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Geopolitik & PolitikMontag, 22. Juni 2026

USA und Indien verhandeln unter Zeitdruck – Schwellenländer suchen neue Handelswege

Während Washington und Neu-Delhi ein Interimsabkommen vor Ablauf der US-Zölle am 24. Juli anstreben, diversifizieren Brasilien, Indonesien und Marokko ihre Partnerschaften.

Der Besuch des US-Handelsbeauftragten Jamieson Greer in Neu-Delhi markiert eine entscheidende Phase der Verhandlungen über ein bilaterales Handelsabkommen. Beide Seiten arbeiten nach Angaben aus Regierungskreisen daran, ein Interimsabkommen noch vor dem 24. Juli abzuschließen, wenn die derzeit geltenden befristeten US-Zölle von zehn Prozent auf alle Handelspartner auslaufen. Im Februar war bereits ein Rahmenwerk vereinbart worden, das für indische Exporte Zölle von 18 Prozent vorsah – ein Satz, der unter dem Niveau für Konkurrenten wie Bangladesch oder Vietnam lag. Der Abschluss wurde jedoch durch ein Urteil des Obersten Gerichtshofs der USA verzögert, das die weitreichenden Zollbefugnisse des Präsidenten beschnitt. Erschwerend kommen laufende Untersuchungen nach Sektion 301 des US-Handelsgesetzes hinzu, die sich gegen angebliche Überkapazitäten und Zwangsarbeit richten und zusätzliche Abgaben von bis zu 12,5 Prozent auf Importe aus Indien und anderen Ländern vorsehen.

Aus Washingtoner Sicht zielen die Gespräche auf ein „faires, ausgewogenes und reziprokes“ Handelsregime. Die Sektion-301-Verfahren werden in US-Regierungskreisen als Instrument gesehen, um Indien zu weiterer Marktöffnung für Agrarprodukte sowie zu höheren Käufen von US-Energie- und Rüstungsgütern zu bewegen. Neu-Delhi hingegen fordert laut Handelsminister Piyush Goyal einen Zollvorteil gegenüber regionalen Wettbewerbern, insbesondere gegenüber ASEAN-Staaten wie Vietnam, sowie Garantien, dass Washington nach einem Abkommen keine neuen Zölle erhebt. Indiens Textilindustrie, die rund 15,8 Milliarden Dollar in die USA exportiert, warnt vor Margenverlusten von acht bis zehn Prozent durch die geplanten Arbeitszölle, zumal sie gegenüber China keinen relativen Vorteil erhält und gestiegene Compliance-Kosten tragen muss.

Parallel zur indisch-amerikanischen Dynamik beschleunigen andere Schwellenländer die Neuausrichtung ihrer Handelsbeziehungen. Brasilien, das mit US-Sanktionen nach Sektion 301 und drohenden Zöllen auf ein Drittel seiner Exporte konfrontiert ist, treibt nach Angaben aus Regierungskreisen in Brasília den Abschluss von Abkommen mit der Europäischen Union, der EFTA sowie mit Kanada und Japan voran, um die Abhängigkeit von den USA und China zu verringern. Indonesien wiederum bemüht sich, den Handel mit China auszuweiten; die Industrie- und Handelskammer Kadin reiste nach Peking, um das Handelsvolumen von zuletzt 168 Milliarden Dollar zu steigern, das hinter dem Malaysias und Vietnams zurückbleibt. Marokko wirbt in Peking um chinesische Investitionen und präsentiert sich als Plattform für den Zugang zum afrikanischen Kontinent, gestützt auf eine neue Investitionscharta und die Infrastrukturprojekte der Fußball-Weltmeisterschaft 2030.

Die Verhandlungen zwischen den USA und Indien könnten nach Einschätzung von Handelsanalysten in Singapur einen Präzedenzfall für differenzierte Zollstrukturen in Asien schaffen. Während Washington versucht, durch bilaterale Abkommen Einfluss auf Lieferketten und Marktzugang zu nehmen, setzen Staaten des globalen Südens verstärkt auf Diversifikation und Süd-Süd-Kooperation. Die Gespräche Greers in Neu-Delhi sollen in den kommenden Tagen fortgesetzt werden; ein Abschluss des Interimsabkommens wird von indischer Seite bis Mitte Juli für möglich gehalten. Zugleich bleiben die Ergebnisse der Sektion-301-Untersuchungen und die Reaktionen betroffener Exportnationen bestimmend für das handelspolitische Umfeld der zweiten Jahreshälfte.

Wie dieselbe Geschichte anderswo erzählt wird.

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Indische & südasiatische PresseArabische Golfpresse
Indische & südasiatische Presse
PragmatismusDringlichkeitSkepsis

Indien drängt auf den Abschluss eines Handelsabkommens mit den USA, das ihm einen Zollvorteil gegenüber asiatischen Konkurrenten wie Vietnam und Bangladesch verschaffen würde. Neu-Delhi sucht zudem Garantien, dass Washington nach dem Abkommen keine neuen Zölle erhebt, während einheimische Textilexporteure befürchten, dass geplante Arbeitszölle ihre ohnehin dünnen Margen weiter schmälern.

Arabische Golfpresse
DistanzPragmatismus

Der Besuch des US-Handelsbeauftragten in Neu-Delhi ist ein letzter Vorstoß zum Abschluss eines Interimsabkommens, wobei Indien bessere Zollkonditionen als für andere asiatische Volkswirtschaften anstrebt. Beide Seiten arbeiten daran, belastete Beziehungen zu kitten, vor dem Hintergrund jüngster Spitzentreffen und regionaler Sicherheitsvorfälle.

