
Zahl der Toten nach Erdbeben in Venezuela auf 2.595 gestiegen
Die Regierung spricht von 12.400 Verletzten, während die UN von bis zu 50.000 Vermissten ausgeht und die WHO vor einem weiteren Anstieg der Opferzahlen warnt.
Eine Woche nach den beiden schweren Erdbeben im Norden Venezuelas hat die Interimspräsidentin Delcy Rodríguez die offizielle Zahl der Todesopfer auf 2.595 erhöht. Die Naturkatastrophe vom 24. Juni gilt als das folgenreichste Beben in der Geschichte des Landes seit mehr als einem Jahrhundert.
Nach Regierungsangaben wurden zudem 12.400 Menschen verletzt; 189 Gebäude stürzten vollständig ein, mindestens 855 weitere wurden beschädigt. An den Rettungsarbeiten beteiligen sich nach offiziellen Darstellungen Einsatzkräfte aus 33 Staaten, darunter auch Teams aus den Vereinigten Staaten und Brasilien. Bislang seien 6.462 Personen lebend geborgen worden – zuletzt ein 43-jähriger Wachmann, der acht Tage unter den Trümmern eines Einkaufszentrums überlebte. Rodríguez wies Vorwürfe einer schleppenden Reaktion zurück und erklärte, der Zivilschutz sei binnen Stunden aktiviert worden.
Die Zahl der Vermissten bleibt ungewiss. Während die Regierung keine offizielle Schätzung vorlegt, gehen die Vereinten Nationen von bis zu 50.000 nicht auffindbaren Personen aus; eine inoffizielle, aber breit genutzte Online-Liste verzeichnete zuletzt rund 38.500 Einträge. Die Weltgesundheitsorganisation warnte, mit dem Übergang von der Rettungs- zur Bergungsphase dürfte die Opferzahl noch erheblich steigen. Erschwerend wirkt sich die angespannte Gesundheitsversorgung aus: Schon vor den Beben fehlten nach WHO-Angaben in vielen Krankenhäusern fast 40 Prozent der essenziellen Medikamente. Mehrere Hilfsorganisationen berichteten zudem von Behinderungen ihrer Arbeit durch örtliche Sicherheitskräfte; die deutsche ISAR-Gruppe brach ihren Einsatz ab, nachdem ihr der Zugang verweigert worden war. Die Regierung bestreitet dies und verweist auf notwendige Ordnungsmaßnahmen.
Die beiden Erdstöße der Stärke 7,2 und 7,5 ereigneten sich am Abend des 24. Juni innerhalb weniger Minuten und wurden von Hunderten Nachbeben gefolgt. Besonders betroffen ist der Küstenstaat La Guaira, wo ganze Wohnviertel zerstört wurden. Internationale Finanzinstitutionen wie der Internationale Währungsfonds und die Weltbank haben Kredite und nicht rückzahlbare Hilfen zugesagt; die Regierung richtete einen Wiederaufbaufonds über umgerechnet 200 Millionen US-Dollar ein. Die Such- und Rettungsarbeiten dauern an, doch die Wahrscheinlichkeit, noch Überlebende zu finden, nimmt nach Einschätzung von Experten mit jedem Tag ab.
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