
Selenskyj entlässt Armeechef Syrskyj nach Protesten – Drapatyj übernimmt
Der ukrainische Präsident reagiert auf tagelange Demonstrationen und ersetzt den umstrittenen Oberbefehlshaber durch einen reformorientierten General; die Rückkehr des entlassenen Verteidigungsministers bleibt offen.
Der ukrainische Präsident Wolodymyr Selenskyj hat am Dienstagabend den Oberbefehlshaber der Streitkräfte, General Oleksandr Syrskyj, entlassen und durch den bisherigen Kommandeur der Vereinten Kräfte, Generalmajor Mychajlo Drapatyj, ersetzt. Der Schritt erfolgte nach sechs Tagen anhaltender Straßenproteste in Kiew und weiteren Städten, die durch die überraschende Absetzung des populären Verteidigungsministers Mychajlo Fedorow ausgelöst worden waren. Fedorow, ein 35-jähriger Reformer aus der Tech-Branche, hatte Syrskyj öffentlich vorgeworfen, seine Modernisierungsvorhaben blockiert und auf seine Entlassung gedrängt zu haben.
Aus Sicht der Demonstranten, zu denen sich zunehmend Veteranen und aktive Soldaten gesellten, verkörperte Syrskyj eine überkommene, sowjetisch geprägte Führungskultur, die für hohe Verluste und mangelnde Anpassungsfähigkeit an die von Drohnen und elektronischer Kriegführung dominierte Gefechtsführung verantwortlich gemacht wird. Fedorow hingegen galt als Architekt der ukrainischen Drohnenoffensive und als Garant für den Kampf gegen Korruption im Verteidigungsapparat. Die Protestierenden forderten nicht nur die Wiedereinsetzung Fedorows, sondern auch die Ablösung Syrskyjs und setzten der Präsidialverwaltung eine Frist bis Freitag, um diesen Forderungen nachzukommen – andernfalls drohten sie mit einem unbefristeten landesweiten Protest.
Mit der Ernennung Drapatyjs, der in Militärkreisen als befähigter Frontkommandeur und Befürworter einer engeren Verzahnung von Technologie und Truppenführung gilt, sucht Selenskyj einen Ausweg aus der innenpolitischen Krise. Der 43-jährige General hatte sich zuvor öffentlich hinter Fedorow gestellt und für eine vertiefte Zusammenarbeit zwischen Ministerium und Streitkräften geworben. Gleichzeitig bot der Präsident dem entlassenen Minister eine „würdige Position“ in der Regierung an, die die Koordinierung der technologischen Entwicklung des Landes umfassen soll. Ob Fedorow, der bislang alle Alternativangebote abgelehnt hatte und auf einer Rückkehr ins Verteidigungsministerium besteht, dieses Angebot annimmt, blieb zunächst offen.
Der Führungswechsel vollzieht sich in einer Phase, in der die Vereinten Nationen einen Anstieg der zivilen Opferzahlen in der Ukraine um 37 Prozent im ersten Halbjahr 2026 im Vergleich zum Vorjahreszeitraum verzeichnen. Beide Kriegsparteien haben ihre Luftangriffe mit Raketen und Drohnen intensiviert; in der Nacht zum Dienstag meldete Moskau den Einsatz von über 400 ukrainischen Drohnen gegen die Hauptstadtregion. Aus Sicht westlicher Militärbeobachter birgt die Personalentscheidung das Risiko, die erst in den vergangenen Monaten stabilisierte Frontsituation zu beeinträchtigen, zugleich aber auch die Chance, die ukrainische Kriegführung durch eine beschleunigte technologische Modernisierung effektiver zu gestalten.
Die formelle Bestätigung der Ernennungen soll nach Angaben Selenskyjs am Mittwoch erfolgen. Die Protestbewegung hat eine dreitägige Pause angekündigt, um der politischen Führung Raum für Zugeständnisse zu geben. Sollte Fedorow nicht bis Freitag wieder das Verteidigungsressort übernehmen, ist mit einer Wiederaufnahme der Demonstrationen zu rechnen. Die Krise offenbart die Spannungen zwischen einer jüngeren, auf Innovation drängenden Generation und den traditionellen Strukturen des Militärapparats – ein Konflikt, der die ukrainische Innenpolitik auch über den aktuellen Anlass hinaus prägen dürfte.
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Der Iran berichtet die Nachricht, ohne Stellung zu beziehen, und zitiert lediglich eine westliche Quelle.
Durch die Berufung auf ein ausländisches, maßgebliches Medium (The Guardian) gewinnt die Erzählung an Glaubwürdigkeit, ohne eine eigene Analyse liefern zu müssen.
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