
Zwischen Jubel und Protest: Irans WM-Auftakt in Los Angeles als politische Bühne
Das 2:2 gegen Neuseeland wurde von gespaltenen iranischen Fans, verbotenen Flaggen und Pfiffen gegen die Nationalhymne überschattet – einen Tag nach dem Friedensabkommen im US-iranischen Konflikt.
Das erste Spiel der iranischen Nationalmannschaft bei der Weltmeisterschaft 2026 in Los Angeles geriet zu einem Spiegel der tiefen politischen Spaltung innerhalb der iranischen Diaspora. Offiziell als Partie gegen Neuseeland angesetzt, verwandelte sich das Duell im SoFi-Stadion in eine Auseinandersetzung zwischen Anhängern des Regimes in Teheran und dessen Gegnern. Hunderte Fans schwenkten außerhalb der Arena die vorrevolutionäre Flagge mit Löwe und Sonne, die von der FIFA als politisches Symbol verboten wurde, aber dennoch massenhaft in die Ränge geschmuggelt worden war. Beim Abspielen der Nationalhymne brandete ein ohrenbetäubendes Gemisch aus Jubel und Pfiffen auf – ein akustisches Abbild der Zerrissenheit, die das Team schon vor dem Anpfiff begleitete. Sportlich endete die Begegnung 2:2, nachdem Iran zweimal einen Rückstand gegen den Außenseiter Neuseeland aufgeholt hatte.
In Los Angeles, wo die größte iranische Gemeinde außerhalb des Irans lebt, wurde die politische Aufladung besonders greifbar. Viele der iranischstämmigen Amerikaner waren nach der Islamischen Revolution 1979 geflohen und betrachten die alte Flagge als Symbol des Widerstands gegen das theokratische Regime. Einige Zuschauer bekannten offen, sie seien gekommen, um die eigene Mannschaft verlieren zu sehen – ein Protest, der sich gegen die Vereinnahmung des Sports durch die Staatsführung richtet. Andere wiederum trennten strikt zwischen Politik und Fußball, feierten die Tore von Ramin Rezaeian und Mohammad Mohebbi und litten mit einer Mannschaft, die unter enormen logistischen Hürden angereist war. In einem Café im Westen der Stadt wischte sich die 76-jährige Parvin Tränen der Freude aus dem Gesicht, während sie ein über 50 Jahre altes Trikot von den Asienspielen 1974 trug – eine Reminiszenz an eine Zeit, in der Iran noch nicht von solchen Gräben durchzogen war.
Aus Teheraner Perspektive stellte sich die Nacht ganz anders dar. In einem der wenigen Cafés, die das Spiel um 4:30 Uhr morgens übertrugen, versammelten sich Dutzende Frühaufsteher, darunter viele Frauen mit gefärbten Haaren und ohne Kopftuch. Die Stimmung war von gespannter Neugier geprägt, nicht von offenem Protest. Man diskutierte die Chancen des Teams, das trotz des Krieges mit dem Co-Gastgeber USA und der erst am Vortag verkündeten Friedensvereinbarung antrat. Die Tore der eigenen Mannschaft lösten heulenden Jubel aus, und die Hoffnung auf ein Weiterkommen überwog die politischen Vorbehalte. Diese Gleichzeitigkeit von stiller Renitenz und patriotischer Begeisterung zeigt, dass auch innerhalb Irans die Gesellschaft keineswegs monolithisch ist.
Der geopolitische Rahmen verleiht dem Turnier eine beispiellose Brisanz. Der im Februar begonnene militärische Konflikt zwischen den USA, Israel und dem Iran wurde erst am Sonntag durch ein Abkommen beendet; die iranische Delegation war noch von Tijuana aus eingereist, nachdem Visa-Probleme und Einreisesperren für Offizielle die Vorbereitung erschwert hatten. Dass die FIFA das Turnier trotz der Kriegshandlungen nicht verlegte und Iran die Teilnahme gestattete, war bereits eine diplomatische Gratwanderung. Für Europa, das auf eine Stabilisierung der Region hofft, ist der friedliche Verlauf dieses WM-Auftakts ein vorsichtig positives Signal. Doch die Bilder aus Los Angeles belegen, dass der Sport die politischen Wunden nicht heilen kann. Irans weitere Spiele werden mit Gewissheit erneut zur Bühne für den Kampf um Deutungshoheit – zwischen denen, die das Team als Botschafter einer stolzen Nation sehen, und jenen, die es als Instrument eines repressiven Staates ablehnen.
Wie dieselbe Geschichte anderswo erzählt wird.
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Irans WM-Auftakt in Los Angeles wurde zur politischen Protestbühne: Tausende iranisch-amerikanische Fans buhten die Nationalhymne aus und schwenkten verbotene Flaggen gegen das Regime in Teheran. Die aufgeheizte Stimmung vor dem Hintergrund des jüngsten US-Iran-Kriegs offenbarte die tiefen Risse in der Diaspora, auch wenn einige durch den Fußball Einheit suchten.
Irans WM-Auftakt stand im Schatten des jüngsten Krieges mit den USA, doch eine laute pro-iranische Menge in Los Angeles übertönte geplante regierungsfeindliche Proteste und ermöglichte es dem Team, sich auf den Fußball zu konzentrieren. Trotz der angespannten Atmosphäre kam Iran zweimal nach Rückstand zurück und erreichte ein 2:2 gegen Neuseeland, angetrieben von der leidenschaftlichen Unterstützung loyaler Diaspora-Fans.
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