
Hegseth kündigt sechsmonatige Überprüfung der US-Truppenpräsenz in Europa an
Der amerikanische Verteidigungsminister verlangt von den NATO-Partnern eine rasche Übernahme der konventionellen Verteidigung Europas und spricht von einer «NATO 3.0».
Mit ungewöhnlich scharfen Worten hat US-Verteidigungsminister Pete Hegseth am Donnerstag beim Treffen der NATO-Verteidigungsminister in Brüssel eine grundlegende Neuausrichtung des Bündnisses gefordert und eine sechsmonatige Überprüfung der amerikanischen Truppenstationierung in Europa angekündigt. «Dies wird eine echte Überprüfung», sagte Hegseth, «bei der einige Länder durchfallen und andere mit Bravour bestehen werden.» Ziel sei es, die Allianz «schnell und unumkehrbar» in eine Struktur zu überführen, in der Europa die Hauptverantwortung für die eigene konventionelle Verteidigung übernimmt. Zugleich skizzierte der Pentagon-Chef die Vision einer «NATO 3.0» – einer Rückbesinnung auf einen «wirklich harten Militärpakt» mit abschreckungsfähigen Fähigkeiten, nach Jahrzehnten, in denen sich die Organisation aus Washingtoner Sicht zu einem «Papiertiger» entwickelt habe.
Hegseths Auftritt markiert eine weitere Eskalation im transatlantischen Tonfall. Er warf europäischen Verbündeten vor, den USA während des Krieges gegen Iran den Zugang zu Stützpunkten und Überflugrechte verweigert zu haben – ein Verhalten, das er als «beschämend» bezeichnete und das amerikanische Soldaten «unnötigen Risiken» ausgesetzt habe. Die Ankündigung der Truppenüberprüfung reiht sich ein in eine Serie von Druckmassnahmen der Trump-Administration: Bereits im Mai hatten die USA den Abzug von 5.000 Soldaten aus Deutschland offiziell bestätigt, und Hegseth bekräftigte nun, dass künftige amerikanische Beiträge an die Bereitschaft der Partner gekoppelt würden, das beim Gipfel in Den Haag vereinbarte Ziel von fünf Prozent des Bruttoinlandsprodukts für Verteidigungsausgaben glaubwürdig zu erreichen. «Die Ära des Trittbrettfahrens ist vorbei», lautete die Botschaft an die reicheren Volkswirtschaften des Bündnisses, die aus amerikanischer Perspektive jahrelang von der US-Sicherheitsgarantie profitiert hätten, ohne selbst ausreichend zu investieren.
Die Reaktionen in Europa offenbaren das ganze Spektrum zwischen Verständnis und Verärgerung. NATO-Generalsekretär Mark Rutte sprach von der «grössten Transformation in der Geschichte» des Bündnisses und verwies darauf, dass die europäischen Partner und Kanada ihre Verteidigungsausgaben 2025 bereits um 139 Milliarden Dollar gesteigert hätten. Gleichwohl mahnte er «gewaltige Anstrengungen» an. Der deutsche Verteidigungsminister Boris Pistorius warnte vor «gefährlichen» Fähigkeitslücken und forderte enge Absprachen, während der italienische Ressortchef Guido Crosetto unmissverständlich erklärte, wer in der Allianz bleiben wolle, müsse die eingegangenen Verpflichtungen erfüllen – «sonst ist man draussen». In Moskau wiederum sieht man durch die Entwicklung die eigene Skepsis bestätigt: Der Duma-Abgeordnete Andrej Kolesnik äusserte, gute Beziehungen zur NATO habe es nie gegeben, und prognostizierte, dass die wirtschaftlich geschwächten europäischen Staaten nun unter der Last höherer Rüstungsausgaben leiden würden.
Die kommenden sechs Monate dürften zu einer Belastungsprobe für den Zusammenhalt der Allianz werden. Die von Hegseth angekündigte Überprüfung wird nicht nur die Stationierung von Truppen, sondern auch die politische Verlässlichkeit der Bündnispartner neu vermessen. Sollte Washington tatsächlich weitere Kontingente aus Europa abziehen oder die Beteiligung an schnellen Eingreiftruppen reduzieren, stünde der Kontinent vor der Herausforderung, die entstehenden Lücken aus eigener Kraft zu schliessen – ein Unterfangen, das angesichts knapper Kassen und unterschiedlicher Bedrohungswahrnehmungen innerhalb der EU alles andere als gesichert ist. Die von Hegseth beschworene «NATO 3.0» könnte sich so weniger als gemeinsames Zukunftsprojekt denn als Chiffre für eine schleichende amerikanische Abkehr von der europäischen Sicherheitsarchitektur erweisen.
Wie dieselbe Geschichte anderswo erzählt wird.
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Der US-Verteidigungsminister kritisierte die europäischen NATO-Mitglieder scharf dafür, dass sie die Verteidigungsausgabenziele nicht erreichen, und kündigte eine sechsmonatige Überprüfung der amerikanischen Streitkräfte in Europa an. Die Überprüfung soll den Übergang zu einer europäischen Führung in der kontinentalen Verteidigung beschleunigen, genannt 'NATO 3.0'. Die Botschaft lautet, dass Washington ohne gegenseitige Verpflichtung nicht länger die Hauptlast der europäischen Sicherheit tragen wird.
Der US-Verteidigungsminister, als 'Kriegsminister' bezeichnet, forderte Europa auf, seine eigene Verteidigung zu übernehmen, und kündigte eine Überprüfung der amerikanischen Truppenstationierung an. Das Konzept 'Nato 3.0' wird als Ultimatum gesehen, das die europäischen Nationen zwingt, ihre militärischen Fähigkeiten rasch auszubauen. Es gibt Befürchtungen, dass dies die US-Sicherheitsgarantie schwächen und neue Risiken für den Kontinent schaffen könnte.
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