Anmelden
Ausgabe von 16:00 CETSonntag, 5. Juli 2026
311 Quellen · 17 Sprachen793 Briefings heute
Wirtschaft & MärkteDonnerstag, 2. Juli 2026

Schweizer Bankenregulierung: SNB pocht auf Kapitalpolster, UBS widerspricht, Julius Baer vor Normalisierung

Die Schweizerische Nationalbank hält an strengen Eigenkapitalvorgaben für die UBS fest, während das Institut die Analyse als irreführend zurückweist und Julius Baer das Ende eines aufsichtsrechtlichen Verfahrens erwartet.

Die Schweizerische Nationalbank (SNB) hat in ihrem am Donnerstag veröffentlichten Finanzstabilitätsbericht bekräftigt, dass die UBS bereits heute über ausreichend Kapital verfüge, um die vom Bundesrat vorgeschlagenen strengeren Eigenmittelanforderungen zu erfüllen. Demnach übersteige das anrechenbare harte Kernkapital (CET1) der Grossbank die vollständig umgesetzten Vorgaben um 13 Milliarden Dollar, hinzu kämen Reserven von 9 Milliarden Dollar in der Schweizer Einheit. Die Forderung nach einer vollständigen Kapitalunterlegung der Auslandstöchter – von derzeit 60 auf 100 Prozent des Beteiligungswerts – sei eine verhältnismässige Massnahme, um das Klumpenrisiko nach der Credit-Suisse-Übernahme zu adressieren.

Die UBS wies diese Darstellung umgehend als irreführend zurück. In einer schriftlichen Stellungnahme warf das Institut der Notenbank eine unvollständige Analyse der Ursachen des CS-Kollapses sowie der Auswirkungen der Basel-III-Regeln vor. Die kumulative Wirkung der Vorschläge belaufe sich auf einen zusätzlichen Kapitalbedarf von rund 20 Milliarden Dollar und würde die Wettbewerbsfähigkeit sowohl im In- als auch im Ausland erheblich beeinträchtigen. Diese Einschätzung werde, so die UBS, von unabhängigen Beobachtern einschliesslich einer grossen Ratingagentur geteilt. Die SNB und die Finanzmarktaufsicht Finma halten dagegen an der Vollunterlegung fest; auch der Internationale Währungsfonds hat diesen Ansatz befürwortet.

Parallel dazu zeichnet sich bei Julius Baer eine Rückkehr zum Normalbetrieb ab. Nachdem das Institut infolge von Kreditverlusten in Höhe von 700 Millionen Dollar im Zusammenhang mit dem österreichischen Immobilienmagnaten René Benko tiefgreifende Restrukturierungen durchlief, steht das von der Finma eingeleitete Verfahren laut informierten Kreisen vor dem praktischen Abschluss. Mit dem formellen Ende der Untersuchung, das für das zweite Halbjahr erwartet wird, könnte das Institut auch das ausgesetzte Aktienrückkaufprogramm wieder aufnehmen. Die Bank hatte unter CEO Stefan Bollinger risikoreichere Geschäftsbereiche geschlossen, das Kreditbuch extern prüfen lassen und die Annahme politisch exponierter Personen vorübergehend gestoppt – eine Massnahme, die nun gelockert werden soll.

Die Debatte um die künftige Kapitalausstattung der UBS wird derweil im Parlament fortgeführt. Die zuständige Kommission wird im August erneut tagen und könnte formelle Vorschläge für eine Abmilderung der Regierungspläne vorlegen. Während in Bern die Lobbyarbeit der Grossbank zunehmend Gehör findet, bleibt der Grundkonsens bestehen, dass die Eigenmittelanforderungen über das heutige Niveau hinaus erhöht werden müssen. Der Ausgang des Gesetzgebungsverfahrens, das sich voraussichtlich bis ins nächste Jahr erstreckt, gilt als richtungsweisend für die künftige Stabilität des Schweizer Finanzplatzes.

Wie dieselbe Geschichte anderswo erzählt wird.

