
WHO: Bis zu 45 Prozent aller Demenzfälle könnten durch Lebensstiländerungen verhindert werden
Aktualisierte WHO-Empfehlungen und eine grosse lateinamerikanische Studie belegen, dass kombinierte Massnahmen gegen Risikofaktoren die kognitive Leistung messbar verbessern können.
Die Weltgesundheitsorganisation (WHO) hat am Mittwoch ihre Leitlinien zur Demenzprävention aktualisiert und schätzt, dass bis zu 45 Prozent der Erkrankungsfälle auf modifizierbare Risikofaktoren zurückgehen. Dazu zählen Tabak- und Alkoholkonsum, Bewegungsmangel, soziale Isolation, Luftverschmutzung sowie nichtübertragbare Erkrankungen wie Bluthochdruck und Diabetes. Weltweit leben nach WHO-Angaben mehr als 57 Millionen Menschen mit einer Demenz, jährlich kommen fast zehn Millionen Neudiagnosen hinzu. Die volkswirtschaftlichen Kosten beziffert die Organisation auf rund 1,3 Billionen US-Dollar pro Jahr, wovon etwa die Hälfte auf unbezahlte Pflege durch Angehörige entfällt.
Erstmals empfiehlt die WHO explizit die Nutzung von Hörgeräten zur Risikominderung und rät von der Einnahme von Vitamin-B-, Vitamin-E- oder Omega-3-Präparaten ohne diagnostizierten Mangel ab. Die überarbeiteten Empfehlungen integrieren zudem kognitive Stimulation, regelmässige soziale Aktivitäten und die Reduktion von Luftschadstoffbelastung. Damit erweitert die Organisation den Präventionsansatz über individuelle Verhaltensänderungen hinaus auf umwelt- und gesundheitspolitische Massnahmen.
Wie eine strukturierte Umsetzung solcher Empfehlungen wirken kann, zeigt die randomisierte klinische Studie LatAm-FINGERS, an der 1.065 Teilnehmer im Alter von 60 bis 77 Jahren aus elf lateinamerikanischen Ländern teilnahmen. Die Interventionsgruppe absolvierte über zwei Jahre ein Programm aus angeleiteter Bewegung, mediterran adaptierter Ernährung, kognitivem Training, kardiovaskulärem Monitoring und geförderter Sozialisation. Die Ergebnisse, die auf der Alzheimer’s Association International Conference in London vorgestellt und in The Lancet publiziert wurden, weisen eine um 55 Prozent stärkere Verbesserung der globalen Kognition im Vergleich zur Kontrollgruppe aus, die lediglich allgemeine Gesundheitshinweise erhielt. Die Studienautoren um Lucía Crivelli vom argentinischen FLENI-Institut betonen, dass die Wirksamkeit eines solchen multidomänen Ansatzes nun erstmals mit randomisierter Evidenz aus der Region belegt sei.
Einen mechanistischen Erklärungsansatz liefert eine schwedische Beobachtungsstudie mit über 27.000 Teilnehmenden, publiziert in Alzheimer’s & Dementia. Personen mit metabolischem Syndrom – definiert durch mindestens drei von fünf Risikofaktoren wie abdominale Adipositas, erhöhten Blutdruck, Blutzucker oder Triglyceride sowie niedriges HDL-Cholesterin – wiesen im MRT ein beschleunigt gealtertes Gehirn auf. Bei drei Faktoren lag die Differenz zum chronologischen Alter bei etwa einem Jahr, bei allen fünf Faktoren bei 2,3 Jahren. Abigail Dove vom Karolinska Institutet führt dies auf eine chronische Entzündungsreaktion zurück, die Blutgefässe schädige und schädliche Proteine im Gehirn begünstige.
Die WHO sieht in den aktualisierten Leitlinien eine Aufforderung an die Mitgliedstaaten, Prävention stärker in die Versorgung nichtübertragbarer Erkrankungen zu integrieren. Der nächste fachliche Meilenstein ist die Umsetzung der Empfehlungen in nationale Gesundheitsstrategien, zu denen die Organisation konkrete Handlungsanleitungen bereitgestellt hat.
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Continental Europe promotes a proactive clinical approach, emphasizing the role of early diagnosis and management of risk factors.
By citing prominent neurologists, the bloc lends scientific authority to the narrative, making prevention a concrete medical issue.
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