
Ein Ozean aus Nostalgie: Disneys „Moana“ kehrt als Live-Action zurück
Zehn Jahre nach dem Animationserfolg bringt Disney eine nahezu identische Realverfilmung in die Kinos – mit Dwayne Johnson als Maui und einer Debatte über den Sinn solcher Remakes.
Im Hollywood Bowl, unter dem offenen Himmel von Los Angeles, wirbelten Tänzer in polynesischen Gewändern über die Bühne, bevor Dwayne Johnson ans Mikrofon trat. Es war die Premiere der Live-Action-Version von „Moana“, und der Schauspieler, der den Halbgott Maui verkörpert, sprach nicht von Einspielergebnissen, sondern von Herkunft. „Ich glaube, man spürt es heute Abend – unsere Kultur, und was wir repräsentieren“, sagte Johnson, dessen eigener Großvater, der samoanische Wrestling-Champion Peter Maivia, als Inspiration für die Figur diente. Der Abend war eine Feier des pazifischen Erbes, doch der Film, der danach über die Leinwand flimmerte, entpuppte sich als ein nahezu identisches Abbild des Zeichentrick-Originals von 2016.
Die Handlung ist unverändert: Moana, die Tochter eines Häuptlings, segelt über das Meer, um mit Mauis Hilfe das Herz der Göttin Te Fiti zurückzubringen und ihre Insel vor dem Verfall zu retten. Catherine Laga‘aia, eine junge Schauspielerin aus Sydney, übernimmt die Titelrolle, während Johnson erneut den muskelbepackten, tätowierten Halbgott gibt – diesmal nicht nur mit der Stimme, sondern in einem rund 18 Kilogramm schweren Prothesenanzug, dessen Anlegen täglich zweieinhalb Stunden dauerte. Regisseur Thomas Kail, bekannt vom Broadway, setzt auf visuelle Opulenz, doch die digitale Überformung der hawaiianischen Landschaften lässt die Grenzen zwischen realer Kulisse und Greenscreen verschwimmen. „Ich könnte nicht sagen, welche Szenen vor Ort gedreht wurden“, schrieb ein Kritiker des britischen Independent.
Die Reaktionen auf das Remake fallen gemischt aus. In den USA verzeichnet der Film auf Rotten Tomatoes eine Zustimmung von lediglich 37 Prozent; Branchenbeobachter erwarten ein Eröffnungswochenende zwischen 60 und 75 Millionen Dollar. Aus indonesischen Medien ist zu vernehmen, dass die Transformation Johnsons in Maui als technische Meisterleistung gewürdigt wird, während brasilianische und portugiesische Kritiken die fehlende Eigenständigkeit beklagen – das Werk sei eine „Kopie Szene für Szene“, die nichts Neues hinzufüge. Die Los Angeles Times verweist auf die ungewöhnlich kurze Zeitspanne von nur einem Jahrzehnt zwischen Original und Neuverfilmung und zitiert Analysten, die meinen, bei Klassikern wie „Der König der Löwen“ habe die längere Abwesenheit die Herzen höher schlagen lassen.
Dabei ist das Remake nicht ohne bemerkenswerte Details. Die ursprüngliche Sprecherin Auli‘i Cravalho, die als Executive Producer fungierte, singt gemeinsam mit Laga‘aia den neuen Song „Along the Way“ im Abspann – eine Geste des Übergangs. Und Johnson, der den Film mitproduzierte, verleiht Maui eine ironische Selbstironie, die in manchen Szenen fast erwachsener wirkt als im Animationsfilm. Dennoch bleibt das Gefühl, dass hier ein digitaler Geist beschworen wird: Die Ahnen, die Moana im Original als stilisierte Schatten begleiteten, erscheinen nun als „Animatronics aus der Geisterbahn“, wie der Independent anmerkt.
Am Ende steht ein Film, der das Meer der Erinnerungen glättet, ohne neue Tiefen auszuloten. Während die einen darin eine liebevolle Hommage sehen, erkennen andere ein Symptom der Risikoscheu Hollywoods. Vielleicht ist das treffendste Bild jenes von Johnson, der in seiner künstlichen Haarpracht und dem Muskelkostüm durch eine computergenerierte Brandung watet – ein Halbgott, gefangen im eigenen Mythos.
| Lateinamerikanische Presse | −0.30 | critical |
|---|---|---|
| Arabische Golfpresse | +0.70 | aligned |
| Kontinentaleuropäische Presse | −0.70 | critical |
Die polynesischen Gemeinschaften und ihre Verbündeten fordern Repräsentation, warnen aber vor kommerzieller Ausbeutung.
Beruft sich auf kulturelle Authentizität, um Kritik zu legitimieren, und stellt Identitätsstolz gegen Marktlogik.
Lässt den positiven Familienfeier-Aspekt der Premiere und die persönliche Erzählung des Stars aus.
Die Familie Johnson feiert Erfolg und familiäre Einheit und ignoriert Kontroversen.
Personifiziert die Erzählung um Dwayne Johnson und macht den Film zu einem Familienereignis, um Kritik zu neutralisieren.
Lässt die kritische Debatte über Remakes und Repräsentationsfragen vollständig aus.
Europäische Filmkritiker prangern den Mangel an Originalität und die Kommodifizierung der Nostalgie an.
Nutzt Ironie und den Vergleich mit dem Original, um das Remake herabzusetzen, und stützt sich dabei auf das kulturelle Prestige der Animation.
Lässt den Repräsentationsaspekt und die persönliche angestammte Verbindung von Dwayne Johnson aus.
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