
Rückgang der Tötungsdelikte in Mexiko und Brasilien, aber neue Kriminalitätsformen nehmen zu
Während die Mordraten im Bundesstaat México und in Jacareí sinken, warnt die Versicherungswirtschaft vor steigenden Erpressungsfällen und Busraub.
Im zentralmexikanischen Bundesstaat México ist die Zahl der vorsätzlichen Tötungen binnen 21 Monaten um 58 Prozent zurückgegangen. Wie die mexikanische Bundesregierung mitteilte, sank der Tagesdurchschnitt von 6,6 auf 2,8 Fälle. Die Gouverneurin Delfina Gómez führte dies auf die täglichen Koordinierungssitzungen der drei Staatsebenen zurück. Zudem meldete Sicherheitsminister Omar García Harfuch die Festnahme von Alberto „El Virus“, einem mutmaßlichen Anführer einer kriminellen Organisation, der für Gewalt in mehreren Stadtbezirken von Mexiko-Stadt und Gemeinden des Bundesstaates verantwortlich gemacht wird.
Auch aus Brasilien werden Erfolge vermeldet: In Jacareí im Bundesstaat São Paulo registrierten die Behörden zwischen Januar und Mai 2026 mit drei Fällen die niedrigste Zahl an Tötungsdelikten seit einem Jahrzehnt. Laut dem Sicherheitssekretariat des Bundesstaates gingen im Vergleich zum Vorjahreszeitraum auch Diebstähle und Fahrzeugraube deutlich zurück. Die örtliche Stadtverwaltung verweist auf den Einsatz von Sicherheitsterminals und die engere Verzahnung von Polizei, Nationalgarde und Justiz.
In Kolumbien meldet das Departamento Cundinamarca als einziges des Landes einen Rückgang der Mordrate um 9,7 Prozent sowie einen Einbruch der Entführungen um 70 Prozent. Nach Angaben der Gouverneursverwaltung wurden zudem Delikte wie Geschäfts- und Wohnungseinbrüche sowie Viehdiebstahl spürbar reduziert. Die Behörden machen dafür den „Plan Candado“ verantwortlich, der permanente Kontrollen auf Hauptverkehrsachsen und gemeinsame Patrouillen vorsieht.
Diesen positiven Entwicklungen stehen in Mexiko jedoch neue Bedrohungen gegenüber. Der Versicherungsverband AMIS warnt vor einem Anstieg der sogenannten „Montachoques“ – Erpresser, die absichtlich Auffahrunfälle provozieren, um von unversicherten Autofahrern Bargeld zu erpressen. Im ersten Halbjahr 2026 sei die Zahl dieser Fälle im Valle de México um fünf bis zehn Prozent gestiegen. Gleichzeitig hat sich der Raub von Reisebussen nach Verbandszahlen auf 162 Einheiten mehr als verdoppelt, während der allgemeine Fahrzeugdiebstahl auf ein Fünfjahrestief sank. Die AMIS arbeitet nach eigenen Angaben mit den Behörden an der Identifikation von Brennpunkten.
Die vorliegenden Daten zeichnen ein uneinheitliches Bild der Sicherheitslage in der Region. Während klassische Gewaltdelikte in Teilen Mexikos, Brasiliens und Kolumbiens rückläufig sind, passen kriminelle Gruppen ihre Methoden an. Die Ermittlungen zu den Erpressungsnetzwerken dauern an, und die Behörden haben noch keine abschließenden Zahlen zu den Hintergründen der Busraube vorgelegt.
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