
Nike übertrifft Erwartungen – Zollrückerstattungen treiben Gewinn, China bremst
Der US-Sportartikelkonzern meldet für das vierte Geschäftsquartal einen deutlichen Gewinnanstieg, der maßgeblich auf die Rückerstattung von US-Zöllen zurückgeht, während das Chinageschäft weiter schrumpft.
Der Sportartikelkonzern Nike hat im vierten Quartal des Geschäftsjahres 2026 einen Nettogewinn von 1,1 Milliarden US-Dollar erzielt, nach lediglich 211 Millionen Dollar im Vorjahreszeitraum. Der sprunghafte Anstieg ist auf die Rückerstattung von zuvor entrichteten US-Einfuhrzöllen zurückzuführen, die nach einer gerichtlichen Überprüfung der unter dem IEEPA-Gesetz erhobenen Abgaben an das Unternehmen zurückflossen. Der Umsatz lag mit 10,97 Milliarden Dollar leicht über den Markterwartungen, ging jedoch im Vergleich zum Vorjahr um ein Prozent zurück. Die Aktie legte nachbörslich um 2,3 Prozent zu, notiert im bisherigen Jahresverlauf aber weiterhin mit einem Minus von rund 36 Prozent.
Die operative Entwicklung verlief regional uneinheitlich. In Nordamerika, dem wichtigsten Markt, stiegen die Erlöse um drei Prozent auf 4,83 Milliarden Dollar, wobei das Großhandelsgeschäft Stärke zeigte, während die eigenen digitalen Kanäle und Ladengeschäfte rückläufig waren. In China hingegen sanken die Umsätze um zwölf Prozent auf 1,3 Milliarden Dollar. Dort setzen lokale Wettbewerber wie Anta dem Konzern zu, und der Abbau hoher Lagerbestände belastet die Margen. Die Marke Converse blieb ebenfalls schwach.
Konzernchef Elliott Hill, der Ende 2024 aus dem Ruhestand zurückkehrte, treibt eine tiefgreifende Neuausrichtung voran. Er richtet das Unternehmen wieder stärker auf sportliche Leistung und Produktinnovation aus, baut die Beziehungen zum Großhandel neu auf und hat in diesem Jahr bereits mehr als 2.000 Stellen gestrichen. Die anstehende Fußball-Weltmeisterschaft in Nordamerika dient als Bühne für die millionenschwere Marketingkampagne „Rip the Script“, mit der Nike seine Position im globalen Sport zurückerobern will. Aus Sicht von Investoren in Europa und Lateinamerika bleibt die Skepsis jedoch bestehen, da die strukturellen Probleme in China und der Margendruck durch gestiegene Logistikkosten die Erholung verzögern.
Die nächste Bewährungsprobe steht im November an, wenn Hill den Aktionären über die Fortschritte der Restrukturierung berichten will. Bis dahin werden die Quartalszahlen daraufhin geprüft, ob das Wachstum in Nordamerika anhält und sich die Lage in China stabilisiert. Die Rückerstattungen aus Zöllen verschaffen dem Konzern finanziellen Spielraum, doch die nachhaltige operative Wende muss erst noch belegt werden.
Wie dieselbe Geschichte anderswo erzählt wird.
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