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Wissenschaft & GesundheitSonntag, 21. Juni 2026

213 Millionen Inder betroffen: Wie Koffein Migräne triggert und Hitze die Gefahr erhöht

Während 1,2 Milliarden Menschen weltweit unter Migräne leiden, zeigen aktuelle Expertisen aus Russland, Indonesien und den USA die komplexe Rolle von Koffein – und den Einfluss von heißem Wetter.

Mit 213 Millionen Betroffenen trägt Indien eine unverhältnismäßige Last der globalen Migränebelastung, wie jüngste Daten belegen. Die neurologische Erkrankung, die als zweitstärkste Ursache für Behinderung weltweit gilt, trifft vor allem Jugendliche und Erwachsene im erwerbsfähigen Alter, Frauen doppelt so häufig. Eine Studie in Kerala ergab, dass 37,5 Prozent der Studenten betroffen sind und viele tagelang den Unterricht verpassen. Koffein, das in Kaffee und Tee breit konsumiert wird, erweist sich dabei als zweischneidiger Faktor. Der indonesische Neurologe Ramdinal Aviesena Zairinal vom Universitätskrankenhaus Indonesiens erklärt: „Nicht das Koffein selbst löst Migräne aus, sondern Veränderungen in Dosis, Stärke oder Konsummuster.“ Ein sprunghafter Anstieg von zwei auf fünf Tassen täglich oder das Auslassen des Morgenkaffees kann Attacken von vier bis 72 Stunden provozieren, oft begleitet von Aura-Symptomen.

Der Mechanismus beruht auf einer Störung des Adenosin-Systems im Gehirn. Während Koffein die Adenosin-Rezeptoren blockiert und so kurzfristig Schmerz und Müdigkeit lindert, bringt ein unregelmäßiger Konsum dieses Gleichgewicht durcheinander und führt zu Entzugserscheinungen oder Überstimulation. Bei Sommerhitze potenziert sich das Risiko. Die russische Gastroenterologin Victoria Stepanowa warnt, dass Kaffee als mildes Diuretikum wirkt und zusammen mit dem Flüssigkeitsverlust durch Schwitzen zu einer „doppelten Dehydrierung“ führen kann. Das Blut dickt ein, die Gefahr von Herzrhythmusstörungen steigt – selbst bei Gesunden. Für Menschen mit grenzwertigen Rhythmusstörungen kann der Pulsanstieg nach einem Espresso ausreichen, um einen Anfall auszulösen.

Die individuelle Empfindlichkeit hängt auch von der Genetik ab. Manche Menschen bauen Koffein rasch ab, andere behalten es länger im Blut, was Unruhe oder Angst auslösen kann, wie von iranischen Gesundheitsexperten hervorgehoben wird. Paradoxerweise können Personen mit Aufmerksamkeitsdefizit-Hyperaktivitätsstörung (ADHS) nach dem Kaffeegenuss eine beruhigende Wirkung und verbesserte Konzentration erfahren – ein Beleg für die höchst unterschiedlichen Effekte der Substanz.

Während die Mäßigung des Koffeinkonsums zentral bleibt, verweisen US-Ernährungswissenschaftler auf alternative Getränke für die Herz-Kreislauf-Gesundheit: Rote-Beete-Saft, reich an Nitraten, die die Blutgefäße entspannen, kann den systolischen Druck senken; Hibiskustee enthält Polyphenole mit ähnlicher gefäßerweiternder Wirkung. Auch wenn diese Getränke nicht direkt gegen Migräne wirken, unterstreichen sie die Bedeutung der Getränkewahl für die neurovaskuläre Gesundheit.

Angesichts der hohen Prävalenz und der oft unterschätzten wirtschaftlichen Kosten – Migräne verursacht Studien zufolge weltweit etwa drei bis vier Prozent der Arbeitszeitausfälle – rücken präventive Ansätze in den Fokus. „Betroffene müssen ihre individuellen Auslöser identifizieren“, betont der indonesische Neurologe. Für Koffeinkonsumenten bedeutet das: regelmäßige Mengen, keine abrupten Änderungen und an heißen Tagen ausreichende Wasserzufuhr. Die nächste Herausforderung für Gesundheitsbehörden in Indien und anderswo wird sein, Aufklärungskampagnen in Schulen und Betrieben zu starten, um die oft jahrelang unerkannte Erkrankung frühzeitig zu behandeln.

Wie dieselbe Geschichte anderswo erzählt wird.

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Russische & GUS-PresseIranische & verwandte Presse
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AlarmPaternalismus

Coffee consumption in hot weather poses a risk to the heart, doctors warn. Caffeine aggravates dehydration and increases load on the cardiovascular system. It's better to avoid the drink during heatwaves.

