
Sechs Tage nach den Beben: Über 1.700 Tote, Zehntausende vermisst
Die offizielle Opferzahl steigt weiter, während internationale Helfer gegen die Zeit und Hunderte Nachbeben ankämpfen – Satellitendaten deuten auf ein weit grösseres Zerstörungsausmass hin.
Sechs Tage nach den zwei schweren Erdstössen im Norden Venezuelas haben die Behörden die Zahl der bestätigten Todesopfer auf 1.719 erhöht. Nach Angaben des Präsidenten der Nationalversammlung, Jorge Rodríguez, wurden zudem 5.034 Verletzte registriert und 15.866 Menschen als obdachlos erfasst. Die Beben der Stärke 7,2 und 7,5 hatten am 24. Juni vor allem den Küstenstaat La Guaira und die Hauptstadt Caracas getroffen. Seither erschütterten über 500 Nachbeben die Region, darunter ein Stoss der Stärke 4,6 am Montag, der die Rettungsarbeiten kurzzeitig unterbrach.
Die Zahl der Vermissten bleibt ungewiss. Während die Vereinten Nationen von etwa 50.000 Verschollenen ausgehen, nennen venezolanische Stellen keine offizielle Zahl. Der UN-Koordinator in Venezuela, Gianluca Rampolla del Tindaro, erklärte, man habe mit der Regierung die Beschaffung von 10.000 Leichensäcken vereinbart, da mit einem weiteren Anstieg der Opferzahl zu rechnen sei. Die kritische 72-Stunden-Frist für die Ortung Überlebender ist überschritten, dennoch werden weiterhin Menschen lebend aus Trümmern geborgen – so ein 21-Jähriger, der nach 106 Stunden gerettet wurde.
Zum Zerstörungsausmass liegen widersprüchliche Angaben vor. Eine auf Radardaten des europäischen Satelliten Sentinel-1 gestützte Schnellanalyse von Forschern der Oregon State University, veröffentlicht von der NASA, schätzt, dass rund 58.870 Gebäude beschädigt oder zerstört sein könnten. Die venezolanische Regierung hingegen sprach am Montag von 855 inspizierten Bauwerken, von denen 189 vollständig eingestürzt seien. Die NASA betont, es handle sich um eine vorläufige, nicht im Gelände validierte Indikatoranalyse.
Die Weltgesundheitsorganisation (WHO) warnte unterdessen vor dem Ausbruch von Krankheiten. Wegen der bereits vor den Beben geringen Impfquote bestehe ein erhöhtes Risiko für Masern, Diphtherie und durch Vektoren übertragene Krankheiten wie Denguefieber. Laut WHO sind mindestens drei Gesundheitseinrichtungen schwer beschädigt, sechs weitere nur eingeschränkt funktionsfähig; die verbliebenen arbeiteten unter extremer Belastung. Mehr als 30 Staaten, darunter Brasilien, die USA, China und mehrere europäische Länder, haben über 2.000 Rettungskräfte und Hunderte Tonnen Hilfsgüter entsandt. Amerikanische Marines setzten den Hafen von La Guaira instand, um den Nachschub über See zu ermöglichen. Die Such- und Bergungsarbeiten dauern an.
| Indische & südasiatische Presse | +0.20 | neutral |
|---|---|---|
| Lateinamerikanische Presse | 0.00 | neutral |
The Venezuelan survivor tells her 48 hours under the rubble while the world ignores the catastrophe.
A mass catastrophe is reduced to a single survival story, making the news more accessible but obscuring the true scale of the disaster.
It omits the death toll of 1,700 and tens of thousands missing, as well as the earthquake's causes and the overall rescue operations.
Latin America ignores the earthquake in Venezuela, preferring to cover sports and domestic politics.
Not reporting the event amounts to denying its importance, shifting attention to local issues and reducing the visibility of the catastrophe.
It reports no information about the earthquake, neither the death toll nor rescue operations, despite geographic and cultural proximity.
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