
US-Großbanken melden Rekordgewinne – Handelsboom und KI-Euphorie treiben Quartalsergebnisse
JPMorgan, Goldman Sachs, Bank of America, Citigroup und Wells Fargo übertrafen im zweiten Quartal 2026 die Markterwartungen teils deutlich, getragen von sprunghaft gestiegenen Erträgen im Aktien- und Anleihehandel sowie im Investmentbanking.
Die fünf größten US-Banken haben für das zweite Quartal 2026 einen Gewinnsprung gemeldet, der in mehreren Häusern historische Dimensionen erreichte. JPMorgan Chase steigerte den Nettogewinn um 41 Prozent auf 21,2 Milliarden Dollar, Goldman Sachs verzeichnete ein Plus von 84 Prozent auf 6,4 Milliarden Dollar, und Bank of America legte um 27 Prozent auf 9,1 Milliarden Dollar zu. Citigroup und Wells Fargo wiesen Gewinnsteigerungen von 45 Prozent auf 5,8 Milliarden Dollar beziehungsweise 17 Prozent auf 6,4 Milliarden Dollar aus. Sämtliche Institute übertrafen die Konsensschätzungen der Analysten, wobei die positive Überraschung vor allem aus den Handelsabteilungen kam.
Als zentraler Treiber erwies sich das Eigenhandelsgeschäft mit Aktien, das von der anhaltenden Rally im Technologiesektor und der hohen Marktvolatilität profitierte. Bei Goldman Sachs schnellten die Erträge aus dem Aktienhandel um 72 Prozent auf 7,4 Milliarden Dollar – ein Rekordwert für jedes Bankhaus. JPMorgan meldete einen Anstieg von 86 Prozent auf 6,0 Milliarden Dollar, Bank of America von 70 Prozent auf 3,6 Milliarden Dollar. Auch der Handel mit festverzinslichen Wertpapieren, Währungen und Rohstoffen (FICC) legte zweistellig zu. Die Investmentbanking-Erlöse zogen infolge einer Belebung von Fusionen, Übernahmen und Börsengängen kräftig an; bei Goldman Sachs stiegen die entsprechenden Kommissionserträge um 55 Prozent auf 3,4 Milliarden Dollar. Der Nettozinsertrag profitierte weiterhin vom erhöhten Zinsniveau und wuchs bei den meisten Instituten im hohen einstelligen bis niedrigen zweistelligen Prozentbereich.
Aus New Yorker Sicht spiegeln die Zahlen die Robustheit der US-Kapitalmärkte in einem von geldpolitischer Unsicherheit und geopolitischen Spannungen geprägten Umfeld. Die Banken führten den Aktionären im Quartal erhebliche Mittel zu: JPMorgan und Bank of America kauften eigene Aktien für 3 beziehungsweise 6 Milliarden Dollar zurück, Goldman Sachs schüttete 5,4 Milliarden Dollar aus und erhöhte die Dividende. Gleichzeitig blieb die Kreditvorsorge moderat, was auf eine weiterhin günstige Einschätzung der Kreditqualität hindeutet. Einzig Wells Fargo verzeichnete seit Jahresbeginn einen Kursrückgang von 6 Prozent, während der S&P 500 um rund 10 Prozent zulegte.
In Europa werden die Ergebnisse mit Blick auf die Divergenz zu den heimischen Instituten registriert, deren Ertragsdynamik durch die schwächere Konjunktur und die noch zögerliche Erholung im Investmentbanking gedämpft bleibt. Die US-Häuser profitieren zudem von ihrer dominanten Stellung im globalen Wertpapierhandel und der höheren Gewichtung des kapitalmarktnahen Geschäfts. Als nächster richtungsweisender Termin gilt die Sitzung der Federal Reserve Ende Juli, bei der Signale zur künftigen Zinsentwicklung und deren mögliche Auswirkungen auf die Handelsaktivität im Fokus stehen werden.
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