
Trumps taktische Wende am Hormuz: Vom Zoll zur Investitionszusage der Golfstaaten
Nach heftiger Intervention der Golfstaaten strich US-Präsident Trump die geplante 20-Prozent-Abgabe für die Hormuz-Passage und setzt nun auf Investitionszusagen aus der Region.
US-Präsident Donald Trump hat eine am Montag angekündigte Abgabe von 20 Prozent auf den Warenwert aller Schiffe, die die Straße von Hormuz passieren, binnen 24 Stunden wieder zurückgenommen. Stattdessen sollen nach seinen Worten nun Bahrain, Kuwait und Saudi-Arabien mit „sehr großen“ Investitionen in den Vereinigten Staaten die Kosten für die militärische Sicherung der strategischen Wasserstraße kompensieren. Die Kehrtwende folgte laut übereinstimmenden Berichten, darunter von CNN, auf intensive Interventionen der Golfstaaten, die sich von dem Vorhaben überrumpelt sahen und in direkten Gesprächen mit dem Weißen Haus auf eine Streichung drängten.
Aus Washingtoner Regierungskreisen verlautete, der Präsident habe ursprünglich beabsichtigt, die finanzielle Last der seit Februar andauernden Marineblockade gegen Iran auf die internationale Handelsschifffahrt abzuwälzen. In Teheran wertet man die Episode als Beleg für die anhaltende Fähigkeit, den Zugang zum Golf zu einem Druckmittel zu machen. Das iranische Außenministerium hatte bereits zuvor spöttisch einen „gerechteren“ Tarif in Aussicht gestellt. Völkerrechtler in Europa und den USA wiesen unterdessen darauf hin, dass eine solche Abgabe gegen das Prinzip der freien Durchfahrt auf internationalen Wasserstraßen verstoßen würde – ein Argument, das noch im Juni Außenminister Marco Rubio gegen einen ähnlichen iranischen Vorstoß ins Feld geführt hatte.
Die abrupte Kurskorrektur offenbart nach Einschätzung von Nahost-Experten die grundlegenden Schwierigkeiten der US-Strategie im Iran-Konflikt. Rosemary Kelanic vom Thinktank Defense Priorities sprach gegenüber der BBC von einem sich verfestigenden Abnutzungskrieg, der sich noch lange hinziehen könne. Elliot Abrams vom Council on Foreign Relations sieht die Auseinandersetzung auf die Frage reduziert, wer mehr Geduld aufbringe – Iran, das seine Ölexporte blockiert sieht, oder die USA und ihre Verbündeten, die auf das Golföl angewiesen sind. Das Mitte Juni unterzeichnete Memorandum of Understanding, das einen 60-tägigen Waffenstillstand und die schrittweise Öffnung der Straße vorsah, ist faktisch gescheitert; das US-Zentralkommando meldete am Dienstag den vierten Tag in Folge Luftangriffe auf iranische Stellungen.
Die militärische Pattsituation wird durch die geografischen Gegebenheiten verschärft: Iran kann den Schiffsverkehr durch die Meerenge auch mit geschwächter Marine empfindlich stören, ohne dass die USA ohne massive Eskalation eine dauerhafte Kontrolle erlangen könnten. Vor diesem Hintergrund sucht Washington nach Wegen, die Kosten des Engagements auf Verbündete zu verlagern – ein Ansatz, der mit den nun zugesagten Investitionen eine neue Form annimmt, deren konkrete Ausgestaltung jedoch unklar bleibt. Die Verhandlungen über eine dauerhafte Waffenruhe liegen auf Eis, während die Spannungen in der für die globale Energieversorgung zentralen Region unvermindert anhalten.
| Südostasiatische Presse | +0.10 | neutral |
|---|---|---|
| Lateinamerikanische Presse | −0.70 | critical |
| Subsaharisch-afrikanische Presse | −0.70 | critical |
| Atlantische / angloamerikanische Presse | −0.60 | critical |
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