
Nach Berufungsurteil: Marine Le Pen startet Kampagne und dominiert Umfragen – doch interne Risse werden sichtbar
Die französische Rechtspopulistin hat nach der Wiedererlangung ihrer Wählbarkeit ihre Kandidatur erklärt und führt in allen Stichwahlkonstellationen, während ihr designierter Nachfolger Bardella in die zweite Reihe rückt und rechts von ihr eine wirtschaftsliberale Konkurrenz erwächst.
Die Vorsitzende des Rassemblement National (RN), Marine Le Pen, hat am Dienstag unmittelbar nach der Berufungsverhandlung in Paris ihre vierte Präsidentschaftskandidatur offiziell gemacht. Das Gericht hatte zuvor die im März 2025 verhängte fünfjährige Unwählbarkeitsstrafe in eine dreißigmonatige Bewährungsstrafe umgewandelt und damit den Weg für eine erneute Kandidatur frei gemacht. Unter dem Slogan «Für Frankreich – die Wiedergeburt» und mit einem bereits vorbereiteten Wahlplakat in christlicher Bildsprache inszenierte Le Pen ihren politischen Neuanfang. Der bisherige Parteivorsitzende Jordan Bardella, noch vor Tagen als Ersatzkandidat gehandelt, wurde demonstrativ auf die Rückbank der Limousine verwiesen und soll künftig als Premierministerkandidat fungieren. Le Pens Nichte Nolwenn übernimmt die Funktion der Kampagnensprecherin, die vormals zu Éric Zemmour abgewanderte Nichte Marion Maréchal kehrt in den Familienbetrieb zurück – ein Vorgang, den französische Kommentatoren mit dem Le-Pen-Motto «Blut ist dicker als Wasser» kommentieren.
Innerhalb des nationalpopulistischen Lagers treten damit sachliche und personelle Spannungen offen zutage. Die Europaabgeordnete Sarah Knafo von der konkurrierenden Partei Reconquête! (Zemmour) erklärte in einem Interview mit Le Parisien, die wirtschaftspolitischen Vorstellungen Le Pens seien «radikal verschieden» von den ihren, und verwies auf deren Zustimmung zu Steuererhöhungen im Umfang von 43 Milliarden Euro sowie auf ihre Ablehnung des argentinischen Reformpräsidenten Milei. Zugleich deutete Knafo an, Bardellas unternehmerfreundlicher Kurs rücke nun «von der Bühne in die Kulissen». Diese Einschätzung spiegelt eine in französischen Wirtschaftskreisen verbreitete Wahrnehmung wider, wonach Bardella in seiner fast zweijährigen Regentschaft den RN schrittweise für konservative Wähler und Teile des Bürgertums geöffnet hatte. Mit Le Pens Rückkehr an die Spitze wird eine Rückbesinnung auf einen sozialpopulistischen, staatsinterventionistischen Kurs erwartet.
Das linke und das liberale Lager reagieren mit eigenen Initiativen. Ségolène Royal, sozialistische Präsidentschaftskandidatin von 2007, erklärte am Freitag ihre Teilnahme an der Vorwahl der Partei und begründete dies mit der drohenden Wahl einer Rechtspopulistin zur ersten Präsidentin Frankreichs. Sie kündigte einen «gerechten Ordre» in der Wirtschafts-, Sozial- und Umweltpolitik an und berief sich auf eine gaullistisch-mitterrand’sche Tradition französischer Vermittlungsdiplomatie. Eine aktuelle Elabe-Umfrage sieht Le Pen jedoch unverändert mit 34 bis 35,5 Prozent im ersten Wahlgang vorne, während Édouard Philippe (Horizons) und Jean-Luc Mélenchon (La France insoumise) bei 14 bis 16,5 Prozent um den Einzug in die Stichwahl kämpfen. In allen getesteten Zweitrundenszenarien – gegen Philippe (52 zu 48 Prozent) wie gegen Mélenchon (67,5 zu 32,5 Prozent) – geht Le Pen als Siegerin hervor.
Rechtlich ist der Vorgang noch nicht abgeschlossen. Zwar hat das Berufungsgericht die Unwählbarkeit beseitigt, doch die parallel verhängte einjährige Haftstrafe mit elektronischer Fußfessel ist durch den von Le Pen eingelegten Kassationsantrag bis auf Weiteres suspendiert. Die Cour de cassation hat angekündigt, möglichst vor dem ersten Wahlgang am 18. April 2027 zu entscheiden, was nach Ansicht von Knafo die Kampagne «in die Hand richterlicher Unwägbarkeiten» lege. Le Pen selbst bezeichnete die Vorstellung einer erneuten gerichtlichen Störung ihrer Kandidatur als «irrealistisch» und betont, sie sei wählbar und als Berufungsklägerin als unschuldig zu gelten. In Pariser Justizkreisen wird indes darauf hingewiesen, dass das Gericht die Strafaussetzung bewusst so bemessen habe, dass die Ineligibilität ein Jahr vor der Wahl ende – ein Kompromiss, der aus Sicht von Rechtskritikern die Grenzen zwischen juristischer Logik und politischer Rücksichtnahme verwischt.
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Marine Le Pen ist die moralische und politische Gewinnerin des Urteils, bereit, den Élysée-Palast zu erobern.
Die Erzählung betont Umfragen und Glaubwürdigkeit und stellt die Verurteilung als technisches Detail dar, um ein Bild der Unvermeidlichkeit zu schaffen.
Die Veruntreuung von EU-Geldern und die dreijährige Haftstrafe werden nicht erwähnt, um den Triumph nicht zu trüben.
Die französische Justiz hat einer Verurteilten erlaubt, zu kandidieren, was einen gefährlichen Präzedenzfall schafft.
Der Widerspruch zwischen der strafrechtlichen Verurteilung und der Möglichkeit der Kandidatur wird hervorgehoben, wobei die Details der Strafe genutzt werden, um die Legitimität ihrer Kandidatur zu untergraben.
Positive Umfragedaten und die Siegeserzählung werden weggelassen, um den Fokus auf die Verurteilung zu halten.
Jordan Bardella ist der wahre Verlierer des Urteils, gezwungen, seine Ambitionen aufzuschieben.
Die Erzählung konzentriert sich auf persönliche Reaktionen und Gesichtsausdrücke, um den internen Wettbewerb zu vermenschlichen, und vermeidet ein Urteil über das Urteil selbst.
Le Pens strafrechtliche Verurteilung und Umfragedaten werden nicht erwähnt, um den Fokus auf den internen Parteikonflikt zu halten.
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