
Pjöngjang testet modernisierte Langstreckenwaffen – Kim Jong-un bekräftigt offensiven Abschreckungskurs
Die Waffentests mit vergrößerter Reichweite zielen auf Ziele in Südkorea; parallel vertieft sich der Riss zwischen Seoul und dem UN-Kommando über die Bewertung nordkoreanischer Grenzbefestigungen.
Nordkorea hat am 25. Juni nach Angaben der staatlichen Nachrichtenagentur KCNA eine Reihe modernisierter Waffensysteme getestet, darunter ein auf 90 Kilometer Reichweite und autonome Präzisionslenkung aufgerüstetes 240-mm-Mehrfachraketenwerfersystem, einen Gefechtskopf für taktische ballistische Raketen sowie reichweitengesteigerte 155-mm-Artilleriegranaten. Machthaber Kim Jong-un, der den Tests beiwohnte, sprach von einer „tödlichen und zerstörerischen Offensivhaltung“, die den Gegner von einer Konfrontation abhalten solle, und bezeichnete das Schüren ständiger Unruhe und Furcht als wesentlichen Bestandteil der Kriegsabschreckung. Die Erprobung des als „Spezialauftrag“ deklarierten Gefechtskopfs wird in Fachkreisen als Test einer nuklearen oder anderen massenvernichtenden Nutzlast gewertet, die auf Flugplätze, Häfen und Energieanlagen des Gegners zielt.
Aus südkoreanischer Sicht verschärfen die Tests die ohnehin angespannte Sicherheitslage. Das Verteidigungsministerium in Seoul kündigte an, bis 2029 insgesamt 110.000 Drohnen zu produzieren, über 20.000 Kamikaze-Drohnen zu beschaffen und 500.000 Drohnenoperateure auszubilden. Begründet wird dies mit der veränderten Kriegsführung, in der unbemannte Systeme nach Einschätzung südkoreanischer Militärs bis zu 80 Prozent der Feueraufgaben übernehmen könnten. Gleichzeitig vertieft sich ein Dissens mit dem UN-Kommando (UNC): Während Seoul die nordkoreanischen Grenzbefestigungen als klaren Verstoß gegen das Waffenstillstandsabkommen wertet, stellt das UNC in einer Stellungnahme fest, die Bauarbeiten fänden auf der nördlichen Seite der militärischen Demarkationslinie statt und stellten keine Verletzung dar. Beobachter in Washington und Seoul sehen darin ein Anzeichen für unterschiedliche Auffassungen über die künftige Rolle der US-Streitkräfte in Korea.
Die militärische Demonstration Pjöngjangs fällt in eine Phase neu gewonnener außenpolitischer Bewegungsfreiheit. Nach dem Besuch des chinesischen Staatspräsidenten Xi Jinping Anfang Juni fehlte in den Pekinger Verlautbarungen jeder Hinweis auf eine Denuklearisierung – ein Bruch mit der Linie von 2019. Russland hat den nuklearen Kurs Nordkoreas nach Darstellung westlicher Analysten faktisch akzeptiert und liefert im Gegenzug für nordkoreanische Soldaten und Munition für den Ukraine-Krieg technisches Wissen, Waffen und Lebensmittel unter Umgehung von UN-Sanktionen. Diese Konkurrenz zwischen Peking und Moskau um Einfluss in Pjöngjang erlaubt es Kim Jong-un, Zugeständnisse auszuhandeln und seine Abhängigkeit von China zu verringern, während die Bevölkerung die Kosten der Allianz mit Russland in Form von Gefallenen und wirtschaftlicher Härte trägt.
Die erprobten Systeme können von Stellungen nahe der innerkoreanischen Grenze aus die Metropolregion Seoul erreichen. Die südkoreanische Regierung unter Präsident Lee Jae-myung erörterte die Lage am Rande des G7-Gipfels in Frankreich mit US-Präsident Donald Trump, der laut südkoreanischen Angaben erklärte, es sei an der Zeit, sich dem Nordkorea-Problem zuzuwenden. Pjöngjang lehnt Gespräche mit Seoul und Washington weiterhin ab, solange die Forderung nach Denuklearisierung als Vorbedingung aufrechterhalten wird. Mit der Indienststellung des ersten modernen Zerstörers „Choe Hyon“ und der angekündigten raschen Stationierung der neuen Artilleriesysteme entlang der Südgrenze ist eine weitere militärische Verdichtung auf der Halbinsel absehbar, während diplomatische Kanäle blockiert bleiben.
Wie dieselbe Geschichte anderswo erzählt wird.
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Nordkoreas jüngste Waffentests unterstreichen das Streben nach einer 'tödlichen und zerstörerischen' Offensivfähigkeit, wobei Kim Jong Un die Starts persönlich überwachte. Die Zurschaustellung, nur wenige Tage nach der Indienststellung des ersten Zerstörers, signalisiert eine beschleunigte militärische Aufrüstung, die die regionalen Sicherheitssorgen verschärft.
Nordkoreas Grenzbefestigungen haben einen Riss zwischen Seoul und dem UN-Kommando offengelegt, wobei letzteres sich weigert, sie als Waffenstillstandsverletzung einzustufen. Der Streit erstreckt sich auf Meinungsverschiedenheiten über den Zugang zur entmilitarisierten Zone und die künftige Rolle der US-Streitkräfte, was Fehlausrichtungen zwischen Südkorea und Washington über den Hauptzweck der amerikanischen Truppenpräsenz offenbart.
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