
Pekings diplomatische Offensive: Bangladesch-Besuch und Halbleiterpakt als Bausteine einer multipolaren Ordnung
Während Bangladeschs neuer Premierminister in Peking 13 Abkommen unterzeichnet, vertieft Taiwan seine Halbleiterkooperation mit Indien – und in Europa rücken undurchsichtige China-Kontakte ins Visier der Justiz.
Der viertägige Staatsbesuch des bangladeschischen Premierministers Tarique Rahman in Peking hat am Freitag mit einer Kranzniederlegung am Tiananmen-Platz und einem Treffen mit Staatspräsident Xi Jinping seinen Abschluss gefunden. Laut offiziellen bangladeschischen Angaben wurden im Beisein von Ministerpräsident Li Qiang 13 Absichtserklärungen unterzeichnet, die von Investitionsförderung über grüne Entwicklung bis zur Zusammenarbeit in der Berufsbildung reichen. Bangladesch trat zudem der von Xi initiierten Globalen Entwicklungsinitiative (GDI) bei. Ein separates Memorandum zwischen der regierenden Bangladesh Nationalist Party (BNP) und der Kommunistischen Partei Chinas unterstreicht aus Sicht Beobachter in Dhaka die politische Dimension der Annäherung.
Aus Pekinger Perspektive fügt sich der Besuch in eine dichte Abfolge hochrangiger Begegnungen ein. Wie die britische Zeitung The Guardian unter Berufung auf Analysten der International Crisis Group berichtet, hat Xi Jinping in diesem Jahr bereits mehr als ein Dutzend Staats- und Regierungschefs empfangen – darunter die Präsidenten der USA und Russlands sowie den britischen Premierminister. Der chinesische Staatschef hatte erst vor zwei Wochen Myanmars Militärchef Min Aung Hlaing mit allen Ehren willkommen geheißen und damit nach Einschätzung des Singapurer Politikwissenschaftlers Ja Ian Chong die faktische Anerkennung der umstrittenen Herrschaft signalisiert. Diese Praxis der Nichteinmischung, so Steve Tsang von der Londoner Soas-Universität gegenüber dem Guardian, sei Teil eines umfassenderen Projekts, die internationale Ordnung zugunsten des Globalen Südens und unter chinesischer Führung zu verschieben.
Parallel zu dieser diplomatischen Charmeoffensive verdichten sich die wirtschaftlichen Verflechtungen in der Region. Ein trilateraler Halbleiter-Forschungsvertrag zwischen dem Chennai Institute of Technology, der taiwanischen National Formosa University und dem Unternehmen AGEM Technology, über den die indische Zeitung The Hindu berichtet, gilt als erste Kooperation dieser Art zwischen Taiwan und Südindien. Aus taiwanischer Sicht dient die Vereinbarung der Erschließung des indischen Marktes und der Diversifizierung der Lieferketten, während Indien seine einheimische Chipindustrie stärken will. In Europa wiederum lenkt ein spanisches Gerichtsverfahren die Aufmerksamkeit auf die informellen Kanäle chinesischer Einflussnahme. Wie El Mundo dokumentiert, zeigen Ermittlungen gegen den ehemaligen Ministerpräsidenten José Luis Rodríguez Zapatero, dass dessen häufige Chinareisen weit über Vortragstätigkeiten hinausgingen und Treffen mit Parteifunktionären, Botschaftsvertretern und Konzernlenkern wie dem Europa-Chef von Huawei umfassten. Für Berlin, Wien und Bern, die allesamt intensive Handelsbeziehungen zu China unterhalten, wirft der Fall nach Darstellung europäischer Diplomaten die Frage nach der Transparenz solcher Nebentätigkeiten auf.
Die außenpolitische Aktivität ruht auf einem innenpolitisch abgesicherten Fundament. Während Xi Jinping in der Provinz Shandong die Rekordernte inspizierte, präsentierte das chinesische Staatsfernsehen CGTN die Digitalisierung der Getreidevermarktung und das „Dunbanliang“-Programm zur Ertragssteigerung als Belege für die Modernisierung der Landwirtschaft. Die Fähigkeit, die Ernährungssicherheit aus eigener Kraft zu gewährleisten, gilt in Peking als Voraussetzung für den globalen Führungsanspruch. Der bangladeschische Premierminister ist inzwischen nach Dhaka zurückgekehrt; die nächsten hochrangigen Besucher in Peking werden nach Einschätzung regionaler Beobachter nicht lange auf sich warten lassen.
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Der Besuch in Peking und der Halbleiterpakt werden als jüngster Vorstoß einer aggressiven diplomatischen Offensive dargestellt, die darauf abzielt, den chinesischen Einfluss in Südasien auszuweiten und die von den USA geführte Ordnung herauszufordern. Hinter der Entwicklungsrhetorik werden die Abkommen als Versuch gesehen, technologische Abhängigkeiten zu schaffen und die Kontrolle über kritische Lieferketten zu übernehmen. Die gesamte Operation wird als Baustein einer langfristigen Strategie eingeordnet, die globalen Machtverhältnisse zugunsten Pekings neu zu gestalten.
Der Besuch des bangladeschischen Premierministers und der Halbleiterpakt markieren ein neues Kapitel der Win-Win-Kooperation und tragen zum Aufbau einer gerechteren multipolaren Ordnung bei. Die Abkommen werden Entwicklung und technologische Eigenständigkeit fördern und Chinas Engagement für gemeinsamen Wohlstand unter Beweis stellen. Dieser diplomatische Erfolg verkörpert die Vision einer Gemeinschaft mit einer gemeinsamen Zukunft und festigt Pekings Rolle als verlässlicher Partner für den globalen Süden.
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