
Vom Waschbär bis zur Doppelgängerin: Erling Haalands Spuren abseits des Rasens
Wie der norwegische Stürmer während der WM 2026 mit skurrilen Souvenirs, viralen Doppelgängern und einem Modeauftritt auf Sizilien zum globalen Kulturphänomen wurde.
Als Erling Haaland nach dem Viertelfinal-Aus gegen England in Oslo aus dem Flugzeug stieg, trug er nicht nur die Enttäuschung über das knappe 1:2 mit sich, sondern auch ein ungewöhnliches Andenken: einen ausgestopften Waschbären, der eine leere Ginflasche umklammerte. Das Tier, erstanden für 750 Dollar in einem Westernladen in Dallas, war Teil einer Taxidermie-Sammlung, die der Stürmer während des Turniers in den USA zusammengetragen hatte. Das Bild des norwegischen Nationalhelden mit dem bizarren Souvenir verbreitete sich in sozialen Netzwerken binnen Stunden und löste eine unerwartete Nachfrage aus – der Laden meldete wenig später, sämtliche Waschbären seien ausverkauft, erstmals verschickte man Ware ins Ausland.
Die Episode fügt sich in eine Reihe von Momenten, die Haaland während dieser Weltmeisterschaft weit über den Fußball hinaus sichtbar machten. In Moskau veröffentlichte das 24-jährige Model Anastasia Kostromitina ein Video, in dem sie mit vorgewölbter Stirn, blauen Augen und blonder Mähne minutiös Haalands Mimik nachahmte – ein Lächeln, ein starrer Blick, eine Grimasse. Der Clip erzielte über sechs Millionen Likes, und Kostromitina, die seit Jahren von Freunden auf die Ähnlichkeit angesprochen wurde, erklärte gegenüber AFP, sie habe anfangs nicht verstanden, wie sie einem männlichen Fußballer ähneln könne, nehme es nun aber mit Humor. Sie hoffe, Haaland sehe das Video und lache vielleicht darüber.
Die Faszination für den 25-Jährigen speiste sich aus einer Mischung aus sportlicher Dominanz – sieben Tore, darunter ein Doppelpack gegen Brasilien – und einer als authentisch wahrgenommenen Unbeholfenheit. In Argentinien griff eine Streaming-Show diese Wahrnehmung auf und ließ einen als Haaland verkleideten Schauspieler durchs Studio stolpern, gegen Stühle laufen und roboterhafte Bewegungen ausführen. Was als Parodie gedacht war, stieß in den Kommentarspalten auf scharfe Kritik: Nutzer warfen den Machern vor, einen Spieler ohne jeden Anlass ins Lächerliche zu ziehen, und fragten, warum man einen „untadeligen Norweger“ derart darstelle. Die Debatte zeigte, wie sehr Haalands öffentliche Persona bereits emotional aufgeladen war.
Jenseits der Bildschirme manifestierte sich die gestiegene Strahlkraft in nackten Zahlen: 24 Millionen neue Instagram-Follower verzeichnete Haaland während des Turniers, nur der kapverdische Torhüter Vozinha legte mit 28 Millionen noch stärker zu. Auch der mexikanische Teenager Gilberto Mora, dem der frühere argentinische Nationalspieler Sergio Agüero öffentlich riet, sich nicht von Lob oder Kritik ablenken zu lassen, gewann 5,7 Millionen hinzu. Haaland selbst rückte in die Riege der globalen Top-Profile auf und überholte Namen wie Vinícius Júnior. Parallel dazu zeigte sich ein anderer Ausschnitt seiner Welt: Auf Sizilien erschien er mit seiner Lebensgefährtin Isabel Haugseng Johansen zu einer Dolce&Gabbana-Veranstaltung in Taormina, ganz in Weiß, mit einer Froschbrosche am Revers, während sie ein transparentes, kristallbesetztes Kleid trug. Die Bilder aus dem italienischen Modekontext kontrastierten mit dem rustikalen Charme des Waschbären und unterstrichen die Spannweite eines Phänomens, das von texanischen Kuriositätenläden bis zu alta sartoria reichte.
In Moskau wartet Anastasia Kostromitina derweil weiter darauf, dass ihr Idol das Video sieht. Der ausgestopfte Waschbär ist längst zum Symbol einer WM geworden, in der Haalands Wirkung sich nicht in Toren erschöpfte, sondern in einem dichten Netz aus Nachahmung, Kommerz und kuriosen Geschichten fortlebte.
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