Anmelden
Ausgabe von 16:00 CETMittwoch, 24. Juni 2026
307 Quellen · 17 Sprachen1143 Briefings heute
Wirtschaft & MärkteDienstag, 23. Juni 2026

Rentenkommission empfiehlt Kapitalrente und längere Lebensarbeitszeit – Regierung will Paket geschlossen umsetzen

Bundeskanzler Merz und Arbeitsministerin Bas verpflichten sich auf die 33 Vorschläge der Alterssicherungskommission, die eine obligatorische Aktienrente nach schwedischem Vorbild, die Anhebung des Renteneintrittsalters und das Ende der Rente mit 63 vorsehen.

Am Dienstag hat die von der Bundesregierung eingesetzte Rentenkommission ihren Bericht mit 33 einstimmig beschlossenen Empfehlungen übergeben. Bundeskanzler Friedrich Merz (CDU) erklärte, „Scheitern ist keine Option“, und forderte, das gesamte Paket „zügig“ und ohne Abstriche umzusetzen. Arbeitsministerin Bärbel Bas (SPD) bezeichnete die Vorlage als „Gesamtkunstwerk“ und warnte vor einem „Rosinenpicken“. Damit ist der seit Monaten schwelende rentenpolitische Streit in der Koalition vorerst einem gemeinsamen Bekenntnis zu einer umfassenden Reform gewichen.

Das Kernstück bildet eine verpflichtende kapitalgedeckte Zusatzvorsorge innerhalb der gesetzlichen Rentenversicherung, angelehnt an das schwedische Modell des Staatsfonds AP7. Ein zusätzlicher Beitragssatz, beginnend bei 0,5 Prozent des Bruttolohns und ansteigend auf 2 Prozent, soll in individuelle Kapitalkonten fließen, die entweder über einen staatlichen Fonds – voraussichtlich den Kenfo – oder lizenzierte private Anbieter verwaltet werden. Flankiert wird dies von einer schrittweisen Anhebung des Renteneintrittsalters ab 2031, gekoppelt an die Lebenserwartung, der Abschaffung der abschlagsfreien „Rente mit 63“ sowie der Einbeziehung von Beamten und Selbständigen in die gesetzliche Rentenversicherung. Zudem soll der demografische Faktor wieder wirksam werden, um künftige Rentenerhöhungen zu dämpfen, wenn weniger Beitragszahler mehr Rentner versorgen müssen.

Merz räumte ein, dass die Integration der Kapitalrente in die erste Säule von seinen bisherigen Vorstellungen einer obligatorischen Betriebsrente abweiche, nannte den Vorschlag jedoch „genial“. Bas, die lange starre Haltelinien des Umlageverfahrens verteidigt hatte, unterstützt nun den Mischansatz. Widerstand formiert sich indes von mehreren Seiten: Der Deutsche Gewerkschaftsbund pocht auf eine arbeitgeberfinanzierte betriebliche Zusatzvorsorge außerhalb der Sozialversicherung, die Bundesvereinigung der Deutschen Arbeitgeberverbände warnt vor steigenden Lohnnebenkosten, und die Versicherungswirtschaft fürchtet um ihr Vorsorgegeschäft. Die Linkspartei sowie die Gewerkschaft Verdi kritisieren die längere Lebensarbeitszeit und das Ende der Frühverrentung als sozial unausgewogen.

Die Koalition verfügt im Bundestag nur über eine knappe Mehrheit. Beim Koalitionsausschuss am 1. Juli soll ein Zeitplan für die Umsetzung festgelegt werden. Die einstimmige Beschlussfassung der Kommission, der auch Abgeordnete von CDU, CSU und SPD angehörten, gilt als tragfähige Grundlage für das parlamentarische Verfahren. Ob es Merz gelingt, sich mit der Reform als durchsetzungsfähiger Kanzler zu profilieren und die getrübte Stimmung im Land zu drehen, wird sich an der Geschlossenheit der Regierungsfraktionen in den kommenden Monaten erweisen.

Wie dieselbe Geschichte anderswo erzählt wird.

