
Südkoreas WM-Scheitern: Trainer Hong Myung-bo tritt zurück und verlässt das Land
Nach dem Vorrunden-Aus bei der WM 2026 tritt Trainer Hong Myung-bo zurück, sieht sich Morddrohungen ausgesetzt und reist in die USA, während der Verband um Schadensbegrenzung ringt.
Die südkoreanische Nationalmannschaft ist bei der Weltmeisterschaft 2026 bereits in der Gruppenphase gescheitert. Einem Auftaktsieg gegen Tschechien folgten Niederlagen gegen Mexiko und Südafrika; mit drei Punkten schied das Team als Gruppendritter aus. Bei der Rückkehr nach Seoul empfingen Hunderte aufgebrachte Anhänger die Mannschaft am Flughafen Incheon mit Trommeln und Sprechchören, auf Plakaten war zu lesen: „Der südkoreanische Fußball ist tot.“
Die Wut der Öffentlichkeit richtete sich vor allem gegen Trainer Hong Myung-bo. Der 57-Jährige, als Spieler eine Legende des südkoreanischen Fußballs, reichte unmittelbar nach dem Turnier seinen Rücktritt ein. Zwei Tage nach der Ankunft verließ er das Land in Richtung Los Angeles. Südkoreanische Medien berichteten, Hong habe zuvor Morddrohungen erhalten. Am Flughafen wich er Fragen dazu aus, dementierte jedoch Gerüchte über teaminterne Konflikte. Die politische Führung in Seoul griff den Fall auf: Präsident Lee Jae-myung nannte den Trainer öffentlich „inkompetent“ und forderte eine Untersuchung der Vorgänge. Aus Sicht des Präsidenten sei das Scheitern die direkte Folge einer Personalauswahl, bei der Loyalität über Kompetenz gestellt werde.
Der koreanische Fußballverband KFA entschuldigte sich in einer offiziellen Stellungnahme bei den Fans und kündigte eine umfassende Aufarbeitung an. Man werde die Kritik „demütig anhören“ und den Fußball des Landes neu ausrichten. Zugleich wies der Verband Spekulationen über undurchsichtige Abläufe als „vollständig falsch“ zurück. In südkoreanischen Medien und aus dem Umfeld ehemaliger Nationalspieler werden jedoch seit Langem Vorwürfe der Vetternwirtschaft erhoben. Park Joo-ho, Mitglied des zuständigen Komitees, hatte öffentlich gemacht, dass die Berufung Hongs nicht nach den vorgeschriebenen Verfahren erfolgt sei und andere Kandidaten wie Jesse Marsch übergangen worden seien. Beobachter in Seoul sehen darin ein strukturelles Problem, das über die Person des Trainers hinausweist.
Die KFA hat unterdessen erste Schritte für die Zukunft eingeleitet. Ein zuständiges Komitee tagte am 3. Juli und vereinbarte, verschiedene Optionen für die Nachfolge zu prüfen. Ziel sei es, die Vorbereitung auf die zweite Saisonhälfte der Liga A sowie auf die Asienmeisterschaft nicht zu gefährden. Parallel läuft die Frist für die Wahl eines neuen KFA-Präsidenten, die binnen 60 Tagen nach Vakanz erfolgen muss und mit den Statuten von FIFA und Nationalem Olympischem Komitee in Einklang zu bringen ist. Währenddessen fiel Südkorea in der FIFA-Weltrangliste auf Platz 32 zurück – den schlechtesten Wert seit vier Jahren –, während Rivale Japan auf Rang 17 kletterte. Die Suche nach einem neuen Cheftrainer wird damit zur entscheidenden Weichenstellung für eine Generation um Son Heung-min, Lee Kang-in und Kim Min-jae, deren WM-Ambitionen vorerst unerfüllt blieben.
Wie dieselbe Geschichte anderswo erzählt wird.
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Der südkoreanische Fußball liegt wegen eines korrupten Kartells im Verband in Trümmern, was zum WM-Scheitern und Massenprotesten führte. Der Verband entschuldigte sich und versprach einen neuen Trainer, doch das öffentliche Vertrauen ist zerstört.
Ein Psychodrama auf Koreanisch: Der Nationaltrainer wurde nach dem WM-Debakel mit Morddrohungen und einer Regierungsuntersuchung überzogen und floh schließlich in die USA. Die Affäre wird als exotische, fast theatralische Krise dargestellt, mit ironischer Distanz betrachtet.
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