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DistanzPragmatismus

Why some people feel calm after coffee while others get anxious? Research shows genetics plays a key role in caffeine metabolism. Individual factors determine how coffee affects your body.

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213 Millionen Inder betroffen: Wie Koffein Migräne triggert und Hitze die Gefahr erhöht

Während 1,2 Milliarden Menschen weltweit unter Migräne leiden, zeigen aktuelle Expertisen aus Russland, Indonesien und den USA die komplexe Rolle von Koffein – und den Einfluss von heißem Wetter.

Mit 213 Millionen Betroffenen trägt Indien eine unverhältnismäßige Last der globalen Migränebelastung, wie jüngste Daten belegen. Die neurologische Erkrankung, die als zweitstärkste Ursache für Behinderung weltweit gilt, trifft vor allem Jugendliche und Erwachsene im erwerbsfähigen Alter, Frauen doppelt so häufig. Eine Studie in Kerala ergab, dass 37,5 Prozent der Studenten betroffen sind und viele tagelang den Unterricht verpassen. Koffein, das in Kaffee und Tee breit konsumiert wird, erweist sich dabei als zweischneidiger Faktor. Der indonesische Neurologe Ramdinal Aviesena Zairinal vom Universitätskrankenhaus Indonesiens erklärt: „Nicht das Koffein selbst löst Migräne aus, sondern Veränderungen in Dosis, Stärke oder Konsummuster.“ Ein sprunghafter Anstieg von zwei auf fünf Tassen täglich oder das Auslassen des Morgenkaffees kann Attacken von vier bis 72 Stunden provozieren, oft begleitet von Aura-Symptomen.

Der Mechanismus beruht auf einer Störung des Adenosin-Systems im Gehirn. Während Koffein die Adenosin-Rezeptoren blockiert und so kurzfristig Schmerz und Müdigkeit lindert, bringt ein unregelmäßiger Konsum dieses Gleichgewicht durcheinander und führt zu Entzugserscheinungen oder Überstimulation. Bei Sommerhitze potenziert sich das Risiko. Die russische Gastroenterologin Victoria Stepanowa warnt, dass Kaffee als mildes Diuretikum wirkt und zusammen mit dem Flüssigkeitsverlust durch Schwitzen zu einer „doppelten Dehydrierung“ führen kann. Das Blut dickt ein, die Gefahr von Herzrhythmusstörungen steigt – selbst bei Gesunden. Für Menschen mit grenzwertigen Rhythmusstörungen kann der Pulsanstieg nach einem Espresso ausreichen, um einen Anfall auszulösen.

Die individuelle Empfindlichkeit hängt auch von der Genetik ab. Manche Menschen bauen Koffein rasch ab, andere behalten es länger im Blut, was Unruhe oder Angst auslösen kann, wie von iranischen Gesundheitsexperten hervorgehoben wird. Paradoxerweise können Personen mit Aufmerksamkeitsdefizit-Hyperaktivitätsstörung (ADHS) nach dem Kaffeegenuss eine beruhigende Wirkung und verbesserte Konzentration erfahren – ein Beleg für die höchst unterschiedlichen Effekte der Substanz.

Während die Mäßigung des Koffeinkonsums zentral bleibt, verweisen US-Ernährungswissenschaftler auf alternative Getränke für die Herz-Kreislauf-Gesundheit: Rote-Beete-Saft, reich an Nitraten, die die Blutgefäße entspannen, kann den systolischen Druck senken; Hibiskustee enthält Polyphenole mit ähnlicher gefäßerweiternder Wirkung. Auch wenn diese Getränke nicht direkt gegen Migräne wirken, unterstreichen sie die Bedeutung der Getränkewahl für die neurovaskuläre Gesundheit.

Angesichts der hohen Prävalenz und der oft unterschätzten wirtschaftlichen Kosten – Migräne verursacht Studien zufolge weltweit etwa drei bis vier Prozent der Arbeitszeitausfälle – rücken präventive Ansätze in den Fokus. „Betroffene müssen ihre individuellen Auslöser identifizieren“, betont der indonesische Neurologe. Für Koffeinkonsumenten bedeutet das: regelmäßige Mengen, keine abrupten Änderungen und an heißen Tagen ausreichende Wasserzufuhr. Die nächste Herausforderung für Gesundheitsbehörden in Indien und anderswo wird sein, Aufklärungskampagnen in Schulen und Betrieben zu starten, um die oft jahrelang unerkannte Erkrankung frühzeitig zu behandeln.

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