2 Mediengruppen · 1 Sprachen

28%
TonTemperaturFokusPositionierungHorizont
Kontinentaleuropäische PresseLateinamerikanische Presse
Kontinentaleuropäische Presse/ DACH+
AlarmSkepsisPragmatismus

Deutsche Medien rahmen die Rentenreform als historische Wende: Die Kommission empfiehlt eine kapitalgedeckte Säule nach schwedischem Vorbild, die Anhebung des Rentenalters auf 70 und die Abschaffung von Minijobs. Bundeskanzler Merz verspricht die vollständige Umsetzung des Pakets trotz starken Widerstands von Gewerkschaften und Arbeitgebern.

Lateinamerikanische Presse/ Markt
PragmatismusDistanz

Die deutsche Reform kommt nicht vor; stattdessen diskutiert eine brasilianische Radiosendung, ob ein privater Pensionsfonds oder eine Staatsanleihe für die Rente besser geeignet ist, und hebt langfristige Steuervorteile hervor. Das Thema wird als individuelle Finanzentscheidung fernab der deutschen Politik eingeordnet.

Verwandte Artikel

Mehr lesen
Aktuell
Das unsichtbare Scheinwerferlicht: Vom Gefühl, ständig beobachtet zu werden, zur stillen Selbstgewissheit·KI-Rechenzentren verdoppeln Strombedarf – Experten mahnen zu maßvollem Einsatz·Das weinende Kamel und der bettelnde Roboter: Virale Augenblicke aus China·Ein Augenblick in der Kathedrale: J.D. Vances Bekehrung und die Körper der Öffentlichkeit·Chinesische Autobauer erreichen 10,6 Prozent Marktanteil in Europa – Brüssel erwägt Zölle·Die Sterne über Jakarta, Buenos Aires und Berlin: Ein Tag im Zeichen der Astrologie·Rutte wirbt bei Trump, E5-Staaten suchen in Berlin gemeinsame Linie vor NATO-Gipfel·SK Hynix plant 29-Milliarden-Dollar-Listing an der Nasdaq·Das unsichtbare Scheinwerferlicht: Vom Gefühl, ständig beobachtet zu werden, zur stillen Selbstgewissheit·KI-Rechenzentren verdoppeln Strombedarf – Experten mahnen zu maßvollem Einsatz·Das weinende Kamel und der bettelnde Roboter: Virale Augenblicke aus China·Ein Augenblick in der Kathedrale: J.D. Vances Bekehrung und die Körper der Öffentlichkeit·Chinesische Autobauer erreichen 10,6 Prozent Marktanteil in Europa – Brüssel erwägt Zölle·Die Sterne über Jakarta, Buenos Aires und Berlin: Ein Tag im Zeichen der Astrologie·Rutte wirbt bei Trump, E5-Staaten suchen in Berlin gemeinsame Linie vor NATO-Gipfel·SK Hynix plant 29-Milliarden-Dollar-Listing an der Nasdaq·
Akt. 18:401 Sprache · 1 Quelle
VorherigerWirtschaft & MärkteNächster
1 Quelle|1 Sprache|2 Min. Lesezeit
Dienstag, 23. Juni 2026

Rentenkommission empfiehlt Kapitalrente und längere Lebensarbeitszeit – Regierung will Paket geschlossen umsetzen

Bundeskanzler Merz und Arbeitsministerin Bas verpflichten sich auf die 33 Vorschläge der Alterssicherungskommission, die eine obligatorische Aktienrente nach schwedischem Vorbild, die Anhebung des Renteneintrittsalters und das Ende der Rente mit 63 vorsehen.

Am Dienstag hat die von der Bundesregierung eingesetzte Rentenkommission ihren Bericht mit 33 einstimmig beschlossenen Empfehlungen übergeben. Bundeskanzler Friedrich Merz (CDU) erklärte, „Scheitern ist keine Option“, und forderte, das gesamte Paket „zügig“ und ohne Abstriche umzusetzen. Arbeitsministerin Bärbel Bas (SPD) bezeichnete die Vorlage als „Gesamtkunstwerk“ und warnte vor einem „Rosinenpicken“. Damit ist der seit Monaten schwelende rentenpolitische Streit in der Koalition vorerst einem gemeinsamen Bekenntnis zu einer umfassenden Reform gewichen.

