
EU-Kommission schlägt langsamere Verknappung der CO₂-Zertifikate vor
Die Brüsseler Behörde will den linearen Reduktionsfaktor ab 2031 senken und kostenlose Zertifikate an Investitionsauflagen knüpfen – der CO₂-Preis gab leicht nach.
Die EU-Kommission hat am Freitag eine Reform des Emissionshandelssystems (ETS) vorgeschlagen, die den jährlichen Abbau der Zertifikatemenge ab 2031 verlangsamt. Der Preis für europäische CO₂-Zertifikate gab daraufhin leicht nach und notierte bei 78,58 Euro je Tonne. Derzeit sinkt die Obergrenze um 4,3 Prozent, ab 2028 um 4,4 Prozent pro Jahr. Nach dem Vorschlag soll der lineare Reduktionsfaktor von 2031 bis 2035 auf 3,7 Prozent und von 2036 bis 2040 auf 1,7 Prozent zurückgehen. Die Kommission begründet den Schritt mit dem Ziel, die Industrie in der Transformation zu entlasten und zugleich das Klimaziel einer 90-prozentigen Emissionsminderung bis 2040 zu erreichen.
Das System, das seit 2005 Kraftwerke, Industrieanlagen sowie Teile des Luft- und Seeverkehrs umfasst, hat die Emissionen in den betroffenen Sektoren um die Hälfte gesenkt und rund 260 Milliarden Euro an Einnahmen generiert. Künftig sollen kostenlose Zertifikate für Sektoren wie Stahl und Zement nicht wie geplant 2034 auslaufen, sondern bis 2038 gewährt werden – allerdings unter der Auflage, dass Unternehmen 80 Prozent der Zertifikate erst nach Vorlage von Investitionsplänen für die Dekarbonisierung erhalten und die restlichen 20 Prozent nach deren Umsetzung. Zudem müssen die Mitgliedstaaten künftig mindestens die Hälfte der nationalen ETS-Erlöse in die Emissionsminderung der abgedeckten Industrien reinvestieren. Gleichzeitig wird der Anwendungsbereich auf Müllverbrennungsanlagen, kleinere Schiffe und internationale Flüge mit einer Reichweite von bis zu 5.000 Kilometern ab EU-Start ausgedehnt.
Die Vorschläge spiegeln eine tiefe Spaltung innerhalb der Union wider. Italien, Polen und acht weitere Staaten hatten eine spürbare Entlastung der Industrie gefordert und sehen in der Reform einen ersten Erfolg. Aus Stockholm, Helsinki und Madrid kommt dagegen scharfe Kritik: Schwedens Regierung und Unternehmen wie SSAB und Stegra, die in wasserstoffbasierte Stahlproduktion investiert haben, warnen, ein schwächeres Preissignal gefährde die Kalkulationsgrundlage für Investitionen von mehr als 125 Milliarden Kronen in Nordschweden. Der schwedische Mobilitätsexperte Anders Roth vom IVL Svenska Miljöinstitutet spricht von einem falschen industriepolitischen Signal, das ambitionierte Unternehmen bestrafe. Umweltorganisationen wie das Europäische Umweltbüro und Abgeordnete der Grünen im Europaparlament kritisieren die Lockerung als Rückschritt, der die Glaubwürdigkeit der EU-Klimapolitik untergrabe.
Die Reform ist Teil eines Pakets, das auch einen Aktionsplan zur Elektrifizierung mit dem Ziel umfasst, den Stromanteil am Endenergieverbrauch bis 2040 auf 46 Prozent zu verdoppeln. Die ETS-Vorschläge werden nun im Europäischen Parlament und im Rat verhandelt; mit einem Abschluss ist frühestens im kommenden Jahr zu rechnen. Eine im Vorschlag verankerte Überprüfungsklausel sieht zudem eine Revision zum 1. Januar 2033 vor, die insbesondere die Verfügbarkeit internationaler Kohlenstoffgutschriften ab 2036 bewerten soll.
| Kontinentaleuropäische Presse | −0.50 | critical |
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Kritiker warnen, dass die EU das Klimaziel für kurzfristige industrielle Entlastung opfert und China einen Wettbewerbsvorteil bei sauberen Technologien verschafft.
Indem die Verlangsamung als Zugeständnis an die Industrie und konservative Regierungen dargestellt wird und das Risiko des Verlusts der Klimaführerschaft hervorgehoben wird, schafft die Erzählung eine Hierarchie von Bedrohungen, die die Reform gefährlich erscheinen lässt.
Die Erzählung lässt das Argument aus, dass die Reform eine notwendige Reaktion zur Verhinderung der Deindustrialisierung ist und Bedingungen wie obligatorische grüne Investitionen enthält.
Die Reform wird als pragmatische Anpassung dargestellt, um der Schwerindustrie mehr Spielraum zu geben, während die Dekarbonisierung vorangetrieben wird, ohne politisches Drama.
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Sie lässt die politischen Kämpfe und Umweltkritiken sowie die spezifischen Reduktionsraten aus.
Die EU unternimmt einen maßvollen Schritt, um die Regeln des Kohlenstoffmarktes zu lockern, und reagiert damit auf Bedenken Italiens und Polens hinsichtlich der Wettbewerbsfähigkeit, während sie die Klimaziele für 2040 anstrebt.
Die Erzählung präsentiert die Reform als ausgewogenen Kompromiss zwischen wirtschaftlichen und ökologischen Interessen, indem sie Sprache wie 'Druck verringern' und 'an Zielen ausrichten' verwendet, um einen rationalen Mittelweg vorzuschlagen.
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