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USA und Indien verhandeln unter Zeitdruck – Schwellenländer suchen neue Handelswege

Während Washington und Neu-Delhi ein Interimsabkommen vor Ablauf der US-Zölle am 24. Juli anstreben, diversifizieren Brasilien, Indonesien und Marokko ihre Partnerschaften.

Der Besuch des US-Handelsbeauftragten Jamieson Greer in Neu-Delhi markiert eine entscheidende Phase der Verhandlungen über ein bilaterales Handelsabkommen. Beide Seiten arbeiten nach Angaben aus Regierungskreisen daran, ein Interimsabkommen noch vor dem 24. Juli abzuschließen, wenn die derzeit geltenden befristeten US-Zölle von zehn Prozent auf alle Handelspartner auslaufen. Im Februar war bereits ein Rahmenwerk vereinbart worden, das für indische Exporte Zölle von 18 Prozent vorsah – ein Satz, der unter dem Niveau für Konkurrenten wie Bangladesch oder Vietnam lag. Der Abschluss wurde jedoch durch ein Urteil des Obersten Gerichtshofs der USA verzögert, das die weitreichenden Zollbefugnisse des Präsidenten beschnitt. Erschwerend kommen laufende Untersuchungen nach Sektion 301 des US-Handelsgesetzes hinzu, die sich gegen angebliche Überkapazitäten und Zwangsarbeit richten und zusätzliche Abgaben von bis zu 12,5 Prozent auf Importe aus Indien und anderen Ländern vorsehen.

Aus Washingtoner Sicht zielen die Gespräche auf ein „faires, ausgewogenes und reziprokes“ Handelsregime. Die Sektion-301-Verfahren werden in US-Regierungskreisen als Instrument gesehen, um Indien zu weiterer Marktöffnung für Agrarprodukte sowie zu höheren Käufen von US-Energie- und Rüstungsgütern zu bewegen. Neu-Delhi hingegen fordert laut Handelsminister Piyush Goyal einen Zollvorteil gegenüber regionalen Wettbewerbern, insbesondere gegenüber ASEAN-Staaten wie Vietnam, sowie Garantien, dass Washington nach einem Abkommen keine neuen Zölle erhebt. Indiens Textilindustrie, die rund 15,8 Milliarden Dollar in die USA exportiert, warnt vor Margenverlusten von acht bis zehn Prozent durch die geplanten Arbeitszölle, zumal sie gegenüber China keinen relativen Vorteil erhält und gestiegene Compliance-Kosten tragen muss.

Parallel zur indisch-amerikanischen Dynamik beschleunigen andere Schwellenländer die Neuausrichtung ihrer Handelsbeziehungen. Brasilien, das mit US-Sanktionen nach Sektion 301 und drohenden Zöllen auf ein Drittel seiner Exporte konfrontiert ist, treibt nach Angaben aus Regierungskreisen in Brasília den Abschluss von Abkommen mit der Europäischen Union, der EFTA sowie mit Kanada und Japan voran, um die Abhängigkeit von den USA und China zu verringern. Indonesien wiederum bemüht sich, den Handel mit China auszuweiten; die Industrie- und Handelskammer Kadin reiste nach Peking, um das Handelsvolumen von zuletzt 168 Milliarden Dollar zu steigern, das hinter dem Malaysias und Vietnams zurückbleibt. Marokko wirbt in Peking um chinesische Investitionen und präsentiert sich als Plattform für den Zugang zum afrikanischen Kontinent, gestützt auf eine neue Investitionscharta und die Infrastrukturprojekte der Fußball-Weltmeisterschaft 2030.

Die Verhandlungen zwischen den USA und Indien könnten nach Einschätzung von Handelsanalysten in Singapur einen Präzedenzfall für differenzierte Zollstrukturen in Asien schaffen. Während Washington versucht, durch bilaterale Abkommen Einfluss auf Lieferketten und Marktzugang zu nehmen, setzen Staaten des globalen Südens verstärkt auf Diversifikation und Süd-Süd-Kooperation. Die Gespräche Greers in Neu-Delhi sollen in den kommenden Tagen fortgesetzt werden; ein Abschluss des Interimsabkommens wird von indischer Seite bis Mitte Juli für möglich gehalten. Zugleich bleiben die Ergebnisse der Sektion-301-Untersuchungen und die Reaktionen betroffener Exportnationen bestimmend für das handelspolitische Umfeld der zweiten Jahreshälfte.

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Indien drängt auf den Abschluss eines Handelsabkommens mit den USA, das ihm einen Zollvorteil gegenüber asiatischen Konkurrenten wie Vietnam und Bangladesch verschaffen würde. Neu-Delhi sucht zudem Garantien, dass Washington nach dem Abkommen keine neuen Zölle erhebt, während einheimische Textilexporteure befürchten, dass geplante Arbeitszölle ihre ohnehin dünnen Margen weiter schmälern.

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Der Besuch des US-Handelsbeauftragten in Neu-Delhi ist ein letzter Vorstoß zum Abschluss eines Interimsabkommens, wobei Indien bessere Zollkonditionen als für andere asiatische Volkswirtschaften anstrebt. Beide Seiten arbeiten daran, belastete Beziehungen zu kitten, vor dem Hintergrund jüngster Spitzentreffen und regionaler Sicherheitsvorfälle.

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