
KI-Transformation: Neun von zehn Unternehmen experimentieren, doch nur wenige schaffen Mehrwert
Während Unternehmen weltweit KI erproben, warnt ein UN-Gremium vor katastrophalen Risiken und Verbraucher verlagern ihre Kaufentscheidungen zunehmend auf KI-Empfehlungen.
Neun von zehn Unternehmen erkunden weltweit den Einsatz Künstlicher Intelligenz, doch nur jedes zehnte erzielt daraus messbaren geschäftlichen Wert, wie eine Erhebung unter argentinischen Firmen zeigt. Gleichzeitig warnt ein unabhängiges UN-Wissenschaftsgremium, dass die Fähigkeiten der KI das wissenschaftliche Verständnis und die Regulierungsfähigkeit der Staaten überholen – mit potenziell katastrophalen Folgen. Diese Diskrepanz zwischen rascher Adoption und unzureichender Steuerung prägt die aktuelle Debatte.
Der geringe Wertschöpfungsanteil hat strukturelle Gründe. In vielen Organisationen fehlt es nicht an Technologie, sondern an Führung, die KI in die Kernstrategie einbettet, wie afrikanische Transformationsberater betonen. Statt bestehende Prozesse lediglich zu automatisieren, müssten Unternehmen Abläufe grundlegend neu denken. Ein Beispiel aus der Finanzbranche: Ein Team strich eine überflüssige Genehmigungsstufe, bevor es KI für die verbleibenden Aufgaben einsetzte – andernfalls wäre nur ein ineffizienter Prozess beschleunigt worden. In Kreativagenturen wächst zudem die Sorge vor einer „Auslagerung des Denkens“; dort setzt man KI vor allem für Skalierung ein, nicht für strategische Entscheidungen. Ökonomen verweisen auf eine „K-förmige Wirtschaft“, in der sich die Produktivitätsschere zwischen KI-intensiven und traditionellen Unternehmen öffnet.
Auf der Nachfrageseite vollzieht sich ein stiller Wandel. In Brasilien, einem der führenden Märkte für KI-Adoption, vertrauen 81 Prozent der Verbraucher der Technologie, und 64 Prozent haben bereits generative KI bei Kaufentscheidungen genutzt. Weltweit beginnen 37 Prozent der Konsumenten ihre Produktrecherche in KI-Tools statt in klassischen Suchmaschinen. In Europa richtet sich der Blick stärker auf Bildung und Jugendschutz. Eine italienische Leserbefragung zeigt mehrheitlich Zustimmung zum KI-Einsatz in Schulen, sofern der Unterricht den kritischen Umgang vermittelt. UNICEF meldet, dass mindestens 20 Millionen Kinder zwischen 12 und 17 Jahren KI-Tools nutzen, überwiegend für Hausaufgaben, während die Governance den Kinderschutz vernachlässigt. In Lateinamerika versuchen Initiativen wie „Chicas en IA“, die Geschlechterlücke in der Technologiebranche zu schließen.
Die internationale Gemeinschaft sucht nach Antworten. Der UN-Generalsekretär rief die Regierungen zu raschem Handeln auf, und eine neue Globale Kommission für KI zum Guten Wohl nahm ihre Arbeit auf. Das erste Weltdialogforum zur KI-Governance, das am 6. und 7. Juli in Genf stattfindet, soll verbindliche Leitlinien für den Umgang mit den Risiken und Chancen der Technologie erarbeiten – ein Meilenstein, an dem sich zeigen wird, ob die politische Koordination mit der technologischen Entwicklung Schritt halten kann.
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