal mehr als im Vorjahreszeitraum, wie das Statistikamt INDEC mitteilte. Die Entwicklung ist Teil eines globalen Musters: Taiwan meldete für Juni einen Anstieg der Exportaufträge um 59,4 Prozent auf den Rekordwert von 95,3 Milliarden Dollar, und Mexikos Ausfuhren von Hochtechnologie in die USA verdreifachten sich zwischen Januar und April auf über 50 Milliarden Dollar.
Die treibenden Kräfte unterscheiden sich regional. In Argentinien entfiel mehr als die Hälfte des Exportwachstums auf verarbeitete Agrarprodukte, insbesondere Fette und Öle, deren Preise durch die US-Nachfrage nach Biokraftstoffen stiegen. Gleichzeitig verbesserte sich die Energiehandelsbilanz um 2,2 Milliarden Dollar, vor allem durch höhere Mengen an Rohöl und Gas aus der Formation Vaca Muerta. In Taipeh führte das Wirtschaftsministerium den Schub auf die anhaltend starke Nachfrage nach KI-Anwendungen, Hochleistungsrechnen und Cloud-Diensten zurück, die die Aufträge für Elektronik- und IKT-Produkte in die Höhe trieb. Mexikos Boom wird von der Montage von Server-Racks und Rechenzentrumshardware im Bundesstaat Jalisco getragen, wo Unternehmen wie Foxconn ihre Kapazitäten ausweiten.
Die regionale Verteilung der Exporte zeigt Verschiebungen. In Argentinien blieb die Provinz Buenos Aires mit einem Anteil von fast einem Drittel an den nationalen Ausfuhren führend, gestützt auf Agrarindustrie und Petrochemie, obwohl Neuquén dank Vaca Muerta auf den vierten Platz vorrückte. Brasiliens Ausfuhren in die EU legten nach dem vorläufigen Inkrafttreten des Mercosur-Abkommens im Mai und Juni um zwei Milliarden Dollar zu. Aus Washingtoner Sicht wächst unterdessen die Sorge, dass die stark gestiegene Abhängigkeit von mexikanischen Technologieimporten – die inzwischen die Automobilindustrie als größten Posten im Handel mit den USA abgelöst haben – zum Ziel neuer Zölle werden könnte, auch wenn die Lieferungen für die amerikanische KI-Infrastruktur als strategisch gelten.
Für die kommenden Monate richten sich die Blicke auf mehrere Wegmarken. In Mexiko-Stadt begannen diese Woche die turnusmäßigen Gespräche zur Überprüfung des T-MEC-Abkommens, bei denen der Technologiesektor bislang nicht auf der Agenda steht, aber nach Einschätzung von Beobachtern leicht in die Schusslinie geraten könnte. Das Mercosur-EU-Abkommen bedarf noch der endgültigen Zustimmung durch den Europäischen Gerichtshof und das Europäische Parlament. In Buenos Aires erwarten Beratungshäuser für das Gesamtjahr Exporte von rund 100 Milliarden Dollar, während das taiwanische Wirtschaftsministerium für Juli Aufträge von 93,5 bis 95,5 Milliarden Dollar prognostiziert.
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