Das Kernstück bildet eine verpflichtende kapitalgedeckte Zusatzvorsorge innerhalb der gesetzlichen Rentenversicherung, angelehnt an das schwedische Modell des Staatsfonds AP7. Ein zusätzlicher Beitragssatz, beginnend bei 0,5 Prozent des Bruttolohns und ansteigend auf 2 Prozent, soll in individuelle Kapitalkonten fließen, die entweder über einen staatlichen Fonds – voraussichtlich den Kenfo – oder lizenzierte private Anbieter verwaltet werden. Flankiert wird dies von einer schrittweisen Anhebung des Renteneintrittsalters ab 2031, gekoppelt an die Lebenserwartung, der Abschaffung der abschlagsfreien „Rente mit 63“ sowie der Einbeziehung von Beamten und Selbständigen in die gesetzliche Rentenversicherung. Zudem soll der demografische Faktor wieder wirksam werden, um künftige Rentenerhöhungen zu dämpfen, wenn weniger Beitragszahler mehr Rentner versorgen müssen.

Merz räumte ein, dass die Integration der Kapitalrente in die erste Säule von seinen bisherigen Vorstellungen einer obligatorischen Betriebsrente abweiche, nannte den Vorschlag jedoch „genial“. Bas, die lange starre Haltelinien des Umlageverfahrens verteidigt hatte, unterstützt nun den Mischansatz. Widerstand formiert sich indes von mehreren Seiten: Der Deutsche Gewerkschaftsbund pocht auf eine arbeitgeberfinanzierte betriebliche Zusatzvorsorge außerhalb der Sozialversicherung, die Bundesvereinigung der Deutschen Arbeitgeberverbände warnt vor steigenden Lohnnebenkosten, und die Versicherungswirtschaft fürchtet um ihr Vorsorgegeschäft. Die Linkspartei sowie die Gewerkschaft Verdi kritisieren die längere Lebensarbeitszeit und das Ende der Frühverrentung als sozial unausgewogen.

Die Koalition verfügt im Bundestag nur über eine knappe Mehrheit. Beim Koalitionsausschuss am 1. Juli soll ein Zeitplan für die Umsetzung festgelegt werden. Die einstimmige Beschlussfassung der Kommission, der auch Abgeordnete von CDU, CSU und SPD angehörten, gilt als tragfähige Grundlage für das parlamentarische Verfahren. Ob es Merz gelingt, sich mit der Reform als durchsetzungsfähiger Kanzler zu profilieren und die getrübte Stimmung im Land zu drehen, wird sich an der Geschlossenheit der Regierungsfraktionen in den kommenden Monaten erweisen.

Divergenz der Quellen

Wirtschaft & Märkte · 1 Quelle · 1 Sprache

28%Mittel

Wie stark die Quellen die gleichen Fakten unterschiedlich darstellen.

Wie sie sich aufteilen

Neutral17%
Kritisch83%

Wie dieselbe Geschichte anderswo erzählt wird.

2 Mediengruppen · 1 Sprachen

TonTemperaturFokusPositionierungHorizont
Kontinentaleuropäische PresseLateinamerikanische Presse
Kontinentaleuropäische Presse/ DACH+
AlarmSkepsisPragmatismus

Deutsche Medien rahmen die Rentenreform als historische Wende: Die Kommission empfiehlt eine kapitalgedeckte Säule nach schwedischem Vorbild, die Anhebung des Rentenalters auf 70 und die Abschaffung von Minijobs. Bundeskanzler Merz verspricht die vollständige Umsetzung des Pakets trotz starken Widerstands von Gewerkschaften und Arbeitgebern.

Lateinamerikanische Presse/ Markt
PragmatismusDistanz

Die deutsche Reform kommt nicht vor; stattdessen diskutiert eine brasilianische Radiosendung, ob ein privater Pensionsfonds oder eine Staatsanleihe für die Rente besser geeignet ist, und hebt langfristige Steuervorteile hervor. Das Thema wird als individuelle Finanzentscheidung fernab der deutschen Politik eingeordnet.

Diese Nachricht erschien in

1 Quelle · 1 Sprache

Verwandte Artikel

Kriminalität & Katastrophen

Mindestens 40 Ertrunkene in Frankreich – Europa ächzt unter Rekordhitze

11 Sprachen · 44 Quellen

Wissenschaft & Gesundheit

Frankreich bestätigt ersten Ebola-Fall – Arzt aus humanitärer Mission in DR Kongo infiziert

6 Sprachen · 35 Quellen

Geopolitik & Politik

Iran bezeichnet Waffenstillstandsabkommen als „Niederlage Amerikas“ – Rubio auf Reise zu verunsicherten Golfpartnern

7 Sprachen · 17 Quellen

Mehr lesen