
Als die Minions im Tonfilm verstummten – und nun als Monsterjäger triumphieren
Während Michael Jacksons Nachlass die Charts erobert und Streamingdienste ihre Kataloge auffrischen, zeigt der unerwartete Kritikererfolg der gelben Wesen, wie sehr das Kino derzeit von Fanliebe und nostalgischen Schleifen lebt.
Es ist ein stiller, fast melancholischer Moment in einem ansonsten grellbunten Spektakel: Die Minions, jene pillenförmigen gelben Kreaturen, stehen im Hollywood der 1920er Jahre und müssen erkennen, dass ihre einzige Form der Kommunikation – ein unverständliches Kauderwelsch – im Zeitalter des Tonfilms keine Zukunft hat. Die Stummfilm-Ära, in der sie als Gehilfen verschiedenster Schurken noch durch bloße Slapstick-Einlagen glänzten, endet, und mit ihr scheint auch ihre Karriere vor der Kamera besiegelt. Diese Szene aus dem neuen Animationsfilm „Minions & Monsters“ ist nicht nur eine Hommage an die Traumfabrik, sondern auch der Ausgangspunkt für eine aberwitzige Monsterhatz, die den Figuren nun den höchsten Kritikerzuspruch der gesamten „Ich – Einfach unverbesserlich“-Reihe eingebracht hat.
89 Prozent Zustimmung verzeichnet der siebte Teil des Franchise auf Rotten Tomatoes – ein Wert, der in der fast fünfzehnjährigen Geschichte der Reihe beispiellos ist und selbst die von DC Studios lancierte „Supergirl“-Verfilmung (54 Prozent) weit hinter sich lässt. In den US-amerikanischen und lateinamerikanischen Feuilletons wird vor allem die liebevolle Verbeugung vor den klassischen Universal-Monsterfilmen hervorgehoben, ohne dass der für die Reihe typische anarchische Humor verloren ginge. In Mexiko, wo der Film bereits in den Kinos läuft, setzt die Synchronfassung zudem auf eine Mischung aus etablierten Stimmen und Influencern wie Abelito oder dem Komiker Carlos Ballarta – ein Indiz dafür, wie sehr die Vermarktung auf die tiefe Verankerung der Minions in der Popkultur junger hispanophoner Zielgruppen setzt.
Diese Verwurzelung in der Fanbasis ist kein Einzelfall. Parallel zu den Minions erlebt auch das musikalische Erbe von Michael Jackson eine Renaissance, die unmittelbar mit dem Kinostart des Biopics „Michael“ zusammenhängt. Das Werk, das mit weltweit 977 Millionen Dollar Einspielergebnis selbst „Oppenheimer“ als umsatzstärkste Filmbiografie überholte, wurde von der angelsächsischen Kritik zwar als „reinwaschend“ und „aussparend“ gegenüber den Missbrauchsvorwürfen gegen den Sänger verurteilt, doch das Publikum reagierte mit Begeisterung. In den USA kletterten Jacksons Alben „Number Ones“ und „Bad“ auf nie zuvor erreichte Spitzenplätze der Billboard-Verkaufscharts, während „Billie Jean“ zum meistgestreamten Song auf Spotify avancierte. Ein ähnliches Muster zeigte sich bereits bei der „Minecraft“-Verfilmung, die trotz vernichtender Kritiken – 47 Prozent auf Rotten Tomatoes – fast eine Milliarde Dollar einspielte und nun auf Netflix ein zweites Leben als Familienkomödie findet.
Der Juli erweist sich dabei als Monat, in dem die Streamingdienste mit einer Flut an Neustarts auf diese doppelte Bewegung aus Nostalgie und Fan-Loyalität antworten. Während Apple TV+ mit der dritten Staffel der dystopischen Serie „Silo“ eine der von der Kritik am höchsten bewerteten Produktionen der Gegenwart platziert hat – 100 Prozent auf Rotten Tomatoes, ebenso wie die zweite Staffel von „X-Men ’97“ bei Disney+ –, setzen Netflix, Prime Video und HBO Max auf eine Mischung aus Franchise-Fortsetzungen und lokal verankerten Stoffen. So bringt Netflix mit „Enola Holmes 3“ eine junge Detektivin zurück, die in Malta nach ihrem verschwundenen Bruder Sherlock sucht, während Prime Video mit „Elle“ ein Prequel zu „Natürlich blond“ in den 1990er Jahren ansiedelt und HBO Max mit „Wicked: Por siempre“ die zweite Hälfte des Musical-Epos liefert. Universal Pictures wiederum hält an seiner Strategie fest, selbst Blockbuster wie „Minions & Monsters“ nach fünf Kinowochenenden ins kostenpflichtige Video-on-Demand zu entlassen – ein kalkulierter Schritt, der die exklusive Kinoauswertung schützt und dennoch frühzeitig digitale Erlöse generiert.
Am Ende aber sind es die kleinen, fast beiläufigen Gesten, die das Publikum an diese Universen binden. Fünf Post-Credit-Szenen hat „Minions & Monsters“ zu bieten, und in ihnen kehren nicht nur der schurkische Gru, die kleine Agnes und der seltsame Hund Kyle zurück, sondern auch der verrückte Wissenschaftler Dr. Nefario. Es sind diese Wiedersehen, die das Kino derzeit prägen: ein leises Versprechen, dass die gelben Wesen, selbst wenn sie im Tonfilm einst ihre Stimme verloren, noch lange nicht verstummen werden.
Wie dieselbe Geschichte anderswo erzählt wird.
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Das Minions-Franchise erreicht mit 'Minions & Monsters' einen neuen Höhepunkt, erzielt die höchste Kritikerzustimmung der Reihe und festigt die Dominanz etablierter Animations-IPs in den lateinamerikanischen Märkten. Auch Streamingdienste nutzen diesen Trend und nehmen Videospielverfilmungen wie den Minecraft-Film ins Programm, um das Familienpublikum anzusprechen.
Das Michael-Jackson-Biopic sorgt für ein Chart-Revival seiner Alben und demonstriert die kommerzielle Schlagkraft etablierter Musik-IPs. Unterdessen bleibt die Veröffentlichungsstrategie von Universal für den Minions-Film an bewährten PVOD-Fenstern verankert, was einen kalkulierten Ansatz zur Umsatzmaximierung zwischen Kino und Streaming widerspiegelt.
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