
Nullnummer mit historischem Wert: Kap Verde trotzt Saudi-Arabien und trifft nun auf Argentinien
Mit einem 0:0 gegen Saudi-Arabien und der gleichzeitigen Niederlage Uruguays gegen Spanien zieht der WM-Debütant als Gruppenzweiter ins Sechzehntelfinale ein – und wird dort von Titelverteidiger Argentinien erwartet.
Das Warten auf dem Rasen des Houston Stadiums dauerte nur wenige Minuten, doch für die Spieler Kap Verdes müssen es endlose Augenblicke gewesen sein. Ihr eigenes Spiel war beendet, ein zähes 0:0 gegen Saudi-Arabien, doch die Entscheidung über das Weiterkommen fiel Hunderte Kilometer entfernt in Guadalajara. Als die Nachricht vom 1:0-Sieg Spaniens über Uruguay auf den Mobiltelefonen der Spieler aufleuchtete, entlud sich die Anspannung in einem kollektiven Jubelschrei. Der Außenseiter, mit kaum mehr als einer halben Million Einwohnern die kleinste Nation, die je eine K.-o.-Runde einer Weltmeisterschaft erreichte, hatte das Unwahrscheinliche wahr gemacht: drei Unentschieden, null Niederlagen, Platz zwei in Gruppe H.
Dabei war die Partie gegen Saudi-Arabien über weite Strecken ein Spiegelbild der gesamten kapverdischen Gruppenphase: defensiv diszipliniert, offensiv um Kontrolle bemüht, aber ohne den letzten Punch. Die erste Halbzeit bot wenig Höhepunkte, ein Schuss von Willy Semedo (22.) und ein Kopfball Mohamed Kannos in der Nachspielzeit, den der 40-jährige Torhüter Vozinha sicher parierte, blieben die einzigen nennenswerten Szenen. Ein Schockmoment für die Saudis war die verletzungsbedingte Auswechslung von Innenverteidiger Hassan Al-Tambakti nach einer halben Stunde. Nach dem Seitenwechsel erhöhte Kap Verde den Druck: Jamiro Monteiro scheiterte freistehend an Torwart Mohammed Al-Owais (48.), Kevin Pina zielte knapp über das Tor (50.), und die größte Chance vergab Laros Duarte, als er allein vor Al-Owais am saudischen Schlussmann scheiterte (75.). Saudi-Arabien, das selbst einen Sieg benötigte, blieb offensiv über weite Strecken harmlos und verabschiedete sich mit nur einem Tor aus dem Turnier.
Die eigentliche Dramaturgie des Abends spielte sich jedoch parallel in Mexiko ab. Spanien, das im ersten Gruppenspiel selbst nicht über ein 0:0 gegen Kap Verde hinausgekommen war, führte durch einen Treffer von Álex Baena kurz vor der Pause. Diese Führung, auf den Videowänden in Houston eingeblendet, ließ die kapverdischen Fans erstmals aufjubeln, denn sie bedeutete zu diesem Zeitpunkt den zweiten Platz. Uruguay, das mit zwei Remis in die letzte Runde gegangen war, fand gegen die Spanier kein Mittel und schied mit nur zwei Punkten aus – ein Debakel für die Celeste um Trainer Marcelo Bielsa, das in der Heimat für erhebliche Unruhe sorgen dürfte.
Aus kapverdischer Sicht ist der Einzug ins Sechzehntelfinale der vorläufige Höhepunkt einer märchenhaften Reise. „Ich lebe einen Traum“, sagte Mittelfeldspieler Deroy Duarte nach dem Spiel, während Trainer Bubista, in die Landesflagge gehüllt, erklärte: „Wir sind stolz, es bis hierher geschafft zu haben. Wir haben der Welt gezeigt, dass wir ein kleines Land sind, aber für das kämpfen, was wir wollen.“ Die emotionale Bedeutung des Erfolgs wurde auch auf den Rängen sichtbar, wo ein Banner mit der Aufschrift „Small Islands, Big Dreams“ zu sehen war und die Mutter von Torhüter Vozinha, die wegen Visumproblemen das Auftaktspiel verpasst hatte, mit einer kleinen Flagge winkte.
Der Lohn für den historischen Erfolg ist ein Duell mit Titelverteidiger Argentinien um Lionel Messi am 3. Juli in Miami. Für die „Blauen Haie“ wird es die nächste Prüfung gegen einen Weltmeister, nachdem sie bereits Spanien und Uruguay Paroli geboten hatten. Dass sie dabei ohne einen einzigen Sieg die Gruppenphase überstanden, ist eine statistische Rarität, die zuletzt Chile 1998 gelang. Der Gegner aus Südamerika geht als klarer Favorit in die Partie, doch Kap Verde hat in diesem Turnier bereits mehrfach bewiesen, dass es sich von vermeintlicher Übermacht nicht einschüchtern lässt.
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