
Stromausfälle in Georgien, Abchasien und Tunesien – Libanon warnt vor Zahlungsengpass
In mehreren Ländern der Mittelmeerregion und des Kaukasus kam es zu großflächigen Unterbrechungen der Stromversorgung, während in Beirut der Energieminister vor einer Zuspitzung der Krise warnte.
In der Nacht zum Donnerstag verloren weite Teile Georgiens und die gesamte abchasische Schwarzmeerküste die Stromversorgung. Betroffen waren nach Angaben lokaler Behörden die Hauptstadt Tiflis, Batumi, Kutaissi und weitere Städte. Auch in Tunesien dauern die seit Mitte Juli anhaltenden rollierenden Abschaltungen an; die staatliche Gesellschaft STEG kündigte für den heutigen Tag Unterbrechungen in mehr als 60 Verwaltungsbezirken und 26 Stadtteilen der Hauptstadt Tunis an.
Zur Ursache des Blackouts in Georgien liegen widersprüchliche Darstellungen vor. Das Energieministerium in Sochumi erklärte, eine Systemstörung am Inguri-Wasserkraftwerk – dessen Staumauer auf georgischem, die Schaltwarte auf abchasischem Gebiet liegt – habe die Netze beider Seiten zusammenbrechen lassen. Die georgische Staatsgesellschaft GSE hingegen verwies auf eine Havarie an einer Hochspannungsleitung, die das georgische mit dem türkischen Netz verbindet. Unabhängig bestätigt ist der abrupte Lastabfall: Messwerte zeigen einen Einbruch des landesweiten Verbrauchs von 1.860 Megawattstunden auf 563 Megawattstunden. In mehreren Bezirken von Tiflis kehrte die Versorgung nach rund einer Stunde schrittweise zurück; die vollständige Wiederherstellung war zunächst ungewiss.
In Tunesien speist sich die Krise aus einer finanziellen Schieflage des staatlichen Versorgers. Die Société Tunisienne de l'Électricité et du Gaz (STEG) bezifferte ihre Schulden im Juni vor dem Parlament auf über 7,3 Milliarden Dinar, während ausstehende Forderungen an den Staat und öffentliche Unternehmen sechs Milliarden Dinar überstiegen. Die Stromproduktion des Landes hängt zu mehr als 90 Prozent von importiertem Erdgas ab; erneuerbare Energien tragen lediglich rund sechs Prozent bei. Die derzeitige Hitzewelle mit Temperaturen von teils zehn Grad über dem saisonalen Mittel hat die Nachfrage auf einen Spitzenwert von 5.000 Megawatt getrieben – ein Anstieg um 30 Prozent. Präsident Kaïs Saïed sprach von „Versuchen, das Volk zu schikanieren“, ohne konkrete Verantwortliche zu benennen, und forderte eine sofortige Beendigung der unangekündigten Abschaltungen.
Aus Beirut warnte Energieminister Dschau as-Siddi nach einer Kabinettssitzung, die derzeitige Versorgung von sieben bis neun Stunden täglich sei nur aufrechtzuerhalten, wenn der Staat umgehend 50 Millionen Dollar monatlich an die hochverschuldete Elektrizitätsgesellschaft überweise. Die ausstehenden Verbindlichkeiten des Staates beliefen sich inzwischen auf 330 bis 340 Millionen Dollar. Andernfalls, so der Minister, werde er „die Art des Vorgehens überdenken und das tun, was ich für angemessen halte“. Die Regierung hatte eine zuvor vorgeschlagene Anpassung der Stromtarife an die Weltmarktpreise für Öl mit Verweis auf die angespannte wirtschaftliche und soziale Lage abgelehnt.
Die Vorfälle reihen sich in eine Serie von Versorgungsengpässen im Mittelmeerraum und im Kaukasus ein. Während Tunesien auf eine künftige Unterwasserleitung nach Italien (Elmed) setzt, die sich noch in der Projektphase befindet, bezieht das benachbarte Marokko regelmäßig zwischen 800 und 1.000 Megawatt aus Spanien. Algerien, das über eine installierte Leistung von mehr als 26.000 Megawatt verfügt, hatte nach einer Panne im Juli zeitweise weniger Strom nach Tunesien exportiert. In Georgien und Abchasien dauerten die Arbeiten zur vollständigen Netzwiederherstellung am Morgen an.
| Russische & GUS-Presse | −0.20 | neutral |
|---|---|---|
| Arabische Levante-Maghreb-Presse | −0.50 | critical |
| Kontinentaleuropäische Presse | 0.00 | neutral |
Moskau projiziert die Energieinstabilität Georgiens als Folge seiner Abhängigkeit von externer Infrastruktur und betont den separaten Status Abchasiens.
Die Erzählung stützt sich auf eine scheinbar neutrale technische Kausalität, aber die Hervorhebung der türkischen Leitung und der abchasischen Trennung projiziert ein Bild georgischer Fragilität.
Der Kontext der Schulden- und Finanzkrise, die andere Länder betrifft, wird ebenso ausgelassen wie die Rolle extremer Hitze.
Tunesien beschuldigt durch seinen Präsidenten dunkle Mächte des Sabotageakts für die Ausfälle und verwandelt eine technisch-finanzielle Krise in eine Verschwörung gegen das Volk.
Der Präsident personifiziert den Staat und gibt inneren Feinden die Schuld, lenkt die Aufmerksamkeit von der Verantwortung der STEG und dem Krisenmanagement ab.
Der Kontext des Blackouts in Georgien und Abchasien wird ausgelassen, der ein ähnliches Problem in anderen Regionen zeigt und die These der gezielten Verschwörung schwächt.
Europa betrachtet den Blackout in Georgien als technischen Vorfall, ohne politische Zuschreibungen oder Schuldzuweisungen, und behandelt ihn als universelles Ereignis.
Die Erzählung beschränkt sich auf nackte Fakten, vermeidet jede politische Interpretation oder breiteren Kontext und normalisiert das Ereignis als technischen Ausfall.
Die politischen Anschuldigungen des tunesischen Präsidenten und der Schuldenkontext werden ausgelassen, die die Nachricht hätten politisieren können.
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