
Tuchel erwägt Manndeckung gegen Messi – Englands taktische Gratwanderung vor dem Halbfinale
Der englische Nationaltrainer denkt über eine klassische Bewachung des argentinischen Kapitäns nach, während die historische Rivalität bewusst ausgeblendet wird.
Einen Tag vor dem WM-Halbfinale gegen Argentinien hat Englands Trainer Thomas Tuchel eine taktische Überlegung offenbart, die in der modernen Fußballlehre als nahezu ausgestorben gilt: eine konsequente Manndeckung gegen Lionel Messi. „Ich habe darüber nachgedacht, ob wir ein richtiges Old-School-Man-Marking gegen Messi durchziehen“, sagte der Deutsche bei der Pressekonferenz in Atlanta. Ob der Plan tatsächlich umgesetzt wird, ließ er offen – doch allein die öffentliche Erwähnung verdeutlicht die Ausnahmestellung des 39-jährigen Argentiniers, der in diesem Turnier mit acht Toren und zwei Vorlagen an der Spitze der Torjägerliste steht.
Messi, der in seiner Karriere noch nie gegen England gespielt hat, wird von Tuchel als Spieler beschrieben, der „alles früher sieht als jeder andere auf dem Platz“. Der Engländer-Coach analysierte: „Der Ball fällt ihm vor die Füße, er findet die Lücke, schafft sich den Raum für seinen linken Fuß und exekutiert die Lösung auf höchstem Niveau.“ Selbst wenn es gelinge, die argentinischen Angriffsmuster zu schließen, werde Messi neue Wege finden – „das ist seine Superstärke“. In internationalen Medien wird der Respekt vor dieser Fähigkeit als zentrales Element der englischen Vorbereitung hervorgehoben.
Die Begegnung ist historisch aufgeladen: Fünf WM-Duelle, darunter das Viertelfinale 1986 mit Maradonas „Hand Gottes“ und der Platzverweis für David Beckham 1998, haben die Rivalität geprägt. Tuchel betonte jedoch, er werde die Geschichte nicht als zusätzliche Motivation nutzen. „Wir tauchen nicht in historische Ereignisse ein und machen es nicht größer, als es ist“, sagte er. Aus seiner Sicht sei es ein großes Fußballspiel, bei dem die Spieler beider Länder sich der Bedeutung bewusst seien, der Fokus aber auf dem sportlich Beeinflussbaren liegen müsse.
Englands Weg ins Halbfinale war beschwerlich: Aufholjagden, Platzverweise, VAR-Überprüfungen und Verlängerungen gegen DR Kongo, Mexiko und Norwegen zehrten an den Kräften. Tuchel sprach von „nervenaufreibendem K.o.-Fußball“, der durch Höhenlagen, Hitze und Reisestrapazen zusätzlich belastet wurde. Dennoch betonte er, dass diese Erfahrungen Energie freisetzten: „Es treibt mich an, es lässt mich lebendig fühlen.“ Der Kader ist bis auf den verletzten Jordan Henderson und den gesperrten Jarell Quansah vollständig, Declan Rice rechtzeitig genesen.
Der Sieger des Duells trifft im Endspiel auf Spanien, das Frankreich mit 2:0 bezwang. Tuchel zeigte sich überzeugt, dass das Halbfinale die beste Leistung seiner Mannschaft hervorbringen werde: „Wir haben unseren Höhepunkt noch nicht erreicht, aber das morgige Spiel wird das Beste aus uns herausholen.“
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Tuchel erwägt einen Manndeckungsplan, um Messi zu kontrollieren.
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