
Minderjährige und Waffen: Ermittlungsverfahren in Lateinamerika und Europa
In Argentinien, Brasilien, Schweden und Italien befassen sich Justizbehörden mit Fällen, in denen Jugendliche mit Schusswaffen oder waffenähnlichen Gegenständen in Verbindung gebracht werden.
In mehreren Staaten sind in den vergangenen Tagen Ermittlungsverfahren und Anklagen gegen Minderjährige im Zusammenhang mit Waffenbesitz oder -gebrauch öffentlich geworden. In der argentinischen Stadt La Plata durchsuchte die Polizei das Haus eines 16-Jährigen und beschlagnahmte 25 Feuerwaffen sowie über 6.700 Schuss Munition. Die Verteidigung des Jugendlichen, das Estudio Annuasi Castañón Hurtado, wies die Vorwürfe der Staatsanwaltschaft zurück und erklärte, der Jugendliche sei ein föderierter Sportschütze, der seit seinem zehnten Lebensjahr unter Aufsicht trainiere und das Land bei internationalen Wettkämpfen vertreten habe. Die Ermittlungen wegen öffentlicher Einschüchterung seien ohne Berücksichtigung dieses sportlichen Kontexts eingeleitet worden; zudem kritisierte die Verteidigung den Einsatz von Spezialeinheiten als unverhältnismäßig.
In Schweden erhob die Staatsanwaltschaft Anklage gegen einen 18-Jährigen aus Linköping wegen schweren Waffenvergehens. Laut Anklageschrift hatte der junge Mann in 14 auf seinem Mobiltelefon gefundenen Videos mit einer Tränengaspistole posiert. Das Nationella forensiska centrum (NFC) bestätigte die Waffenart. Die Anklage stützt sich darauf, dass die Pistole keinem legalen Verwendungszweck diente und in einem Umfeld aufbewahrt wurde, das nach Auffassung der Ermittler typischerweise eine kriminelle Nutzung befürchten lasse. Zudem soll der Beschuldigte in Chatgruppen verkehrt haben, in denen schwere Gewalttaten erörtert wurden, und Verbindungen zu kriminellen Netzwerken aufweisen.
In Italien griff die Polizia locale in Rimini drei aus Bologna angereiste Minderjährige auf, in deren Rucksäcken sich zwei Schlagringe, ein Elektroschocker mit 980.000 Volt, ein Messer mit 28 Zentimeter langer Klinge sowie ein Reizstoffsprühgerät befanden. Die Jugendlichen gaben keine Erklärung für die mitgeführten Gegenstände ab; sie wurden der Staatsanwaltschaft für Minderjährige gemeldet, die Eltern umgehend vorgeladen. Aus brasilianischen Verfahren werden zwei gegensätzliche Dynamiken sichtbar: In Porto Alegre nahm die Corregedoria der Brigada Militar Ermittlungen gegen eine Lehrerin einer militärbetriebenen Kindertagesstätte auf, nachdem Eltern mit versteckten Tonaufnahmen verbale Misshandlungen und Drohungen dokumentiert hatten. Das interne Militärermittlungsverfahren wurde mangels hinreichender Anhaltspunkte eingestellt; die Familie wandte sich daraufhin an das Ministério Público do Rio Grande do Sul.
In Rio de Janeiro wiederum führte die Beharrlichkeit einer Mutter zur Wiederaufnahme eines 2016 archivierten Falls: Das Ministério Público do Estado do Rio de Janeiro (MPRJ) erhob nun Anklage gegen zwei Polizisten wegen qualifizierten Totschlags an dem zehnjährigen Eduardo de Jesus Ferreira, der 2015 im Complexo do Alemão durch einen Gewehrschuss getötet worden war. Die Mutter hatte dem MPRJ 43 Videos und eine neue Zeugenaussage übergeben, die nach Darstellung der Anklagebehörde die Version einer versehentlichen Schussabgabe im Rahmen eines Feuergefechts widerlegen. Die Staatsanwaltschaft beantragte die Verhandlung vor dem Schwurgericht sowie eine Entschädigungszahlung von mindestens einer Million Real. In allen genannten Fällen stehen die nächsten Verfahrensschritte noch aus; in La Plata prüft die Justiz die Rechtmäßigkeit des Waffenbesitzes, in Linköping steht die Hauptverhandlung bevor, und in Rio de Janeiro muss das Gericht über die Zulassung der Anklage entscheiden.
Wie dieselbe Geschichte anderswo erzählt wird.
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Fälle von Minderjährigen, die mit Schusswaffen zu tun haben – ob als Opfer staatlicher Gewalt, als Sportschützen in rechtlichen Grauzonen oder als junge Straftäter – entfachen eine notwendige Debatte über Regulierung und Gerechtigkeit neu. Die lateinamerikanische Presse rückt die menschlichen Geschichten hinter den Zahlen in den Vordergrund und stellt die Wirksamkeit der aktuellen Politik sowie die Fairness des Justizsystems infrage. Sie fordert eine breitere gesellschaftliche Reflexion darüber, wie der Staat mit Jugend und Waffen umgeht.
Alarmierende Vorfälle, bei denen Minderjährige mit regelrechten Waffenarsenalen aufgegriffen werden, oft in Verbindung mit kriminellen Netzwerken, verdeutlichen eine wachsende Sicherheitsbedrohung. Die kontinentaleuropäische Presse betont den Schock über Waffen in den Händen von Teenagern und die dringende Notwendigkeit strengerer Durchsetzung und Prävention. Diese Fälle werden als Weckruf über das Eindringen von Gewaltkriminalität in die Jugend dargestellt.
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