2 Mediengruppen · 3 Sprachen

15%
TonTemperaturFokusPositionierungHorizont
Lateinamerikanische PresseKontinentaleuropäische Presse
Lateinamerikanische Presse/ Markt
PragmatismusDistanz

Latin American media cover the Swiss bank story with detachment, focusing on economic and regulatory aspects. Julius Baer cautiously emerges from scandal, while UBS debates capital requirements. The tone is descriptive, without alarm.

Kontinentaleuropäische Presse/ DACH+
SkepsisPragmatismus

Die kontinentaleuropäischen Medien rahmen die Geschichte mit Skepsis gegenüber den Normalisierungsambitionen der Schweizer Banken. Julius Baer kommt aus dem Skandal, aber Governance-Zweifel bleiben; UBS bestreitet Kapitalanforderungen in einem Umfeld regulatorischer Unsicherheit. Die Analyse ist nüchtern und langfristig orientiert.

Erweitere deinen Horizont

Mehr lesen
Aktuell
Trump nutzt 250. Jahrestag der US-Unabhängigkeit für parteipolitische Botschaften·Nostalgie auf Leinwand und Dancefloor: Das Publikum sucht das Vertraute·Nach Waffentests auf Zerstörer Kang Kon: Kim Jong Un drängt auf zügige Indienststellung·Real Madrid verpflichtet Denzel Dumfries: Niederländischer Rechtsverteidiger für vier Jahre·Mbappé nach 1:0 gegen Paraguay: „Wir können auch schmutzigen Fußball spielen“·Nächste Gesprächsrunde zwischen USA und Iran für 11. Juli in Pakistan erwartet·Jemens Waffenstillstand gerät ins Wanken: Huthi-Offensive fordert 14 Tote·Israels Verkehrsministerin bestätigt: Iron Dome während Iran-Krieg in Emiraten stationiert·Trump nutzt 250. Jahrestag der US-Unabhängigkeit für parteipolitische Botschaften·Nostalgie auf Leinwand und Dancefloor: Das Publikum sucht das Vertraute·Nach Waffentests auf Zerstörer Kang Kon: Kim Jong Un drängt auf zügige Indienststellung·Real Madrid verpflichtet Denzel Dumfries: Niederländischer Rechtsverteidiger für vier Jahre·Mbappé nach 1:0 gegen Paraguay: „Wir können auch schmutzigen Fußball spielen“·Nächste Gesprächsrunde zwischen USA und Iran für 11. Juli in Pakistan erwartet·Jemens Waffenstillstand gerät ins Wanken: Huthi-Offensive fordert 14 Tote·Israels Verkehrsministerin bestätigt: Iron Dome während Iran-Krieg in Emiraten stationiert·
Akt. 22:393 Sprachen · 3 Quellen
VorherigerWirtschaft & MärkteNächster
3 Quellen|3 Sprachen|2 Min. Lesezeit
Donnerstag, 2. Juli 2026

Schweizer Bankenregulierung: SNB pocht auf Kapitalpolster, UBS widerspricht, Julius Baer vor Normalisierung

Die Schweizerische Nationalbank hält an strengen Eigenkapitalvorgaben für die UBS fest, während das Institut die Analyse als irreführend zurückweist und Julius Baer das Ende eines aufsichtsrechtlichen Verfahrens erwartet.

Die Schweizerische Nationalbank (SNB) hat in ihrem am Donnerstag veröffentlichten Finanzstabilitätsbericht bekräftigt, dass die UBS bereits heute über ausreichend Kapital verfüge, um die vom Bundesrat vorgeschlagenen strengeren Eigenmittelanforderungen zu erfüllen. Demnach übersteige das anrechenbare harte Kernkapital (CET1) der Grossbank die vollständig umgesetzten Vorgaben um 13 Milliarden Dollar, hinzu kämen Reserven von 9 Milliarden Dollar in der Schweizer Einheit. Die Forderung nach einer vollständigen Kapitalunterlegung der Auslandstöchter – von derzeit 60 auf 100 Prozent des Beteiligungswerts – sei eine verhältnismässige Massnahme, um das Klumpenrisiko nach der Credit-Suisse-Übernahme zu adressieren.

