
Monsunverzögerung in Indien, Überschwemmungen in Kolumbien: El Niño verschärft die Extreme
Während Indien unter einem historischen Niederschlagsdefizit und Hitzewellen leidet, kämpft Kolumbien mit sintflutartigen Regenfällen – ein globales Ungleichgewicht, das durch das Klimaphänomen El Niño verstärkt wird.
Aus Neu-Delhi berichten Meteorologen von einer alarmierenden Verzögerung des Südwestmonsuns: Mehr als eine Woche nach dem üblichen Eintreffen der Regenwolken über Mumbai verharrt die Front über dem Süden des Subkontinents, und das landesweite Niederschlagsdefizit hat sich auf 35 Prozent ausgeweitet. Besonders betroffen sind Maharashtra, die Konkan-Küste und weite Teile Zentralindiens, wo die Ausfälle bis zu 63 Prozent betragen. Satellitenbilder von EUMETSAT und NOAA zeigen eine ungewöhnlich spärliche Wolkenbedeckung, während die Temperaturen in Chhattisgarh, Maharashtra, Uttar Pradesh, Odisha und Telangana auf Hitzewellen-Niveau steigen. Einzig der Nordwesten Indiens verzeichnet bislang ein leichtes Plus von fünf Prozent, doch die Sorge vor einer Dürre wächst – nicht zuletzt, weil das Wetteramt IMD das Jahr als Super-El-Niño-Jahr einstuft.
In Bogotá und den kolumbianischen Küstenregionen bietet sich derweil ein gegensätzliches Bild: Das Institut für Hydrologie, Meteorologie und Umweltstudien (IDEAM) warnt vor einer Woche intensiver Niederschläge, die vor allem die Karibik- und Pazifikregion treffen. Eine tropische Welle – die Nummer 14 der Saison – bringt heftige Regenfälle und Gewitter, die bereits zu steigenden Pegeln in mehreren Flusseinzugsgebieten geführt haben. Für Bogotá werden leichtere, aber anhaltende Regenfälle erwartet, während im zentralen Karibikraum eine hohe Wärmebelastung prognostiziert ist. Die Behörden mahnen zur Wachsamkeit vor plötzlichen Überschwemmungen und Erdrutschen.
Klimaforscher sehen in diesen gegensätzlichen Extremen die Handschrift des El-Niño-Phänomens, das sich derzeit im Pazifik verstärkt. Die Erwärmung der Ozeanoberfläche im östlichen und zentralen Pazifik schwächt typischerweise den indischen Monsun, während sie in Teilen Südamerikas zu überdurchschnittlichen Niederschlägen führt. In Indien erinnert die Kombination aus ausbleibendem Regen und steigenden Temperaturen an frühere El-Niño-Jahre, die von Wasserknappheit und Ernteausfällen geprägt waren. Die kolumbianischen Starkregen wiederum sind Teil eines Musters, das die Amazonasregion und die Andenabhänge besonders verwundbar macht.
Die kurzfristigen Aussichten bleiben gespalten: Für Nordindien kündigt das IMD zwischen dem 18. und 22. Juni eine westliche Störung an, die leichte bis mäßige Niederschläge über der Himalaya-Region und den nordwestlichen Ebenen bringen soll. Auch die Monsunströmung könnte in den kommenden Tagen nach Ost- und Zentralindien vordringen. Eine nachhaltige Erholung des Gesamtdefizits ist jedoch frühestens Ende Juni zu erwarten. In Kolumbien bleibt die Unwettergefahr hoch, während die Behörden die tropische Welle und ihre Folgen weiter beobachten. Die globale Wetterlage mahnt einmal mehr, dass El Niño kein fernes Phänomen ist, sondern ein Taktgeber, der Lebensadern wie den Monsun und die Stabilität ganzer Ökosysteme durcheinanderbringt.
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Der indische Monsun ist stark verspätet, mit einem Niederschlagsdefizit von 35 % bis Mitte Juni. Satellitenbilder zeigen eine ungewöhnlich geringe Wolkenbedeckung, während Hitzewellen und Wasserknappheit große Regionen beunruhigen. Eine Erholung wird bis Ende Juni erhofft, doch die Alarmstufe bleibt hoch.
In Kolumbien sind diese Woche verbreitet Regenfälle vorhergesagt, mit den stärksten Ansammlungen in der Karibik- und Pazifikregion. Das nationale Wetterinstitut meldet bewölkten Himmel und mögliche Stürme und hält Warnungen vor Sturzfluten aufrecht. Die Bevölkerung wird gebeten, die Aktualisierungen zu verfolgen.
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