
Trump droht mit US-Maut im Golf – Iran erklärt Schließung der Straße von Hormus
Die Spannungen um die für den globalen Ölhandel zentrale Meerenge spitzen sich zu, während in der Schweiz neue Verhandlungen beginnen sollen.
Präsident Donald Trump erklärte am Samstag über das Netzwerk Truth Social, während der 60-tägigen Waffenruhe würden in der Straße von Hormus keine Transitgebühren erhoben, drohte jedoch gleichzeitig mit künftigen Mauten der Vereinigten Staaten, sollte die umfassende Übereinkunft mit Iran nicht zustande kommen. Wenige Stunden zuvor hatte das Hauptquartier der iranischen Streitkräfte die sofortige Schließung der Meerenge verkündet – als Reaktion auf die andauernden israelischen Angriffe im Libanon und auf das, was Teheran als ausbleibende Umsetzung der Waffenstillstandsklauseln durch Washington bewertet.
Aus Washingtoner Sicht stellt die mögliche Gebührenerhebung eine Kompensation für die sicherheitspolitische Rolle der USA in der Region dar; Trump bezeichnete sie als Ausgleich für Dienste, die Amerika als „Schutzengel“ den Staaten des Nahen Ostens leiste. Das Weiße Haus ließ indes verlauten, der zivile Schiffsverkehr durch Hormus sei von der angekündigten Sperre bislang nicht beeinträchtigt. Nach Angaben des US-Zentralkommandos passierten am Samstag 55 Handelsschiffe mit über 17 Millionen Barrel Öl die Passage, und amerikanische Marineeinheiten stellten die freie Fahrt sicher. Vizepräsident JD Vance reiste noch am Abend in die Schweiz, wo Vertreter beider Seiten unter Vermittlung Pakistans und Katars am Sonntag mit technischen Gesprächen beginnen sollen.
Teheran begründet die Sperrung mit einem angeblichen Bruch der gemeinsam unterzeichneten 14-Punkte-Vereinbarung, die eine umfassende Feuerpause an allen Fronten vorsieht. Solange die israelischen Operationen im Libanon andauerten und Washington nicht auf deren Einstellung hinwirke, seien substanzielle Fortschritte bei den Verhandlungen über das iranische Atomprogramm kaum möglich. Zugleich machte die iranische Seite das Einfrieren von im Ausland blockierten Vermögenswerten in Milliardenhöhe zur Bedingung für weiteres Entgegenkommen. Die Delegation Irans, angeführt von Parlamentspräsident Mohammad Bagher Ghalibaf und Außenminister Abbas Araghchi, traf dennoch nahe dem Bürgenstock ein.
Für Deutschland, Österreich und die Schweiz, deren Volkswirtschaften auf stabile Ölpreise angewiesen sind, birgt jede andauernde Störung der Hormus-Route unmittelbare konjunkturelle Risiken. Beobachter in der Region weisen darauf hin, dass die Vermittler vor der schwierigen Aufgabe stehen, die fragile Waffenruhe im Libanon zu festigen und zugleich einen Modus zu finden, in dem die USA und Iran ihre strategischen Differenzen einhegen. Die kommenden Tage in der Schweiz gelten als entscheidend für die Frage, ob das Interimsabkommen in ein dauerhaftes Arrangement überführt werden kann.
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