Die UBS wies diese Darstellung umgehend als irreführend zurück. In einer schriftlichen Stellungnahme warf das Institut der Notenbank eine unvollständige Analyse der Ursachen des CS-Kollapses sowie der Auswirkungen der Basel-III-Regeln vor. Die kumulative Wirkung der Vorschläge belaufe sich auf einen zusätzlichen Kapitalbedarf von rund 20 Milliarden Dollar und würde die Wettbewerbsfähigkeit sowohl im In- als auch im Ausland erheblich beeinträchtigen. Diese Einschätzung werde, so die UBS, von unabhängigen Beobachtern einschliesslich einer grossen Ratingagentur geteilt. Die SNB und die Finanzmarktaufsicht Finma halten dagegen an der Vollunterlegung fest; auch der Internationale Währungsfonds hat diesen Ansatz befürwortet.

Parallel dazu zeichnet sich bei Julius Baer eine Rückkehr zum Normalbetrieb ab. Nachdem das Institut infolge von Kreditverlusten in Höhe von 700 Millionen Dollar im Zusammenhang mit dem österreichischen Immobilienmagnaten René Benko tiefgreifende Restrukturierungen durchlief, steht das von der Finma eingeleitete Verfahren laut informierten Kreisen vor dem praktischen Abschluss. Mit dem formellen Ende der Untersuchung, das für das zweite Halbjahr erwartet wird, könnte das Institut auch das ausgesetzte Aktienrückkaufprogramm wieder aufnehmen. Die Bank hatte unter CEO Stefan Bollinger risikoreichere Geschäftsbereiche geschlossen, das Kreditbuch extern prüfen lassen und die Annahme politisch exponierter Personen vorübergehend gestoppt – eine Massnahme, die nun gelockert werden soll.

Die Debatte um die künftige Kapitalausstattung der UBS wird derweil im Parlament fortgeführt. Die zuständige Kommission wird im August erneut tagen und könnte formelle Vorschläge für eine Abmilderung der Regierungspläne vorlegen. Während in Bern die Lobbyarbeit der Grossbank zunehmend Gehör findet, bleibt der Grundkonsens bestehen, dass die Eigenmittelanforderungen über das heutige Niveau hinaus erhöht werden müssen. Der Ausgang des Gesetzgebungsverfahrens, das sich voraussichtlich bis ins nächste Jahr erstreckt, gilt als richtungsweisend für die künftige Stabilität des Schweizer Finanzplatzes.

Divergenz der Quellen

Wirtschaft & Märkte · 3 Quellen · 3 Sprachen

15%Niedrig

Wie stark die Quellen die gleichen Fakten unterschiedlich darstellen.

Wie sie sich aufteilen

Neutral100%

Wie dieselbe Geschichte anderswo erzählt wird.

2 Mediengruppen · 3 Sprachen

TonTemperaturFokusPositionierungHorizont
Lateinamerikanische PresseKontinentaleuropäische Presse
Lateinamerikanische Presse/ Markt
PragmatismusDistanz

Latin American media cover the Swiss bank story with detachment, focusing on economic and regulatory aspects. Julius Baer cautiously emerges from scandal, while UBS debates capital requirements. The tone is descriptive, without alarm.

Kontinentaleuropäische Presse/ DACH+
SkepsisPragmatismus

Die kontinentaleuropäischen Medien rahmen die Geschichte mit Skepsis gegenüber den Normalisierungsambitionen der Schweizer Banken. Julius Baer kommt aus dem Skandal, aber Governance-Zweifel bleiben; UBS bestreitet Kapitalanforderungen in einem Umfeld regulatorischer Unsicherheit. Die Analyse ist nüchtern und langfristig orientiert.

Diese Nachricht erschien in

3 Quellen · 3 Sprachen

Erweitere deinen Horizont

Aus Geopolitics & Politics

Irans Machtdemonstration: Das Staatsbegräbnis für Ali Khamenei als geopolitische Bühne

7 Sprachen · 34 Quellen

Aus Technology

Alibaba verbannt Claude Code – Eskalation im KI-Zugangskonflikt zwischen USA und China

4 Sprachen · 4 Quellen

Aus Science & Health

Chronischer Stress, Darmflora und das Herz: Was der Körper über die Psyche verrät

5 Sprachen · 11 Quellen

Mehr lesen