
Kardinal von Rabat legt nach Missbrauchsvorwürfen vorläufig alle Ämter nieder
Mindestens fünf Frauen beschuldigen den spanischen Erzbischof Cristóbal López Romero sexueller Übergriffe; der Vatikan hat eine Voruntersuchung eingeleitet.
Der Erzbischof von Rabat, Kardinal Cristóbal López Romero, hat sich nach Vorwürfen sexueller Übergriffe durch mehrere Frauen vorläufig von seinen Ämtern zurückgezogen. Der Vatikan leitete eine kircheninterne Voruntersuchung ein, wie der 74-jährige spanische Geistliche am Dienstag in einer schriftlichen Stellungnahme mitteilte. López Romero bestreitet die Anschuldigungen: „Ich habe weder eine Aggression noch Gewalt noch sexuelle Belästigung begangen.“
Nach Recherchen der französischen Nachrichtenagentur AFP, die auch eine schriftliche Zeugenaussage einsehen konnte, werfen mindestens fünf Frauen dem Kardinal unangemessenes Verhalten vor. Eine von ihnen hatte sich im Mai mit einer Beschwerde an die vatikanische Botschaft in Rabat gewandt und von „besonders eindringlichen und langen Umarmungen“ sowie einem „Versuch körperlicher Annäherung, der einem Kussversuch gleichkommt“, berichtet. Eine weitere, in der Kirche engagierte Rentnerin sprach gegenüber AFP von wiederholten Übergriffen, ohne einer Veröffentlichung ihres detaillierten Zeugnisses zuzustimmen. Aus Kirchenkreisen in der Erzdiözese verlautete, mindestens drei weitere Frauen hätten von ähnlichen Vorfällen berichtet, teils im Rahmen der Beichte, was eine unabhängige Überprüfung erschwert.
Nach marokkanischem Recht könnten die geschilderten Handlungen als „schwere sexuelle Belästigung und versuchte schwere sexuelle Nötigung“ gewertet werden, erklärte die auf sexualisierte Gewalt spezialisierte Anwältin Nadia Debbache. Erschwerend komme der Machtmissbrauch durch eine Autoritätsperson hinzu. Strafanzeigen bei marokkanischen Gerichten wurden bisher nicht gestellt. Die vatikanische Untersuchung wird nach spanischen Medienberichten nicht von der Glaubenskongregation, die für Missbrauch Minderjähriger zuständig ist, sondern von der Bischofskongregation geführt, da es sich um erwachsene Frauen handelt. Der Generalvikar der Erzdiözese, Marc Helfer, betonte, die Kirche decke niemanden, stellte aber bereits im Oktober in einem internen Dokument die Frage nach der „Zweckmäßigkeit“, López Romero im Amt zu belassen.
López Romero, Mitglied des Salesianerordens und früherer Missionar in Paraguay und Bolivien, galt beim Konklave 2025 als einer der aussichtsreichsten Kandidaten für die Nachfolge von Papst Franziskus, zog seine Kandidatur jedoch wenige Tage vor der Wahl zurück. Der Fall reiht sich in eine Serie von Missbrauchsskandalen ein, die die katholische Kirche seit Jahrzehnten erschüttern. Unter Franziskus wurde eine Null-Toleranz-Politik bekräftigt, doch Opfervertreter wie die Irin Marie Collins, die 2017 aus der päpstlichen Kinderschutzkommission austrat, kritisieren anhaltende Vertuschung. Die Voruntersuchung gegen den Kardinal von Rabat dauert an; der Vatikan hat sich über die Einleitung des Verfahrens hinaus nicht geäußert.
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Der Vatikan ermittelt, der Kardinal bestreitet: Die Fakten werden ohne Kommentar dargelegt.
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